In der Freizeit zum medizinischen Einsatz nach Ostafrika

OperierteZum Vergrößern bitte klicken.

Mindestens einmal im Jahr verabschiedet sich Augenarzt Dr. Winfried Grasbon aus der augenärztlichen Gemeinschaftspraxis mit Ehefrau Dr. Annelie in Pfaffenhofen an der Ilm, um für mindestens zwei Wochen, oft auch länger nach Tansania zu fliegen. Dort macht er nicht etwa Urlaub, obwohl das ostafrikanische Land durchaus dazu einlädt. Dr. Grasbon zieht es in Krankenhäuser, nach Uwemba, Peramiho, Mpanda, Sumbawanga, Litembo oder Matema, wo er von morgens bis abends unentgeltlich seine Hilfe als Augenarzt anbietet.

„Gleich nach dem Frühstück geht’s in die Ambulanz“, erzählt er, die dann meist schon übervoll ist mit Patienten, die oft lange Wege zurückgelegt haben, um den Doktor aus Deutschland zu sehen. Dass er wieder im Land ist, erfahren die Menschen vor allem in Gottesdiensten und durch Radiodurchsagen. „Manche haben 100 Kilometer Fußmarsch und mehr hinter sich, zum Teil auch aus den Nachbarländern wie dem Kongo“, weiß Dr. Grasbon. Wer so weit gekommen ist, der geht nicht wieder, bis er vom Arzt untersucht wurde. Da kann es vorkommen, dass abends um 9 Uhr noch Patienten vor der Ambulanz warten.

Kind mit grauem StarZum Vergrößern bitte klicken.

Die Untersuchungen sind jedoch auf den Vormittag beschränkt, der Nachmittag ist den Operationen vorbehalten. Hauptsächlich sind es Katarakt-Ops. Am Grauen Star Erblindete durch eine OP das Augenlicht wieder zu geben, ist Dr. Grasbons Hauptanliegen. Aber es kommen nicht nur Katarakt-Patienten in die Ambulanz. „Von Bagatellerkrankungen bis hin zu Glaukomen und Tumoren ist alles dabei, auch Notfälle sind häufig“, so Dr. Grasbon. „Da gibt es zum Beispiel Kinder mit einem Bienenstachel im Auge, Dornenverletzungen, häufig Verletzungen durch Holzsplitter“, nennt er Beispiele. Was mit den Notfällen passiert, wenn Dr. Grasbon nicht vor Ort ist? „Dann können sie nicht behandelt werden wie so viele andere Erkrankungen“, sagt der Augenarzt.
Auch die Fälle von Grauem Star, die Dr. Grasbon behandelt, sind in der Regel so weit fortgeschritten, dass die Betroffenen völlig erblindet sind und nur noch Hell und Dunkel unterscheiden können. Auch wenn die Diagnose offensichtlich erscheint: Dr. Grasbon legt immer Wert auf eine gründliche Untersuchung, um beispielsweise eine Netzhautablösung zu erkennen, die bei bis zu dreien von 100 Patienten hinter der Katarakt entstanden ist. „Dann wäre eine Operation sinnlos und würde nur falsche Hoffnungen wecken“, erklärt er.

Die Behandlungsqualität muss für Dr. Grasbon stimmen, selbst wenn er in Tansania teils unter erschwerten Bedingungen arbeitet.

Kind mit grauem Star nach OPZum Vergrößern bitte klicken.

„Die Linsen, die ich einsetze, sind immer durch Ultraschallbiometrie bezüglich der Dioptrienstärke auf den Patienten abgestimmt“, versichert er. Unterstützt wird Dr. Grasbon vor Ort jeweils von einem erfahrenen Team. Nach vielen Jahren Einsatz hat er in jedem der Krankenhäuser, zu denen er kommt, verlässliche Mitarbeiter. Durchschnittlich drei Operationen schafft er in zwei Stunden. Dabei bildet er gleichzeitig aus. „Ich arbeite mit zwei OP-Mikroskopen, an einem kann der Assistent unter meiner Aufsicht Aufgaben bei den Eingriffen übernehmen“, erläutert er.

Alle erforderlichen Geräter, Operationsmikroskope, Sterilisatoren und zum Beispiel auch Generatoren, um während der Operation die Stromversorgung sicher zu stellen, wurden angeschafft und sind vor Ort. Die Kosten werden hauptsächlich über Spenden getragen. Dazu wurde vor nunmehr 20 Jahren über die örtliche Kirchengemeinde die Gründung des gemeinnützigen Vereins „Afrika-Blindenhilfe Hettenshausen“ initiiert, dessen erster Vorsitzender Hettenshausens Bürgermeister Hans Wojta ist. Berichte und Bilder über die Arbeit in Tansania in der örtlichen Presse und in der Augenarztpraxis der Dres. Grasbon sind immer wieder Motivation für Spenden. „Meine Patienten finanzieren die Einsätze in Tansania zu einem Großteil mit“, so Dr. Grasbon.

Grasbon operietr mit einheimischer AssistenzZum Vergrößern bitte klicken.

