PJ in der Hausarztpraxis: Blick von außen auf das Krankenhaus

2017 03 07 Dr. Hans Jörg Hellmuth Raphaela SchmittenZum Vergrößern bitte klicken.

„Ich bin in einer Hausarztpraxis im Sauerland aufgewachsen. Mein Vater ist Internist und hat sich mit Hausärzten in einer Gemeinschaftspraxis niedergelassen“, erzählt Raphaela Schmitten. Die 29-Jährige studiert im 12 Semester Medizin in Würzburg und absolviert seit Dezember 2016 ihr PJ-Tertial in der Familienpraxis von Dr. Hans-Jörg Hellmuth und Kollegen in Lengfeld bei Würzburg.

Das PJ-Tertial in der Hausarztpraxis wird gefördert von der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband. Über dieses Programm werden nicht nur die Studierenden unterstützt, sondern auch die PJ-Praxen. „Nur mit einer guten und engagierten Ausbildung können wir junge Studierende für eine spätere Karriere als Facharzt für Allgemeinmedizin begeistern“, begründet Stiftungsvorstand Dr. Jakob Berger diese Doppelförderung. Die Fördersumme beläuft sich auf insgesamt 80.000 Euro und beträgt pro Studierenden bis zu 2.400 Euro pro Tertial sowie für die jeweils ausbildende HzV-Lehrpraxis bis zu 1.600 Euro pro Tertial.

„Diese Unterstützung ist für mich sehr wichtig. Um mir mein Studium zu finanzieren, hatte ich im Krankenhaus gejobbt. Diese Möglichkeit fällt jetzt während des PJs weg“, so die junge Frau.

„In einer Hausarztpraxis erhalten die Studierenden ein intensives 1-zu-1-Coaching. Hinzu kommt, dass 95 Prozent der medizinischen Ausbildung in Krankenhäusern stattfindet. Ich finde es aber sehr wichtig, dass die angehenden Ärztinnen und Ärzte auch einen Blick von außen auf das Krankenhaus bekommen“, sagt Dr. Hellmuth – was seine PJ-Studentin bestätigt: „Diesen engen Patientenkontakt erlebt man nur in einer Hausarztpraxis. Die Behandlung von multimorbiden Patienten, die ganze Palette an unterschiedlichen Medikationen sowie die Hausbesuche sind wichtige Erfahrungen für mich als angehende Ärztin.“

Trotz der familiären Vorbelastung hatte Raphaela Schmitten ein paar Umwege auf ihrem Weg zur Ärztin gehen müssen. „Ich habe nicht sofort einen Studienplatz bekommen. Als Überbrückung habe ich die Pflegepraktika absolviert und eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin gemacht, bis es dann endlich mit dem Studienplatz geklappt hat.“

Ob sie später einmal in die Praxis ihres Vaters einsteigt, hat Raphaela Schmitten noch nicht entschieden. „Das ist natürlich eine Option. In jedem Fall möchte ich mich niederlassen. Neben der Allgemeinmedizin reizt mich noch die Innere Medizin und die Sportmedizin“, erzählt die begeisterte Triathletin und Marathonläuferin.