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Corona-Strategie im Pflegeheim: „Was gibt es Wichtigeres, als Bewohner und Personal zu schützen?“

 
Michael Pflügner. Foto: NürnbergStift
NürnbergStift-Leiter Michael Pflügner

"Wir haben aus den Fehlern im ersten Lockdown gelernt“, erklärt Michael Pflügner. Der Nürnberger Stadtdirektor verantwortet als Werkleiter das NürnbergStift. In 11 Häusern an vier Standorten verbringen hier rund 1000 Bewohnerinnen und Bewohner ihren Lebensabend.

Im Frühjahr 2020, im ersten Lockdown, waren über Wochen in ganz Bayern Alten- und Pflegeheime hermetisch abgeriegelt. „Unsere Bewohner haben erschreckend abgebaut - Depressionen nahmen zu, die Mobilität ließ nach. Die Folgen waren wirklich dramatisch. Noch bevor die zweite Welle losging, haben wir deshalb beschlossen, alles zu tun, um Besuche möglich zu machen“, so Pflügner.

Schon zu Beginn der Pandemie hatte man im NürnbergStift eine Taskforce gegründet, berichtet Pflügner: „Die Führungskräfte aller Bereiche beraten sich seit knapp einem Jahr mehrmals pro Woche, um eine nachhaltige Corona-Strategie umzusetzen und dabei immer ein bis zwei Monate im Voraus zu denken. So haben wir bereits im Frühjahr eigene Isolierbereiche eingerichtet und spätestens im Sommer war klar, dass ab Herbst ein weiteres Thema von entscheidender Bedeutung sein würde: schnellere Corona-Tests.“

Kooperation mit einem Labor für schnelle Testergebnisse

Am Anfang stand daher eine Kooperation mit einem Labor, um die Ergebnisse der PCR-Tests noch innerhalb eines Tages zu bekommen. „Wir sind dann noch einen Schritt weitergegangen, haben zunächst 600 POC-Testkits gekauft und in unseren Häusern eigene Testzentren eingerichtet, um Bewohner, Pflegekräfte und Besucher selbst testen zu können“, erzählt Pflügner und entgegnet denjenigen, die meinen, dies sei mangels Personals nicht umsetzbar: „Was gibt es derzeit denn Wichtigeres, als Bewohner und Personal über eine konsequente Teststrategie zu schützen?“

Im NürnbergStift werden die Pflegerinnen und Pfleger derzeit dreimal in der Woche getestet. Erfreulicher Nebeneffekt: Mitarbeiter, die leichte Erkältungssymptome verspüren, bleiben nicht automatisch daheim, weil sie lieber sicher gehen wollen, dass sie sich nicht infiziert haben.
Bei anderen Gruppen, die zum Beispiel in der Verwaltung arbeiten und weniger Bewohner-Kontakte haben, wird einmal in der Woche getestet.

Quarantäne- und Isolierbereiche, um Verdachtsfälle zu separieren

 
Dr. Markus Beier
Das Pflegezentrum Sebastianspital - eines der 11 Häuser;
die zu NürnbergStift gehören. Fotos: NürnbergStift 

Eine ebenfalls wichtige Rolle in der Corona-Strategie des NürnbergSift spielen die Quarantäne- und Isolierbereiche. „Dadurch können wir sehr schnell reagieren und bereits Verdachtsfälle separieren, um das Risiko einer Ausbreitung zu verhindern“, erklärt der Werkleiter. Auch die rüstigeren Bewohner können die Einrichtung wieder verlassen, um beispielsweise an einer Familienfeier teilzunehmen. „Natürlich ist es uns wichtig, dass unsere Bewohner auch außerhalb unseres Hauses die AHA-Regeln beachten, aber jetzt haben wir die Möglichkeit, nach der Rückkehr eine 72stündige Quarantäne zu veranlassen und einen Corona-Test durchzuführen. Damit minimieren wir das Risiko, dass das Virus von außen eingeschleppt wird.“

Besuche nur mit FFP2-Maske und negativem Test

Die Besucherinnen und Besucher wurden ebenso in die Corona-Strategie miteinbezogen. „Jeder Besucher erhält am Eingang eine FFP2-Maske und muss entweder einen negativen PCR-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist, vorweisen oder sich einem Corona-Schnelltest unterziehen. Maske und Schnelltest sind für Besucher übrigens kostenlos.“ Hinzu kommen weitere Maßnahmen wie Handdesinfektion vor und nach dem Besuch, kein Kontakt zu weiteren Personen, Mindestabstand von 1,5 Metern im Freien bzw. 2 Metern im Gebäude, ein Besuch pro Bewohner und Tag sowie eine maximale Besuchszeit von 60 Minuten.

Trotz dieses umfassenden Schutzkonzepts gab es aber auch in den Häusern des NürnbergStift Coronafälle. Michael Pflügner: „Dies zeigt, wie tückisch das Virus ist. Obwohl unser Personal mit aller nur denkbarer Schutzausrüstung ausgestattet war und alle Kontaktflächen laufend desinfiziert wurden, hatten wir große Mühe, diese Ausbrüche einzudämmen. Es ist nur ein schwacher Trost, aber ohne unsere Maßnahmen wäre die Zahl der Verstorbenen vermutlich um ein Vielfaches höher gewesen."

 NürnbergStift zeigt: Maßnahmenpaket des Bayerischen Hausärzteverbandes ist praktikabel

„Das Beispiel Nürnberg Stift zeigt, wie wichtig es ist, eine umfassende Schutz-Strategie für stationäre Pflegeeinrichtungen zu entwickeln und umzusetzen. Grundvoraussetzung sind aber immer auch niedrige Fallzahlen in der Gesamtbevölkerung“, sagt Dr. Markus Beier, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes.

In der vergangenen Woche hatte der Bayerische Hausärzteverband unter dem Titel „Die Schwächsten schützen – Instrumente für eine umfassende Schutzstrategie für stationäre Pflegeeinrichtungen“ ein entsprechendes Maßnahmenpaket vorgestellt. In dem Strategiekonzept werden als Sofortmaßnahmen unter anderem Isolierbereiche in den Heimen, eine nachhaltige Teststrategie und bessere Hygienemaßnahmen gefordert.

Dr. Beier: „Die Verantwortlichen des Nürnberg Stifts haben bewiesen, dass solche Maßnahmen praktikabel sind. Mit unserem Strategiepapier wollen der Politik Argumente an die Hand geben, damit insbesondere die besonders gefährdeten alten und chronisch kranken Menschen endlich besser geschützt werden.“

 

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