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eRezept und eAU: „Aktuell für die hausärztlichen Praxen kein Mehrwert, sondern Mehraufwand“

Digitalisierung ist ein großes Thema bei 42. Deutsche Hausärztetag in Berlin. Im Interview zieht Dr. Markus Beier, Landesvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, Bilanz und erklärt, welche Anträge der Bayerische Hausärzteverband eingebracht hat.

 
Dr. Markus Beier
Dr. Markus Beier, 
Landesvorsitzender
des Bayerischen Hausärzteverbandes

Herr Dr. Beier, was war neben der Pandemie das Hauptthema des Deutschen Hausärztetages?

Dr. Markus Beier: „Die Digitalisierung. Dieses Schlagwort kommt in so ziemlich jeder Rede einer Politikerin oder eines Politikers vor. Auch wenn wir Hausärztinnen und Hausärzte skeptisch sind, dass die Digitalisierung ein Allheilmittel für alle Probleme im Gesundheitsbereich ist, müssen wir uns intensiv mit diesem Thema beschäftigen, auch um den größten Unsinn zu verhindern, wie wir es gerade wieder beim eRezept und der eAU erleben. Wir haben deshalb einen Antrag initiiert, dass der Geschäftsführende Vorstand des Deutschen Hausärzteverbandes bis zur nächsten Frühjahrstagung ein Konzeptpapier „Digitale hausärztliche Versorgung“ erarbeitet. Ziel ist es, festzustellen, wie uns die Digitalisierung sinnvoll in der Hausarztpraxis unterstützen kann, mit welchen externen Partnern man das umsetzen kann, und wie wir mit der Digitalisierung die Hausarztverträge weiterentwickeln können.

Sie haben bereits die eAU erwähnt, die eigentlich zum 1. Oktober, also Ende nächster Woche, eingeführt und ab 1. Januar 2021 verpflichtend sein soll, obwohl die meisten Software-Anbieter noch keine funktionierenden Lösungen entwickelt haben. Wie groß ist der Ärger bei den Hausärztinnen und Hausärzten?

Dr. Markus Beier: Wir haben grundsätzlich nichts gegen eine eAU oder ein eRezept, das dann zum 1. Januar folgen soll. Wir verlangen aber, dass damit administrative Prozesse in den hausärztlichen Praxen vereinfacht und beschleunigt werden. Derzeit ist genau das Gegenteil der Fall. eRezept und eAU bedeuten für die hausärztlichen Praxen keinen Mehrwert, sondern einen Mehraufwand. Zudem fehlt die Infrastruktur, und es haben auch keine belastbaren Testläufe stattgefunden.

Was schlagen Sie vor?

Dr. Markus Beier: Wir brauchen sofort eine längere Übergangszeit, die dann von den Software-Anbietern dazu genutzt werden muss, die Prozesse vollständig digital und bürokratiearm zu gestalten. Außerdem müssen die Krankenversicherungen ihre Mitglieder auf allen Kanälen über diese Änderungen aufklären. Das kann nicht Aufgabe unserer Praxisteams sein.

Neben der eAU und dem eRezept wird auch immer wieder über die ePA, die elektronische Patientenakte, gesprochen. Wie ist da der Stand?

Dr. Markus Beier: Auch hier gilt: Wir sind nicht grundsätzlich gegen die ePA, erwarten aber einen Mehrwert und keinen Mehraufwand. Wir fordern deshalb, dass wir Hausärztinnen und Hausärzte bei der Weiterentwicklung eingebunden werden. Die ePA muss so aufgebaut sein, dass die Daten unkompliziert und übersichtlich gespeichert sind, wir dort neue Daten strukturiert einstellen können, und dass die ePA unkompliziert mit den Daten aus dem PVS, dem Patientenverwaltungssystem der Praxis, abgeglichen werden kann. Wichtig ist, dass es hier eine Interoperabilität gibt, also auch der Wechsel von einem PVS zu einem anderen keine Probleme bereitet. Klar ist auch: Diesen Mehraufwand gibt es nicht zum Nulltarif. So haben wir bereits mit der TK im Rahmen unseres Hausarztvertrages vereinbart, dass die Erstbefüllung mit 35 Euro und die Aktualisierung mit 7 Euro vergütet wird. Hier brauchen wir auch im EBM eine grundlegende Reform der Vergütung, da die Mischkalkulation der Hausarztpraxen für die Versorgung von multimorbiden und leicht erkrankten Patienten, die zum Beispiel nur eine AU benötigen, im Zuge der Digitalisierung ins Wanken gerät.

Am Sonntag ist Bundestagswahl. Was erwarten sich die Hausärztinnen und Hausärzte von der künftigen Bundesregierung?

Dr. Markus Beier: Wir haben fünf Kernforderungen. Erstens: Die Hausarztpraxis und die HZV als Grundpfeiler der medizinischen Versorgung müssen gestärkt werden. Zweitens: Wir sagen Ja zur Digitalisierung, aber nur dann, wenn diese einen echten Mehrwert bietet. Drittens: In der HZV agiert die Hausarztpraxis als Teampraxis. Wir sind deshalb für die Delegation und unterstützen auch die akademische Weiterentwicklung unserer MFAs und VERAHs. Substitution von ärztlichen Leistungen lehnen wir dagegen klar ab. Viertens: Die ärztliche Approbationsordnung entsprechend dem Masterplan 2020 muss umgehend auf den Weg gebracht werden. Dies ist eine zentrale Maßnahme für eine angemessene Nachwuchsgewinnung und nachhaltige Sicherstellung der medizinischen Versorgung in Stadt und Land. Und fünftens: Wir müssen unbedingt den Ausverkauf der medizinischen Versorgung stoppen. MVZ dürfen nicht mehr dazu missbraucht werden, dass Kapitalinvestoren in den Gesundheitsmarkt drängen, um dort eine maximale Rendite zu erzielen. Gesundheit ist keine Ware.

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