PJ in der Hausarztpraxis – Diagnose Krebs: „Dieser Fall hat mir gezeigt, wie anspruchsvoll der Beruf des Hausarztes gerade auf dem Land ist.“

 
Landarzt AhorntalZum Vergrößern bitte klicken.

„Ich habe sofort gesehen, dass bei dem Patienten die Lymphknoten geschwollen sind. Das fand ich alarmierend“, berichtet Annika Wunderlich von ihrem ersten schweren Fall. Die 24jährige Medizinstudentin absolviert den zweiten Teil ihres PJs bei Dr. Michael Hofmann in der Hausarztpraxis Ahorntal in Oberfranken. Die weiteren Untersuchungen haben dann bestätigt, dass etwas Ernstes vorliegt. „Leider mussten wir bei dem Patienten ein Lungenkarzinom diagnostizieren“, erklärt Dr. Hofmann.

„Dieser Fall hat mir gezeigt, wie anspruchsvoll der Beruf des Hausarztes gerade auf dem Land ist. Hier sieht man alles, vom Baby bis zum älteren Menschen, von leichten Erkältungen bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen. Ich kann mir deshalb gut vorstellen, mich später als Hausärztin auf dem Land niederzulassen“, sagt die 24Jährige.

Während ihres PJs ist die Studentin auch regelmäßig bei den Hausbesuchen dabei, eine Erfahrung, die Annika Wunderlich nicht missen möchte: „Da lernt man den Patienten, dessen Familie und das gesamte Umfeld viel besser kennen als in einer Klinik. Als Hausarzt ist man wirklich nah am Menschen.“

Für ihren Traum, Ärztin zu werden, musste Annika Wunderlich ein paar Umwege in Kauf nehmen. „Ich bin in der Nähe von Bayreuth aufgewachsen, habe aber nach dem Abitur in Deutschland zunächst keinen Studienplatz bekommen. Ich habe dann zwei Jahre in Riga studiert, bevor ich nach Magdeburg wechseln konnte.“ Die praktische Ausbildung in Oberfranken hat dann die Stiftung Bayerischer Hausärzteverband möglich gemacht. Sie fördert seit mehreren Jahren PJs in Hausarztpraxen, die an der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) teilnehmen. „Die Unterstützung des Bayerischen Hausärzteverbandes hat mir geholfen, allgemeine Lebenshaltungskosten, wie die Benzinkosten, abzudecken“, sagt die Studentin.

Auch der direkte Kontakt zum Hausarzt ist für sie ein wichtiger Pluspunkt. „Die 1:1-Betreuung ist perfekt. Da lernt man wirklich viel.“ Die Stiftung Bayerischer Hausärzteverband fördert deshalb auch die ausbildende Praxis. „Wir machen das nicht des Geldes wegen, aber es ist eine Form der Anerkennung. Es macht Spaß, junge Menschen für unseren Beruf zu begeistern“, erzählt Dr. Hofmann.

Und neben viel Praxiserfahrung nimmt Annika Wunderlich vor allem eines mit: „Schön ist, dass man sich die Arbeitszeit als Hausarzt oder Hausärztin prinzipiell flexibel einteilen kann.“