Famulatur in der Hausarztpraxis: Mehr als ein Jahrhundert Patienten-Erfahrung

Famulatur MetzmacherZum Vergrößern bitte klicken.

Ende 2014 wurde seine Praxis von der Universität Erlangen/Nürnberg als akademische Lehrpraxis akkreditiert. Seither dreht Dr. Marc Metzmacher richtig auf. Sechs Famulantinnen, zwei PJ'ler (Studentinnen im Praktischen Jahr) und einen Blockpraktikanten hat er in der kurzen Zeit schon weitergebildet. Nun nutzt bereits die zehnte Medizinstudentin das Angebot in Gunzenhausen.

Carolin Budick ist examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und arbeitete bereits drei Jahre Vollzeit auf einer Intensivstation. Dadurch überbrückte sie die 13 Wartesemester bis zur Zuteilung ihres Studienplatzes.

Immer wieder sonntags auf die Intensivstation

Die gebürtige Fürtherin finanziert ihr Medizinstudium mit einer Viertel-Stelle auf der Intensivstation eines großen Klinikums. Vor allem an Sonn- und Feiertagen und an den Wochenenden. Als die Praxis-Famulatur anstand, sagte sie sich: "Wenn schon Hausarzt, dann richtig". Mit richtig meinte sie "Landarzt". Die zahlreichen positiven Berichte anderer Studentinnen brachten sie schnell auf die Webseite von Dr. Marc Metzmacher. Erfreut stellte sie fest, dass in Gunzenhausen sogar eine kleine Wohnung möbliert und kostenfrei zur Verfügung gestellt wird. Von dort aus sind es nur ein paar Schritte zur Praxis und zum Bahnhof. Damit entfällt das tägliche Pendeln.

Langfristige Patientenbetreuung in unterschiedlichen Lebensphasen

Die langfristige hausärztliche Patientenbetreuung in unterschiedlichen Lebensphasen ist ein wesentlicher Unterschied zur Behandlung von Schwerstkranken einer Intensivstation. Die jüngste Patientin während der Famulatur war fünf Tage alt und wurde im Rahmen der Säuglings-Vorsorge zur U2 gebracht. Normalerweise wird diese frühe Untersuchung so kurz nach der Entbindung noch im Krankenhaus durchgeführt. Doch in der Region sind auch ambulante Entbindungen in einem Geburtshaus möglich. Und dann untersucht eben der Hausarzt den Säugling.
Die älteste Patientin mit der Carolin Budick in der Praxis Kontakt hatte, ist 102 Jahre alt - und nicht nur rüstig, sondern wohlauf. Doch ein paar Wehwehchen gibt es natürlich in diesem Alter immer.

Routiniert durch Famulatur

Die examinierte Krankenschwester macht fast bei jedem Patienten die Vorab-Anamnese, kann unter Aufsicht impfen und Blut abnehmen. Dass man dabei eine gewisse Routine bekommt, empfindet sie als einen der großen Vorteile ihrer Famulatur. Dr. Metzmacher bescheinigt der Studentin - natürlich auch aufgrund ihrer vorherigen Berufsausbildung - eine außergewöhnlich gute Erfahrung bei der Patienten-Beobachtung. Eine Medizinerin wie sie könnte er sich einmal als Kollegin in seiner Praxis vorstellen. Und auch Carolin Budick kann sich sehr gut vorstellen, in einigen Jahren als Landärztin zu arbeiten.

Keine Notarzt-Einsätze mehr

Dr. Marc Metzmacher ist leitender Notarzt im Landkreis. Bis vor kurzem gehörte für die Studierenden die Begleitung im Notarztwagen mit zur Ausbildung in der Landarzt-Praxis. Die Einsätze vermittelten Erfahrung, wenn es um rasche Entscheidungen und schnelle Hilfe geht. Nun hat das Bayerische Rote Kreuz im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen untersagt, dass die Studierenden den Notarzt im Einsatzwagen begleiten. Eine Entscheidung, die Dr. Metzmacher aus ärztlicher und strukturpolitischer Sicht nicht nachvollziehen kann und die er für Carolin Budick bedauert. Er hofft im Sinne der Medizin-Ausbildung, dass das BRK die Regelung nochmals neu bewertet.

Weiterbildungsassistent dringend gesucht

Dr. Marc Metzmacher ist überzeugt, dass der Hausarzt dem Gesundheitssystem Kosten spart: durch genaue Diagnostik, weniger sinnlose Untersuchungen und durch den Verzicht auf unnötige Gerätetechnik. Das überwiegend pauschale Honorierungs-System findet er im hausärztlichen Bereich besser als Einzelleistungsvergütungen. Er richtet sein Augenmerk insbesondere auf die Patienten, die sich mit der Teilnahme an der hausarztzentrierten Versorgung an ihn als ganzheitlich beratenden Hausarzt wenden und ihn nicht nur als einen Arzt für harmlose Erkrankungen sehen.

Die Hilferufe der Krankenhaus-Notaufnahmen kann er nicht nachvollziehen. Selbst wenn der Arzt in der Nachbarschaft Dienst hat - zum Beispiel am Samstag - lässt man nach seiner Erfahrung die Patienten in der Notaufnahme warten, statt sie zu niedergelassenen Ärzten umzuleiten.

In der Allgemeinmedizin Traumberuf gefunden

Die in einer malerischen Villa gelegene Landarztpraxis in Gunzenhausen bietet nicht nur viel Platz, sondern auch genügend Arbeit. Wenn Hausärzte in der Umgebung keinen Nachfolger finden, werden die Patienten von den anderen Ärzten mitversorgt. Deshalb wünscht sich Dr. Metzmacher schon seit langem Unterstützung. Vier Jahre sucht er bereits vergeblich nach einem Weiterbildungsassistenten. Dabei wären die Arbeitsbedingungen sicher nicht schlecht. Das kann Dr. Metzmacher durch seinen eigenen Werdegang belegen. Er kommt eigentlich aus Dachau bei München und leistete am Krankenhaus in Gunzenhausen Assistenzarztzeit ab. Doch mit der Zeit fand er die chirurgische Tätigkeit im Krankenhaus zunehmend eintönig auch bezüglich der Karrierechancen und fand in der Allgemeinmedizin seinen Traumberuf. Als die Praxis seines Vorgängers angeboten wurde, hat er seinen Traum verwirklicht - und auch nach zwanzig Jahren noch Freude daran.

Seine große Sorge ist die Zukunft der Hausärzte. Ihr gehört auch sein Engagement. Deshalb bietet er möglichst vielen Studentinnen und Studenten die Chance zur Weiterbildung.






Text & Foto: Techniker Krankenkasse