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COVID-19-Impfempfehlung: Drei Fragen an Dr. Markus Beier

Welche Gruppen werden zuerst geimpft gegen COVID-19, gibt es für sie überhaupt genug Impfstoff und sollen niedergelassene Ärzte den Patienten mit Vorerkrankungen ein Attest ausstellen, damit sie priorisiert geimpft werden? Drei Fragen, auf die Dr. Markus Beier, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, eingeht.

 
Dr. Markus Beier
Dr. Markus Beier, 
Landesvorsitzender
des Bayerischen Hausärzteverbandes

Herr Dr. Beier, die Situation in der Corona-Pandemie ändert sich laufend. Nachdem jetzt die ersten Impfstoffe in Sichtweite sind, steht die Frage im Mittelpunkt, welche Gruppen zu erst geimpft werden. Für Verunsicherung sorgt die Meldung, dass Ärzte und Pflegekräfte nicht generell Teil der ersten COVID-19-Impfempfehlung sein werden. Wie ist die Lage?

Dr. Markus Beier: Der Beschlussentwurf der Ständigen Impfkommission (STIKO) sieht in der Tat vor, dass in der ersten Welle nicht automatisch alle Ärztinnen und Ärzte geimpft werden. Aber dies gilt nicht für uns Hausärztinnen und Hausärzte. In dem STIKO-Entwurf heißt es, dass „Personal mit besonders hohem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen“ und „Personal in medizinischen Einrichtungen mit engem Kontakt zu vulnerablen Gruppen“ vorrangig geimpft werden. Beides trifft auf unsere Medizinischen Fachangestellten in den Praxen und auf uns Hausärztinnen und Hausärzte zu. Alles andere wäre für den Bayerischen Hausärzteverband auch nicht hinnehmbar. Unter unseren Patientinnen und Patienten sind viele alte und multi-morbide Menschen, die wir unter allen Umständen schützen müssen. Und das geht nur, wenn wir geimpft sind und dann das Virus nicht übertragen können. Im Gegenzug bin ich mir sicher, dass dieses Impfangebot auf breite Resonanz bei den Hausärztinnen und Hausärzten sowie deren Praxisteams stößt.

In der ersten Welle sollen außerdem Bewohner von Senioren- und Altenpflegeheimen sowie Personen, die älter als 80 Jahre sind, geimpft werden. Die STIKO hat hochgerechnet, dass es sich dabei um neun Millionen Menschen handelt. Wird es dafür genügend Impfdosen geben?

Dr. Markus Beier: Zu diesem Thema wird viel spekuliert. Und daran möchte ich mich nicht beteiligen. Die bayerischen Impfzentren sind in der ersten Phase auf 30.0000 Impfungen pro Tag ausgelegt und dazu kommen die mobilen Impfteams. Es wird also eine gewisse Anlaufphase brauchen. Als Gesellschaft müssen wir parallel dazu die Corona-Schutzmaßnahmen weiterverfolgen. Es ist deshalb konsequent, dass die Bayerische Staatsregierung erneut den landesweiten Katastrophenalarm ausruft, um die Corona-Maßnahmen zu bündeln. Als Ärzte und Bürger müssen wir alles tun, um eine Triage auf den Intensivstationen zu verhindern. Bislang haben wir in Deutschland das Schlimmste verhindert, weil wir niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte den Kliniken den Rücken freigehalten haben. Nach aktuellen Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns werden 85 Prozent aller Corona-Patienten im Freistaat ambulant versorgt, die meisten davon von uns Hausärztinnen und Hausärzten. Das ist im internationalen Vergleich einmalig. Es wäre übrigens schön, wenn die Politik diese Leistung, speziell auch die unserer Medizinischen Fachangestellten entsprechend hinreichend wertschätzen würde.

Für heftige Diskussionen hat der Plan von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gesorgt, dass die niedergelassenen Ärzte den Patienten mit Vorerkrankungen ein Attest ausstellen sollen, damit diese bevorzugt geimpft werden.

Dr. Markus Beier: Der Deutsche Hausärzteverband hat dem Gesundheitsminister postwendend klar und deutlich gesagt, dass dies mit uns Hausärztinnen und Hausärzten nicht zu machen ist. Ein Attest kann ein Arzt nur nach einer gründlichen Anamnese ausstellen und das würde die Kapazitäten unserer Praxen sprengen. Ich gehe aber davon aus, dass sich die Frage ohnehin nicht stellt. Die Kriterien, nach denen in der ersten Welle geimpft wird, sind klar. Für die Frage, ob jemand über 80 Jahre alt ist bzw. in einem Senioren- oder Altenpflegeheim wohnt, braucht man kein Attest. Wenn die anderen Gruppen geimpft werden, sind wir bereits im Frühjahr/Sommer 2021 und verfügen dann hoffentlich über genügend Impfstoff. In dieser besonderen Situation sind viele Dinge im Fluss, und als mitgliederstärkster deutscher hausärztlicher Berufsverband müssen wir immer auf der Hut sein, dass die Politik uns nicht vor vollendete Tatsachen stellt. Klar ist, dass das Thema Impfen zentral bei uns Hausärzten angesiedelt ist. Gerade im Kampf gegen die Corona-Pandemie wird es entscheidend sein, wie viele Menschen sich impfen lassen und ob es uns gelingt, eine Herdenimmunität zu erreichen. Viele Menschen werden erst ihren Hausarzt konsultieren, bevor sie sich für eine Corona-Impfung entscheiden. Diese Beratung ist zeitintensiv, aber auch essentiell. Das werden wir nicht zum Null-Tarif leisten können. Eine impfunabhängige Beratungsziffer ist deshalb unumgänglich.

Bitte benutzen Sie auch die weiteren Informationen rund um das Thema Corona-Pandemie, die der Bayerische Hausärzteverband Ihnen zur Verfügung stellt.

COVID-19 Impfstoff

  • Eine Einordnung nimmt Prof. Jörg Schelling im Video-Interview vor. Sie finden es hier im Youtube-Kanal des Bayerischen Hausärzteverbandes.
  • Warum der mRNA-Impfstoff die menschliche DNA nicht beeinflussen kann, erläutert der Molekularbiologe Dr. Martin Moder sehr anschaulichen und verständlich hier in seinem Youtube-Kanal:  -> auch sehr gut zur Patienteninformation geeignet.
  • Was die Zulassung von COVID-19-Impfstoffen für Hausarztpraxen bedeutet, erläutert Dr. Markus Beier, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, auch hier im Interview.

Impfzentren und mobile Teams

In Regionen, in denen die Impfleistung nicht komplett ausgeschrieben wurde, können und sollten sich Hausärztinnen und Hausärzte über die KVB beteiligen.

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