PJ in der Hausarztpraxis: "So eine Luxusbetreuung gibt es wirklich nur im ambulanten Bereich!"

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Für Ines Graf besitzt die Allgemeinmedizin "eine faszinierendeVielfalt". Neben der guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf gibt es für Ines Graf keine andere Fachrichtung die in Ihrer Arbeit so abwechslungreich ist. Gefördert von der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband lernte sie während ihres PJ-Tertial in der Praxis von Dr. Claudia Völkl nicht nur die vielseitige Arbeit in einer Allgemeinarztpraxis kennen, sondern auch die Vorzüge des Lebens und Arbeitens auf dem Land wieder zu schätzen. Ihre Positiven Erfahrungen fasst sie in einem persönlichen Bericht zusammen: "Es war ein rundum gelungenes Tertial in der Praxis Dr. Völkl in Nördlingen, das mich in meinem Ziel Hausärztin zu werden weiter bestärkt hat". 

1. Motivation für ein PJ-Tertial in der Allgemeinmedizin

Schon früh im Studium entdeckte ich die Allgemeinmedizin aufgrund ihrer faszinierenden Vielfalt für mich. In keiner anderen Fachrichtung hat man so viele verschiedene Krankheitsbilder, so abwechslungsreiche Arbeitstage und Patienten aller Altersgruppen und Gesellschaftsschichten. Durch Hausbesuche und die teilweise generationenübergreifende Betreuung ganzer Familien erweitert sich der Blick auf den Patienten zusätzlich.
Ein weiterer Pluspunkt der Allgemeinmedizin ist die gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Geregelte Arbeitszeiten, wenig Dienstbelastung und die Möglichkeit in Teilzeit zu arbeiten. Die Gründung einer Familie war schon immer fester Bestandteil meiner Lebensplanung.

Das Leben auf dem Land lernte ich bereits in meiner Kindheit kennen – ich wohnte bis zum Abitur in einem Dorf mit 960 Einwohnern. Als ich zum Studium nach Würzburg zog, gefiel es mir dort so gut, dass ich erst einmal nicht mehr weg wollte. Aber durch meine Hausarztfamulatur in der Praxis von Dr. Claudia Völkl lernte ich die Vorzüge des Lebens und Arbeitens auf dem Land wieder zu schätzen. So entstand der Wunsch, für mein Wahltertial nicht nur in eine Hausarztpraxis, sondern auch auf´s Land zu gehen.

2. Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

In der Praxis arbeiten 2 Ärztinnen (Dr. Claudia Völkl selbst und eine angestellte Fachärztin für Allgemeinmedizin), 9 Medizinische Fachangestellte, eine Auszubildende sowie mehrere Reinigungskräfte. Die Räumlichkeiten sind auf zwei Etagen aufgeteilt und bestehen aus mehreren Behandlungszimmern, einem Sonographie-Raum, einem Verbandszimmer und einem Labor mit Lungenfunktionsprüfung, Ergometrie und EKG.

Seit 2017 betreibt Dr. Völkl eine Filialpraxis in Amerdingen, einem Dorf mit 830 Einwohnern. Die Versorgung der Patienten dort übernimmt überwiegend eine weitere von Dr. Völkl angestellte Fachärztin für Allgemeinmedizin.
Dort war ich einmal pro Woche, die restlichen Tage verbrachte ich in der Praxis in Nördlingen. In den ersten Tagen lief ich noch bei der jeweiligen Ärztin mit, aber nach und nach konnte ich immer selbstständiger arbeiten. Ich hatte meine eigenen Patienten, bei denen ich die Anamnese und körperliche Untersuchung eigenständig durchführte, mir eine Arbeitsdiagnose und einen Therapievorschlag überlegte und diesen einer der Ärztinnen vorstellte. Gemeinsam beschlossen wir dann das weitere Procedere. Dabei merkte ich, wie viel ich aus meiner Zeit in der Klinik anwenden konnte, und gleichzeitig lernte ich jeden Tag viel Neues von den erfahrenen Ärztinnen. Auch die Beurteilung von EKGs und Lungenfunktionstests kamen ebenso wie Check-up-Untersuchungen oder OP-Vorbereitungen nicht zu kurz.

Eine Besonderheit waren für mich die Hausbesuche, die ich unter Anleitung von Dr. Völkl teilweise selbstständig durchführte. Die Einblicke, die man dabei in das Leben der Patienten bekommt, sind sehr aufschlussreich. Außerdem ist es eine tolle Erfahrung, nur mit seinen Sinnen und dem Stethoskop herauszufinden, was dem Patienten fehlt – ganz ohne Sonographie, EKG und der ganzen Diagnostik, die man in der Praxis oder Klinik zur Verfügung hat.

3. Betreuung vor Ort

Das ganze Praxisteam ist sehr nett und familiär. Alle waren äußerst geduldig mit mir und gewährten mir gerne Einblick in die Organisation der Praxis. Sehr schnell fühlte ich mich als Teil des Teams.

In Amerdingen hatte ich durch die Ärztin eine 1:1-Betreuung, in Nördlingen sogar eine 2:1-Betreuung. So eine Luxusbetreuung gibt es wirklich nur im ambulanten Bereich! Alle meine Fragen wurden geduldig beantwortet. Bei komplexen Patienten gab mir Dr. Völkl bereitwillig Hintergrundinformation und ich konnte jederzeit Einsicht ins Befundarchiv der Patienten erhalten, wenn ich tiefer recherchieren wollte.

Ich konnte nicht nur Routine in Anamnese und körperlicher Untersuchung erlangen, sondern auch mehrmals pro Woche sonographieren.

5. Land und Leute

Für das PJ kehrte ich in meine alte Heimat zurück und bezog dort mit meinem Mann und meinen beiden Kindern eine Wohnung im Haus meiner Schwiegereltern. Das ist 11 Kilometer entfernt von Nördlingen. So legte ich den täglichen Weg zur Arbeit mit dem Auto bzw. Mitfahrgelegenheiten zurück. Für Studenten, die nicht in der nahen Umgebung wohnen, gibt es in Nördlingen zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten in der Innenstadt. Da die Praxis mitten in der Altstadt liegt, ist sie gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen. Falls eine Unterkunft benötigt wird, ist Dr. Völkl gerne bei der Vermittlung behilflich.

Nördlingen ist eine Kleinstadt mit etwa 20.000 Einwohnern. Sie liegt inmitten eines Meteoritenkraters, der vor 14,5 Millionen Jahren entstand und einen Durchmesser von 25 km hat. Die Altstadt ist rundherum von einer Stadtmauer umgeben, die mit Ausnahme weniger Meter vollständig begehbar ist. Vom 90 Meter hohen Kirchturm der St. Georgs-Kirche in der Stadtmitte kann man den ganzen Krater überblicken – ein einmaliges Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Aber auch abseits der historischen Pfade hat Nördlingen viel zu bieten: Von Freibad über Minigolf, Kino, diversen Einkaufsmöglichkeiten, Bars und Restaurants gibt es alles, was das Herz begehrt. Vielfältige Rad- und Wanderwege sowie mehrere sehr gut erhaltene Schlösser und Burgen laden zu Ausflügen in die Umgebung ein.

6. Fazit

Es war ein rundum gelungenes Tertial in der Praxis Dr. Völkl in Nördlingen, das mich in meinem Ziel, Hausärztin zu werden, weiter bestärkt hat. Ich habe viel gelernt und die Betreuung war klasse! Und wer weiß – vielleicht werde ich im Rahmen meiner Weiterbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin eines Tages wieder in der Praxis Dr. Völkl tätig sein.

Ines Graf