Bereits seit über 25 Jahren hilft Dr. Grasbon Katarakt-Patienten in Ostafrika – zunächst über die Christoffel-Blindenmission in Ruanda, ab 1993, nachdem Unruhen das Arbeiten dort unmöglich gemacht hatten, auf eigene Faust in Tansania. Ein Nachfolger, der Dr. Grasbons Arbeit in Tansania eines Tages fortsetzen wird, ist noch nicht in Sicht. „Die eigene Praxis für Einsätze in Ostafrika wochenlang zu zusperren, ist nicht so einfach und in einer Einzelpraxis kaum machbar. Ich habe das Glück, dass ich mir die Praxis mit meiner Frau teile“, schildert Dr. Grasbon die Gründe dafür, dass es nicht einfach ist, junge Kollegen für seine Hilfseinsätze zu begeistern. „Aber noch geht es, die Arbeit selbst ist ja körperlich nicht so anstrengend“, meint er. Anstrengender seien An- und Abreise und die langen Wege zu den Einsatzorten.

NachsorgeZum Vergrößern bitte klicken.

„Ich bin dann mit den Kisten von Material, die ich jedes Mal mitnehme, um 5 Uhr morgens am Münchner Flughafen. Bis ich abends am Flughafen in Tansania ankomme und ins Bett komme, wird es meistens 23 Uhr. Im Morgengrauen, nach ein paar Stunden Schlaf, geht’s dann mit dem Auto weiter zum jeweiligen Einsatzort – mit durchschnittlich 50 Stundenkilometer und möglichst bei Tageslicht“, erzählt Dr. Grasbon. Nachts zu fahren sei gefährlich, schon wegen der schlechten Straßen. „Da sehen Sie Schlaglöcher und die Straßenbegrenzung nicht, und entgegenkommende Fahrzeuge haben oft nur ein Licht oder gar keins.“ Alles in Allem kalkuliert der Augenarzt zwei Tage für die Anreise und zwei Tage für die Rückreise. Dazu kommen die Wege zu den weiteren Einsatzorten.

Kisten mit MaterialZum Vergrößern bitte klicken.

Was aber lässt Dr. Grasbon nach wie vor weder Kosten noch Strapazen scheuen, um seinen afrikanischen Patienten zu helfen? „Dort werden meine beruflichen Fähigkeiten wirklich gebraucht, dort kann ich etwas bewirken, und die meisten Menschen könnten sich die Behandlung nicht leisten, wenn sie dafür bezahlen müsste“, begründet Dr. Grasbon sein Engagement. Zur Verdeutlichung nennt er das Beispiel eines Mannes, der 23 Jahre aufgrund eines Grauen Stars blind war, bevor Dr. Grasbon ihm durch die Katarakt-OP wieder zum Sehen verhalf. „Die Arbeit in Tansania ist eine besondere Herausforderung“, sagt er. „Dort muss ich vom Tupfer bis zur Kanüle alles selbst organisieren, kann mich ganz auf die Arbeit konzentrieren ohne kommerzielle Überlegungen. Das hat seinen Reiz“, ergänzt er.

Eigentlich sucht Dr. Grasbon einen Augenarzt, der seine Arbeit in Tansania weiterführt. Aber auch für andere Fachgruppen gäbe es genug zu tun in dem ostafrikanischen Land.

nach 25 Jahren wieder sehenZum Vergrößern bitte klicken.

So hat ihn vor einiger Zeit ein Chirurg begleitet, der Schilddrüsenoperationen vornahm. Er räumt allerdings ein, dass er bei seinen eigenen medizinischen Hilfseinsätzen aufgrund seiner Fachrichtung einen großen Vorteil hat: „Die Augenheilkunde, insbesondere die Katarakt-Operationen, sind ein überschaubares Gebiet, und beim Grauen Star kann der OP-Termin früher oder später geplant werden, ohne dass der Patient dadurch Schaden nimmt“, erklärt er.
Ins Reisegepäck gehört bei medizinischen Hilfseinsätzen in Tansania immer eine Malariaprophylaxe – „falls es Mücken gibt“ – und Mittel gegen akute Durchfallerkrankungen, die häufig sind. „Wenn man bereits gesundheitlich angeschlagen ist, sollte man so eine Reise nicht machen“, schränkt Dr. Grasbon ein.

Hilfe zum Helfen: Dr. Grasbon ist bei seinen Hilfseinsätzen in Tansania auf Spenden angewiesen – am besten an den gemeinnützigen Verein „Afrika-Blindenhilfe Hettenshausen“, Spendenkonto DE28 7215 1650 0000 0119 08 bei der Sparkasse Pfaffenhofen.

 

 

 

 

Kontakt

HzV: Vertragsinhalte

Tel 089 1273927-30 | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

HzV: Abrechnung

Tel 02203 57561111 | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Fortbildungsveranstaltungen

Tel 089 1273927-50 | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Verbandsmitgliedschaft

Tel 089 1273927-10 | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Hausarzt Patienten Magazin

Heft HA17 10 Titel R05 webHier finden Sie die bisherigen Beihefter des Bayerischen Hausärztever- bandes
und Ihr Bestellformular.

medCAST

medcast

3. Nachwuchs- tag des Bayerischen Hausärzte- verbandes

Newsletter bestellen

icon mailAbonnieren Sie
unsere BHÄVnews.