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Corona-Impfkampagne: Bayerns Hausärzte fordern mehr Planbarkeit

München, 24. April 2021 – Auf dem Bayerischen Hausärztetag haben die Delegierten am Samstag in einem einstimmig verabschiedeten Leitantrag mehr Planbarkeit in der Corona-Impfkampagne und einen prioritären Zugriff auf alle zugelassenen Impfstoffe gefordert.

„Wir Hausärztinnen und Hausärzte in Bayern erwarten von der Bundesregierung, den Landesregierungen sowie den beteiligten politischen Parteien, dass sie im Rahmen der Corona-Impfkampagne endlich dafür sorgen, dass die Hausarztpraxen Impfstoffe in ausreichender und planbarer Menge erhalten und die Hausarztpraxen ab sofort den prioritären Zugriff auf alle Impfstoffe bekommen“, erklärt Dr. Markus Beier, Landesvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes.

Außerdem fordern Bayerns Hausärztinnen und Hausärzte von der Politik „mehr Rückendeckung für ein pragmatisches Vorgehen bei den Impfungen, eine angemessen ausgestaltete Impfberatungs-Ziffer sowie einen Bürokratieabbau bei den Corona-Tests und vor allem eine proaktive, nachvollziehbare und täglich kommunizierte Strategie in der Pandemiebekämpfung mit klaren umfassenden wissenschaftlich Zielen und einer langfristigen Öffnungsstrategie“.

Auf klaren Widerstand bei den Hausärzten stoßen dagegen Überlegungen, die geplanten Immunitätsausweise von den Praxen ausstellen zu lassen. „Wir versorgen kranke Menschen und sind nicht das Passamt der Nation“, so Dr. Beier.

Neben der Corona-Pandemie beschäftigten sich die Delegierten des Bayerischen Hausärzteverbandes mit einer Reihe weiterer berufspolitischer Themen. So fordert Bayerns Hausärzteschaft die Politik auf, endlich die neue Approbationsordnung für Ärztinnen und Ärzte zu verabschieden, und zwar so, wie es im Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums im vergangenen Jahr vorschlagen wurde. Die neue Approbationsordnung soll zum 1. Oktober 2025 in Kraft treten und ist ein Meilenstein für die Umsetzung des Masterplans Medizinstudium 2020. Ziel ist es, bei der ärztlichen Ausbildung einen stärkeren Fokus auf die Allgemeinmedizin zu legen. In diesem Zusammenhang erneuerten Bayerns Hausärztinnen und Hausärzte ihren dringenden Appell, an allen medizinischen Fakultäten einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin einzurichten, um Studierenden frühzeitig den Zugang zu diesem wichtigen Fachbereich zu ermöglichen. Während an den beiden Universitäten in München sowie in Erlangen und Würzburg bereits entsprechende Institute existieren, fehlen diese noch in Regensburg sowie in Augsburg, wobei in der schwäbischen Unistadt immerhin bereits das Berufungsverfahren läuft.

Auf klaren Widerstand bei Bayerns Hausärztinnen und Hausärzten stoßen weiterhin Versuche von interessierter Seite, hausärztliches Handeln durch nichtärztliche Berufe zu substituieren. „Wir tragen Verantwortung für unsere Patienten. Und diese Verantwortung ist nicht teilbar“, stellt Dr. Markus Beier klar und macht deutlich, dass es dafür auch keine Notwendigkeit gibt. Der Grund: Im hausärztlichen Versorgungsbereich wird statt der Substitution bereits seit Jahren die Delegation erfolgreich praktiziert. So können sich Medizinische Fachangestellte (MFA) zur Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (VERAH) weiterqualifizieren und dann unter hausärztlicher Kontrolle vielfältige Aufgaben im Sinne des Case Managements oder auch Routine-Hausbesuche übernehmen. Geplant ist, diesen hochqualifizierten VERAHs auch eine akademisierte Weiterbildung zu ermöglichen, um die Attraktivität des Arbeitsplatzes Hausarztpraxis weiter zu steigern.

Um die hausarztzentrierte Versorgung in Stadt und Land flächendeckend und nachhaltig zu sichern, ist es zwingend notwendig, dass sich Hausärztinnen und Hausärzte in Einzel- oder Gemeinschaftspraxen niederlassen oder in ärztlich geführten Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) tätig sein können. Die Versuche von Kapitalunternehmen, mit der Gesundheitsversorgung der Menschen hohe Renditen zu erwirtschaften, stoßen deshalb bei den Hausärztinnen und Hausärzten auf klare Gegenwehr. Die Delegierten des Bayerischen Hausärzteverbandes fordern deshalb von der Politik, „dass den Gründern, Kapitalgebern und Betreibern von MVZ durch den Gesetzgeber sehr enge gesetzliche Grenzen gesetzt werden“ und begrüßen in diesem Zusammenhang „die von Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) vorgelegten Analysen, Publikationen und Anstrengungen“.

Unter dem Motto „Hausärztinnen und Hausärzte sind unverzichtbar, nicht nur in Krisenzeiten“ fand der Bayerische Hausärztetag erstmals ausschließlich digital statt. In seiner Begrüßung sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek: „Die Hausärzte sind für unsere Gesellschaft unverzichtbar. In der Pandemie zeigt sich noch einmal um so mehr, wie wichtig es ist, sie an unserer Seite zu haben. Impfen ist ein Weg aus der Pandemie. Und beim Impfen sind die Hausärzte eine wichtige und zentrale Säule.“ Der Staatsminister forderte außerdem, die neue Approbationsordnung zeitnah zu verabschieden und warnte seine Kollegen aus dem Hochschulbereich davor, die Umsetzung des Masterplans Medizinstudium 2020 aufgrund von Finanzierungsfragen zu blockieren. „Das muss es uns wert sein“, so Holetschek mit Blick auf einen drohenden Mangel an Hausärzten.

Den Abschluss des Bayerischen Hausärztetages bildete eine öffentliche Podiumsdiskussion mit Ulrich Weigeldt (Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes), Prof. Dr. Martin Scherer (Präsident Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin) und Gastgeber Dr. Markus Beier mit den bayerischen Hausärztinnen und Hausärzten über die aktuelle Berufspolitik. Dabei erneuerten die Podiumsteilnehmer die Forderung des Bayerischen Hausärzteverbandes nach einem Corona-Bonus für die Medizinischen Fachangestellten (MFA). Dr. Beier: „9 von 10 Corona-Patienten werden ambulant versorgt. Es ist deshalb nicht nachvollziebar, warum unsere MFAs nicht den gleichen Bonus wie die Pflegekräfte in den Krankenhäusern erhalten sollen.“

Im Vorfeld des Bayerischen Hausärztetages hatte es ab Mittwoch zahlreiche digitale Fortbildungsangebote für Hausärzte und deren Praxisteams sowie Informationsveranstaltungen für Medizinstudierende gegeben. Dr. Markus Beier: „Alle Angebote sind sehr gut angenommen worden. Die große Herausforderung, eine mehrtägige Veranstaltung ausschließlich digital durchzuführen, ist von der Geschäftsstelle des Bayerischen Hausärzteverbandes hervorragend umgesetzt worden. Dennoch hoffen wir, dass der nächste Hausärztetag wieder unter normalen Umständen stattfindet, damit wir wieder die Gelegenheit zum persönlichen und kollegialen Austausch haben.“

Für Rückfragen:
Ruth Sharp: 089/127 39 27 60
Torsten Fricke: 0171/41 58 329

Pressemitteilung als PDF

 

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