PJ in der Hausarztpraxis: Allgemeinmedizin bietet für familienbezogene Ärzte eine sehr gute Zukunftsperspektive“

E. Tulper kZum Vergrößern bitte klicken.

Ellina Tulper, Medizinstudentin an der Universität Würzburg, verbrachte ihr 3. Tertial im Praktischen Jahr (PJ) in der Hausarztpraxis von Dr. med. Matthias Heckel in Margetshöchheim im unterfränkischen Landkreis Würzburg und nutzte dazu die PJ-Förderung der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband. Für die Mutter von zwei Kindern die richtige Entscheidung, wie sie im Nachgang feststellt. Hier ihr Bericht:

1. Motivation für Bewerbung PJ-Tertial Allgemeinmedizin auf dem Land

Ich bin 33 Jahre alt, habe 2 Kinder im Alter von 9 und 11 Jahren und habe bereits während des Studiums ein großes Interesse an Innerer Medizin entdeckt. Während des Blockpraktikums im 10. Semester in einer hausärztlichen Landpraxis habe ich viele Vorteile einer Allgemeinarztpraxis zu schätzen gelernt: zahlreiche internistische Krankheitsbilder, orthopädische Fragestellungen und Psychosomatik, strukturierte Arbeitszeiten (ohne Nachtdienste und Überstunden wie es oft in der Klinik der Fall ist), Nähe zum Wohnort und Patienten, die man generationsübergreifend und langjährig betreut, von klein bis groß, von einfachen Routineuntersuchen bis zu ernsthaften Notfällen – es ist alles dabei in der Allgemeinmedizin.

Die Allgemeinmedizin stellt das abwechslungsreichste Fach der Medizin dar und ist mit einer großen Verantwortung verbunden, Patienten richtig zu lotsen und nichts zu übersehen.

All das hat mich dazu bewegt, den weiteren Berufsweg Richtung Allgemeinmedizin zu wählen und mich für das dritte PJ-Tertial in einer Lehrpraxis meiner Universität anzumelden.

Ich hatte ein großes Glück dabei, in der Praxis von Dr. Heckel lernen zu dürfen. 

2. Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Diese Lehrpraxis befindet sich in der Gemeinde Margetshöchheim am malerischen linken Mainufer im unterfränkischen Landkreis Würzburg. Für 2018 ist ein Umzug in ein Ärztehaus geplant, das im Moment gebaut wird. Die Praxis verfügt über 4 Behandlungszimmer und wird von Dr. Heckel, einer Assistenzärztin in der Weiterbildung und 4 Medizinisch-technischen Assistentinnen betreut.

Dienstbeginn ist morgens zwischen 7:30 Uhr und 8:00 Uhr - je nach Wochentag.
PJ-Studenten werden in den ersten Tagen in die Tätigkeit der Praxis eingeweiht und dürfen relativ bald selbstständig Patienten aufnehmen, untersuchen, Anamnese ins System eintragen, Laborbefunde mit Patienten besprechen und Untersuchungsbefunde Herrn Dr. Heckel vorstellen. Im Prinzip alle Tätigkeiten eines Hausarztes habe ich selbstständig und/oder unter seiner Anleitung durchführen können. Doktor Heckel hat mir über die Schulter geschaut und mich unterstützt.

Zu Alltagstätigkeiten gehören Vorsorgeuntersuchung bei Kindern, Jugendlichen und Männern, Check-up, Impfungen, bis zu 20 Blutentnahmen täglich, EKG/Langzeit-EKG, Belastungs- EKG mit digitaler Aufzeichnung, Lungenfunktionsuntersuchung, Operationsvorbereitung, Allergietest und Allergie Beratung, kleine operative Eingriffe wie zum Beispiel Entfernung von suspekten Muttermalen etc. In diesen 3,5 Monaten habe ich auch einige Notfälle miterlebt und mitversorgt: 3 akute Lungenembolien und 2 Herzinfarkte, die wir durch korrekte Anamnese und Diagnostik schnell erkannt und Patienten in die Klinik verlegt haben.

Besonders spannend fand ich Ultraschaltuntersuchungen, die ich alleine durchführen durfte. Ich konnte all das, was ich in meinem ersten PJ-Tertial in der Klinik gelernt habe, in die Tat umsetzten: Schilddrüsen-, Abdomensonographie inklusive Farbduplex, Bewegungsapparat und Gelenke.

