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Prof. Schelling: "Impfstoffe schützen auch bei den bisher bekannten Mutationen vor schweren und tödlichen Verläufen"

 
 

Die Zahlen sind dramatisch und rational nicht nachvollziehbar. Von über zwei Millionen Dosen des Impfstoffes AstraZeneca sind Stand Mitte dieser Woche in Deutschland nur rund 190.000 Einheiten verimpft worden. Das sind weniger als zehn Prozent. Der Grund ist das schlechte Image des AstraZeneca-Impfstoffes im Vergleich zu den beiden Impfstoffen von Biontech und Moderna. Zu Unrecht, wie Prof. Dr. Jörg Schelling erklärt. Der Facharzt für Allgemeinmedizin ist Wissenschaftlicher Beirat der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin und Mitglied der Bayerischen Landesarbeitsgemeinschaft Impfen (LAGI).

Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer und Bezirksvorsitzender Niederbayern des Bayerischen Hausärzteverbandes.
Prof. Dr.  Jörg Schelling,
Beirat der
Deutschen Fachgesellschaft
für Reisemedizin und
Mitglied der LAGI.

Herr Prof. Schelling, wie gut ist der Impfstoff AstraZeneca?

Prof. Dr. Jörg Schelling: Alle drei Impfstoffe sind in der EU zugelassen und haben damit ein sehr gründliches Prüfverfahren durchlaufen. Auch der Impfstoff von AstraZeneca ist viel besser als wir zu Beginn der Pandemie erhofft hatten. Der in der Öffentlichkeit diskutierte Wert von einer 60- bis 70prozentigen Schutzwirkung wäre an sich schon ein hervorragender Wert, ist aber nur das Gesamtergebnis für alle Arten einer Covid19-Erkrankung. Entscheidend ist aber doch, dass der Impfstoff von AstraZeneca vor schweren und tödlichen Verläufen ebenso gut schützt wie die beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna. Nur bei leichteren, grippeähnlichen Symptomen scheint er nicht ganz so wirkungsvoll zu sein.

Sind Geimpfte weiter ansteckend?

Prof. Dr. Jörg Schelling: Mehrere Untersuchungen zeigen, dass auch mit dem AstraZeneca-Impfstoff geimpfte Menschen sich kaum infizieren und das Virus auch kaum noch weitertragen. Das ist eine wirklich gute Nachricht.

Was ist der Unterschied zwischen einem Vektorviren-Impfstoff und einem mRNA- Impfstoff?

Prof. Dr. Jörg Schelling: Um es ganz einfach zu sagen: Bei Vektorviren-Impfstoffe wird der Körper mit leeren, ungefährlichen Viren konfrontiert, um eine Immunreaktion anzuregen. Bei den neuen mRNA-Impfstoffen wird nur der Bauplan gespritzt. Dabei wird also die Erbinformation für das Spike-Protein des Coronavirus mithilfe von kleinen Fettpartikeln in die Zellen geschleust. Diese produzieren dann das Eiweiß, das dem Virus als Schlüssel dient. Als Basis für den Vektorviren-Impfstoff von AstraZeneca wird ein für Menschen harmloses Schimpansen-Schnupfenvirus als Transportmittel eingesetzt, was mit nicht-aktiven Bestandteilen des Coronavirus SARS-CoV-2 bestückt wird. In beiden Fällen erkennt unser Immunsystem diese Fremdkörper und beginnt Antikörper dagegen zu bilden.

Es hieß, der Impfstoff soll nicht an Menschen über 65 verimpft werden. Warum? Wäre das für diese Menschen gefährlich? Oder wäre nur der Schutz schlechter?

Prof. Dr. Jörg Schelling: Der Grund ist, dass es für die Anwendung bei Menschen über 65 Jahren noch keine ausreichenden Daten gibt, die die Wirksamkeit und Sicherheit im ausreichenden Maß bestätigen. Ich sehe das aber nicht negativ. Wir sind jetzt in der guten Lage, innerhalb einer sehr kurzen Zeit drei hochwirksame Impfstoffe zur Verfügung zu haben. Mit AstraZenca können wir jetzt sehr schnell unter 65jährige Menschen impfen, die in wichtigen Bereichen mit vielen Kontakten arbeiten, wie zum Beispiel in den Krankenhäusern und in der Pflege, in den Schulen und Kindergärten oder bei der Polizei und dem Rettungsdienst. Dazu müssen wir auch nicht die Impfreihenfolge ändern. Und hier ist der in der Öffentlichkeit breit diskutierte Nachteil, dass dieser Impfstoff nicht ganz so zuverlässig vor leichten Verläufen schützt wie die beiden mRNA-Impfstoffe, auch verkraftbar, da diese Personengruppe in der Regel über ein gutes Immunsystem verfügt.

Könnte man AstraZeneca auch an Kinder verimpfen? Würde das Sinn machen?

Prof. Dr. Jörg Schelling: Der Impfstoff ist für Kinder derzeit nicht zugelassen. Es laufen aber Studien. Ich gehe davon aus, dass es ab Herbst auch eine Kinderimpfung gibt.

Inwieweit schützt AstraZeneca vor den Mutanten?

Prof. Dr. Jörg Schelling: Es gibt erste Hinweise, dass AstraZeneca – wenn man alle Erkrankungsverläufe betrachtet - genauso gut vor der britischen, aber etwas schlechter vor der südafrikanischen Mutation schützt. Aber noch einmal: Vor einem Jahr hätten wir nicht zu träumen gewagt, jetzt drei hochwirksame Impfstoffe zur Verfügung zu haben. Und: Das Entscheidende ist, dass alle drei Impfstoffe auch bei den bisher bekannten Mutationen sicher vor schweren und tödlichen Verläufen schützen. Ein Kollege hat das treffend formuliert: „Sich mit AstraZeneca impfen zu lassen, schützt vor schweren Infektionen und reduziert die Weitergabe des Virus und wahrscheinlich auch das Auftreten von LongCovid. Sich nicht impfen zu lassen, schützt vor nichts, reduziert nichts und verhindert nichts.“

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