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"Es ist höchste Zeit für Anerkennung!"

München, 10.06.2021

Sehr geehrter Herr Bundesminister Spahn,

am vergangenen Montag, 07.06.2021, sind sowohl die Corona-Impfkampagne als auch die Pandemiebekämpfung in Deutschland in die nächste Phase eingetreten: Jede Bürgerin / Jeder Bürger ab 12 Jahren kann
sich mit einem zugelassenen Corona-Impfstoff immunisieren lassen. Der Großteil der Bevölkerung wird diese Immunisierung in den Praxen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten durchführen lassen wollen, weil diese die aufwendige, aber notwendige Beratung über Impfung und Impfstoffe vornehmen. Dabei spüren wir und unsere Praxisteams gerade in den letzten Wochen immer stärker den zunehmenden Frust der Menschen, wenn generell nicht genügend Impfstoff zur Verfügung steht oder aufgrund von kurzfristigen Rücknahmen von Lieferzusagen der Hersteller bereits feststehende Impftermine abgesagt werden müssen.

Wir und unsere Teams erleben seit Beginn der Pandemie – mithin seit über 14 Monaten – dabei immer wieder das gleiche Muster: Politische Entscheidungen zur Pandemiebekämpfung werden, wenn überhaupt, nur unzulänglich mit uns Ärztinnen und Ärzten abgestimmt und vorbereitet und dann letztlich auf dem Rücken der Praxen ausgetragen. Seit über einem Jahr versorgen die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte und ihre Teams neun von zehn CoViD 19-Erkrankte ambulant - anfangs ohne adäquate Schutzkleidung! Die Praxen führenden ganz überwiegenden Teil der PCR-Tests durch. Seit Ende 2020 stellen Hausärztinnen und Hausärzte samt Teams den Großteil des medizinischen Personals in den Impfzentren – zusätzlich zu den üblichen Praxiszeiten. Mit Beginn der Impfkampagne in den Praxen Ende März 2021 hat sich der Arbeitsaufwand durch Planung, Priorisierung sowie Beratungen infolge der unsicheren Impfstoffsituation weiter enorm erhöht.

Zusammen mit unseren Praxisteams leisten wir diese Mehrarbeit seit über einem Jahr zusätzlich zur „normalen“ medizinischen Betreuung und Behandlung all der Menschen, die unverändert unsere Praxen aufsuchen oder Haus- und Pflegeheimbesuche benötigen. Eine angemessene Anerkennung und Honorierung dafür ist bislang ausgeblieben. Es gibt keinen Bonus für unsere Medizinischen Fachangestellte (MFA). Im Verhältnis zu anderen Pandemieleistungen wird der Impfaufwand in den Praxen mit 20 EUR völlig inadäquat vergütet: Schnelltestcenter konnten z.B. bislang 18 EUR pro Test abrechnen, das reine Ausstellen einer digital lesbaren Impfbescheinigung soll ebenfalls mit 18 EUR honoriert werden - Planung, Beratung, Impfung, Nachbetreuung und höhere Personal- und Sachkosten in den Hausarztpraxen zusammen aber nur mit 2 EUR zusätzlich?!? Ganz zu schweigen von fehlenden Zulagen für Impfsonderaktionen am Abend oder Wochenende. Das kann und darf nicht so bleiben!

Wir Hausärztinnen und Hausärzte und unsere Praxisteams sind nachgewiesenermaßen das Rückgrat der medizinischen Versorgung und der Pandemiebekämpfung in Deutschland. Dafür fordern wir kurzfristig die Auszahlung eines MFA-Bonus, wie ihn die Mitarbeitenden in der Pflege zu Recht bereits erhalten haben, und umgehend eine sach- und leistungsgerechte Vergütung des zusätzlichen ärztlichen Aufwands bei den Corona-Impfungen. Wir fordern weiter, dass unsere ärztliche Expertise endlich anerkannt und stärker als bislang bei der Planung der Pandemiebekämpfung Gehör und Eingang in die politischen Entscheidungen findet. Noch ist die Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen dazu bereit, sich in dieser außergewöhnlichen Zeit über Gebühr zusätzlich zu engagieren. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, dass immer mehr davon Abstand nehmen werden, wenn nicht entsprechende anerkennende Maßnahmen - insbesondere auch durch das Bundesministerium für Gesundheit - jetzt in Angriff genommen werden.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Markus Beier, Landesvorsitzender Bayerischer Hausärzteverband e.V.

Offener Brief als PDF

 

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