Jede Woche durfte einer der Studenten den Arzt bei seinen Hausbesuchen begleiten, die nicht nur in einzelnen Privathaushalten stattfanden, sondern auch in einem Kloster in Zell am Main und weiteren Pflegeeinrichtungen. Für die Mitbewohner des Pflegeheimes ist so ein Hausbesuch wie ein Fest, man freut sich über die Aufmerksamkeit, Zeit, Zuwendung und fröhliche Art, die der Arzt seinen pflegebedürftigen Senioren schenkt.

Die Mittagspausen sind lang (3 Stunden), im Sommer habe ich mit einer Kollegin am Erlabrunner See (5 min von der Praxis mit Rad entfernt) mit einem Picknick und Erfrischung im Wasser schöne Mittagspausen verbracht oder bin nach Hause gefahren und habe mich ausgeruht.
Am Mittwoch Nachmittag ist die Praxis zu und man hat viel Freizeit. Dr. Heckel trainiert zum Beispiel eine Kinderfußballmannschaft oder begleitet Patienten beim Kardiotraining.

3. Betreuung vor Ort

Ich habe mich sehr gut in der Praxis aufgehoben gefühlt. Patienten sind es gewohnt, dass Studenten täglich bei Untersuchungen dabei sind, und respektieren uns als angehende Ärzte, lassen sich von uns untersuchen und freuen sich, dass wir so viel Zeit zum Zuhören haben. Dr. Heckel hat sich regelmäßig Zeit genommen und unter vier Augen spannende Fälle mit mir besprochen, aber auch Feedback zu meiner Arbeit abgegeben – es war für mich enorm wichtig, konstruktive Kritik zu erleben. Immerhin werden wir beim dritten Abschnitt der ÄP von ihm geprüft und man möchte das beste Ergebnis erzielen.

4. Unterkunft

Ich bin vor einem halben Jahr in Richtung Würzburg umgezogen, von daher habe ich nicht nach einer Unterkunft gesucht. Studenten, die in der Praxis Famulatur oder Blockpraktikum absolvierten, kamen mit dem Rad aus Würzburg (bei schönem Wetter im Sommer ca 35 min Fahrtzeit), mit dem Auto, Bus oder Zug bis Veitshöchheim – mit dem Studentenausweis ist es kostenlos. In der Nähe von der Praxis gibt es viele kleine Ortschaften mit günstigen Übernachtungsmöglichkeiten.

5. Land und Leute

Den größten Teil der Patienten der Praxis machen die Einwohner von Margetshöchheim aus, aber auch aus der Umgebung Zell am Main, Veitshöchheim, Erlabrunn, Leinach u.s.w. kommen Patienten hierher.

Schon nach einem Monat des PJs haben mich alle gekannt und auf den Straßen immer mit „Frau Doktor“ begrüßt. Ein Hausarzt ist für seine Patienten wie ein Teil der Familie, man trifft sich auf kleinen Fisch- und Weinfesten, man erwartet, dass der Arzt immer für seine Patienten da ist. Das gibt ein Gefühl der Sicherheit und erhöht auch enorm die Compliance.
In so einer Praxis zu praktizieren, die von Patienten sehr gerne besucht wird, ist sehr förderlich auch für die eigene Motivation.

Das PJ hat den Ausschlag für die Entscheidung zum Beginn meiner Assistenzarztausbildung in der Allgemeinmedizin gegeben. Ich arbeite momentan auch in der Praxis – ich denke, das lässt darauf schließen, dass es mir sehr gut gefallen hat.

6. Fazit

Ich bereue meine Entscheidung nicht. Während andere Studenten nach dem Abschluss ihres Medizinstudiums nach einer geeigneten Assistenzarztstelle suchen, hat man bei der Wahl der Allgemeinmedizin sehr gute Chancen, eine Förderung zu bekommen und sogar in einer Klinik eingestellt zu werden, die eigentlich für Innere keine Plätze hat, aber für allgemeinmedizinische Weiterbildungsassistenten Stellen schafft. Nach dem Ende des klinischen Teils gibt es überall in den Lehrpraxen die Möglichkeit, eine Assistenzarztstelle zu erhalten und später sogar die eine oder andere Praxis mit der Niederlassung zu übernehmen. Es ist zweckmäßig, den ambulanten Teil der Weiterbildung erst nach dem Abschluss des klinischen Teils zu absolvieren.

Ich finde, Allgemeinmedizin bietet für familienbezogene Ärzte, die viel Wert auf Patientenkontakt, das Leben in einer ländlichen Umgebung mit viel Natur und Freizeitgestaltung legen, eine sehr gute Zukunftsperspektive.

Heutzutage bekommt man sehr gute Unterstützung von unterschiedlichen Organisationen, wenn man sich für den Hausarztberuf entscheidet.

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