PJ-Tertial in der Landarztpraxis: „Die Zeit ist viel zu schnell vergangen“

Liza Töller webZum Vergrößern bitte klicken.

Nach zwei PJ-Tertialen in verschiedenen Kölner Kliniken zog es Studentin Liza Töller für das dritte PJ-Tertial zurück in die Landarztpraxis der Drs. Sitter im mittelfränkischen Bechhofen, wo sie bereits Famulaturerfahrung gesammelt hatte. Gefördert wurde das PJ-Tertial von der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband. Ihr Bericht liest sich wie die Zusammenfassung eines perfekten PJ-Tertials mit großem Lerneffekt:

"Für mein letztes PJ-Tertial hatte ich die Allgemeinmedizin ausgewählt und nach zwei Tertialen in verschiedenen Kliniken in Köln begann für mich die Zeit auf dem Land. Ich hatte schon mein Blockpraktikum und eine Famulatur in der Praxis Dres. Sitter gemacht und freute mich, wieder nach Bechhofen zurückzukehren und das Praxis-Team und die Patienten wiederzutreffen.

Während meiner Zeit in der Praxis Dres. Sitter bekam ich einen umfangreichen Einblick in die sehr vielfältige Arbeit eines Hausarztes auf dem Land. Ich nahm aktiv teil an Gesundheitsvorsorgen, Hausbesuchen, Palliativ-Hausbesuchen, Versorgungen von Notfällen und Durchführung von Ergometrien.
Bei Ernährungsberatungen und psychologischen Interventionsgesprächen lernte ich viel in der ärztlichen Gesprächsführung. In der Sonographie machte ich unter Anleitung große Fortschritte. Ich durfte Patienten meist voruntersuchen und konnte so sehr viel üben.

Mit „eigenen Patienten“ konnte ich in der Akutsprechstunde und bei den DMP-Sprechstunden arbeiten. Dabei war der Lerneffekt groß, da ich mir immer erst einmal ganz alleine Gedanken machen musste und dann die relevanten Informationen dem Arzt vorstellte. Danach bekam ich Verbesserungsvorschläge und Anregungen als Feedback.

Desweitern hatte ich die Möglichkeit, eine Reihe von Geriatrischen Basis Assessments bei älteren Patienten durchzuführen. Ich erhielt einen Einblick in die Akupunktur, was sehr interessant war, da dies nicht in der Uni gelehrt wird. Die Befundung und Interpretationen von EKGs, Langzeit-EKGs und Laborwerten gehörten zum Tagesgeschäft.

Die Lehratmosphäre war hervorragend, ich konnte immer alle meine Fragen stellen und hatte nie das Gefühl, dass es „dumme Fragen“ gab. Ich wurde zum Mitdenken angeregt und bekam selbst viele Fragen gestellt. In Form von Kurzreferaten, die ich vorbereiten sollte, wurden relevante Themen und Leitlinien aufgearbeitet, was einen sehr großen Lerneffekt für mich hatte. 

Gleichzeitig mit mir war auch eine Famulantin in der Praxis, und das gelegentliche Teaching und Beantworten ihrer Fragen half mir, mein theoretisches Wissen zu strukturieren und Wissenslücken aufzudecken.

Desweitern wirkte ich an der Entwicklung eines praxisinternen DMP für arterielle Hypertonie mit. Ich konnte täglich unter Supervision meine Untersuchungstechniken üben und bekam noch hilfreiche Tipps und Handgriffe für die körperliche Untersuchung beigebracht. Interessante oder unklare Fälle wurden im Praxisteam diskutiert, wo jeder seine Ideen oder Anregungen einbringen konnte.

Sehr interessant waren auch die Einblicke in Praxisorganisation und -führung, sowie in die Berufspolitik.

Das Institut für Allgemeinmedizin der TU München bietet den Studenten, die in der Allgemeinmedizin PJ machen, ein “Probe-Stex“ an. Für mich war dies eine sehr gute Erfahrung, wo ich mir ein Bild machen konnte, wie die Prüfung ablaufen könnte und welche Art von Fragen gestellt werden können. Es war sehr beruhigend zu sehen, dass ich fast alle Themen, zu denen Fragen gestellt wurden, schon in der Praxis gesehen, gemacht oder besprochen hatte.

Im Rahmen der Initiative „Ärzte schnuppern Landluft“  konnte ich wieder im BRK-Heim wohnen und es wurde jeden Mittwoch ein Stammtisch mit Rahmenprogramm organisiert. Wir besuchten unter anderem die Kreuzgangspiele in Feuchtwangen, das Hilfskrankenhaus in Gunzenhausen und den ADAC-Rettungshubschrauber Standort in Sinbronn. So konnte ich mich mit anderen Studenten austauschen und wir lernten die Umgebung näher kennen.

Wie bei meiner Famulatur war es wieder möglich, dass ich neben meiner Tätigkeit in der Praxis auch ein Praktikum im Rettungsdienst machen konnte. Ich durfte im RTW und NEF mitfahren, was eine besondere Erfahrung war und sehr viel Spaß gemacht hat.

Am Stammtisch der Wasserwacht Bechhofen war ich auch wieder willkommen und es war großartig, die alten Bekannten wiederzutreffen.

Mir hat mein PJ-Tertial in Bechhofen sehr gut gefallen und die Zeit ist viel zu schnell vergangen. Ich kann nur jedem empfehlen, ein Tertial im PJ in der Allgemeinmedizin zu machen. Die Ausbildung und die Einblicke, die man bekommt, sind sehr vielfältig. Jeden Tag begegnen einem Fälle aus den verschiedensten Fachrichtungen (Innere, Notfallmedizin, Chirurgie, Psychiatrie, HNO, GYN, Pädiatrie, Geriatrie und Arbeitsmedizin). Besonders gefallen hat mir die Kontinuität des Arzt-Patienten-Verhältnisses.

Ich habe in den letzten Monaten meines PJs nochmal große Fortschritte gemacht. Ich habe viel Sicherheit beim Untersuchen, dem Umgang mit Patienten, mit der Herangehensweise an Beratungsanlässe und mit der praktischen Umsetzung von Therapiekonzepten bekommen.

Nur durch die Förderung der Stiftung des Bayerischen Hausärzteverbandes und die Unterstützung der Initiative „Ärzte schnuppern Landluft“, war es mir möglich, mein PJ-Tertial in einer allgemeinmedizinischen Praxis auf dem Land fern des Heimat- und Studienorts zu machen und diese einzigartigen Erfahrungen zu sammeln!

Liza Töller (TU München) über ihr PJ-Tertial in der Gemeinschaftspraxis Dres. Sitter, Bechhofen

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