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Die Gesundheitspolitische Zitrone des Monats geht an die Ständige Impfkommission

Zitrone mit bvkj

München, 2. Juli 2021 – Selbst der Bundesgesundheitsminister war offenbar nicht informiert: Nur Stunden, nachdem Jens Spahn gemeinsam mit Bundesinnenminister Horst Seehofer am Donnerstagvormittag in der Bundespressekonferenz über den aktuellen Stand im Kampf gegen die Delta-Mutante die Öffentlichkeit informiert hatte, funkt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut mit einer neuen Corona-Impfempfehlung dazwischen. Ohne jede Vorankündigung empfiehlt die STIKO, generell nach einer Erstimpfung mit AstraZeneca die Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff von BioNTtech oder Moderna durchzuführen. Gleichzeitig verkürzt die STIKO potenziell den Impfabstand zum Teil erheblich. So werden aus 12 Wochen zwischen einer Erst- und Zweitimpfung bei AstraZeneca plötzlich nur noch mögliche vier Wochen bei einer Zweitimpfung mit einem mRNA-Vakzin.

„Mit diesem unabgestimmten Vorstoß hat die STIKO Chaos in unseren Praxen ausgelöst – und dies nicht zum ersten Mal“, erklärt Dr. Markus Beier, Landesvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes. Und Dr. Dominik A. Ewald, Landesverbandsvorsitzender Bayern des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte ergänzt: „Mit dieser erneuten Kehrtwende werden das Vertrauen der Patienten in die Impfkampagne unnötigerweise erschüttert und neue Impfhürden im praktischen Impfmanagement aufgebaut.“

Die aktuelle Änderung der Impfempfehlung hat bereits kurz nach der Verkündung die Planung in den Praxen auf den Kopf gestellt. „Viele Patienten, die erst in ein oder zwei Monaten für die Zweitimpfung vorgesehen waren, wollen jetzt unbedingt vor dem Sommerurlaub vollständig geimpft werden. Doch wo soll über Nacht der mRNA-Impfstoff für die Zweitimpfungen für mehrere Wochen herkommen?“, erklärt Dr. Beier. Schlimmer noch: Mit der neuen Impfempfehlung wirft die STIKO auch bei den vollständig Geimpften Fragen auf, auf die Impfex-perten am Robert Koch-Institut selbst noch keine Antworten haben. Dr. Beier: „Viele Bürger, die bereits zweimal mit AstraZeneca geimpft worden sind, fühlen sich jetzt als Patienten zweiter Klasse und befürchten, gegen die Delta-Mutante nicht ausreichend geschützt zu sein. Darunter sind vor allem Angehörige der Risikogruppen, die jetzt wissen wollen, ob eine Drittimpfung mit einem mRNA-Impfstoff sinnvoll ist, und wann sie diese erhalten.“

„Natürlich bedeutet wissenschaftliche Begleitung einer Impfkampagne auch, dass Entscheidungen und Empfehlungen geändert und angepasst werden. Aber dies muss doch mit denjenigen abgestimmt werden, die dies tagtäglich umsetzen müssen“, ergänzt Dr. Ewald für die Kinder- und Jugendärzte.

Dass die sogenannte heterologe Impfung, also die Kombination aus Vektorviren- und mRNA-Impfstoffen, offenbar einen sehr guten Schutz auch vor der Delta-Mutante gewährt, ist für Mediziner keine große Überraschung. „Zahlreiche Studien, die in den vergangenen Monaten veröffentlicht wurden, zeigen übereinstimmend, dass diese Kombination gut vor einer Covid19-Infektion schützt. Es war also völlig unnötig, dass die STIKO mit einer Adhoc-Meldung völlig unabgestimmt die Impfpolitik ändert und dann mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert“, so die beiden Ärzte im Namen ihrer Berufsorganisationen.

Dr. Beier und Dr. Ewald: „Die Pandemie bekommen wir nur in den Griff, wenn alle Beteiligten strategisch, proaktiv und abgestimmt vorgehen. Die einsame Entscheidung der STIKO war schlecht geplant und überhastet bis gar nicht kommuniziert. Gerade von der STIKO, die ein hohes Renommee und eine große Verantwortung hat, erwarten wir ein professionelles Vorgehen, das sich nicht nur auf die rein medizinische Bewertung beschränkt, sondern auch die richtige Kommunikation beinhaltet. So ist momentan der Schaden größer als der Nutzen. Neben der Doppelbelastung aus Impfkampagne und Versorgung unserer Patienten müssen wir niedergelassenen Ärz-tinnen und Ärzte völlig ohne Not Menschen auffangen, die nach der STIKO-Entscheidung verunsichert sind und viele Fragen haben.“

Der Bayerische Hausärzteverband und der Landesverband Bayern des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte verleihen deshalb der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut die Gesundheitspolitische Zitrone des Monats Juli. Mit der Gesundheitspolitischen Zitrone, die fallweise vergeben wird, macht der Bayerische Hausärzteverband seit Jahren die schlimmsten Missstände im deutschen Gesundheitssystem öffentlich. Zum ersten Mal wird in diesem Monat die Gesundheitspolitische Zitrone gemeinsam mit dem Landesverband Bayern des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte vergeben.


Gesundheitspolitische Zitrone als PDF

 

 

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