Urlaub mit Folgen: Pamir-Hilfe e.V.

grandiose BergweltZum Vergrößern bitte klicken.

Es begann 2010 mit einer vierwöchigen Trekkingreise durch Zentralasien, die Gisela Bondes und ihre Tochter auch nach Tadschikistan führte. Beide waren beeindruckt von der grandiosen Landschaft mit den über 6000 Meter hohen Gipfeln des Pamir-Gebirges. Bei einem Zwischenstopp im Dorf Basid im Bartang-Tal kamen Mutter und Tochter ins Gespräch mit einem Dorfbewohner. „Wenn es Ihnen hier so gut gefällt, warum kommen Sie nicht zurück, wenn Sie in Rente sind, und arbeiten hier?“, hatte der Mann gefragt.

So lange wollte Gisela Bondes nicht warten, und zu tun gab und gibt es in Basid gerade für Ärzte genug. Die Krankenstation des Orts glich einer Ruine, und nur ein Arzt versorgte die Bevölkerung von Basid und den umliegenden, teils über 3000 Meter hoch gelegenen Dörfern mit den bescheidenen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen. „Viel mehr als ein Stethoskop hatte er nicht“, erinnert sich Gisela Bondes. Es fehlt an Arzneimitteln und der Kenntnis, wie sie einzusetzen sind, und bei dem Arzt vor Ort hielten sich mitunter noch abenteuerliche Vorstellungen über die Ursachen von Beschwerden. „Kopfschmerzen vor 14 Uhr sind Migräne, nach 14 Uhr steckt ein Gehirntumor dahinter“, gibt Bondes ein „Diagnosebeispiel“.

KrankenstationZum Vergrößern bitte klicken.

Die Ärztin aus Berchtesgaden kehrte mit ihrem Mann Peter Bondes, Hausarzt und 2. Vorsitzender des Hausärztevereins Berchtesgaden, nach Basid zurück. Beide beschlossen zu helfen und gründeten im Januar 2013 zusammen mit fünf Freunden, darunter Hausarzt Dr Simon Wagner und Apotheker Florian Schmidt, der Medikamente für Basid organisiert, den Verein Pamir-Hilfe. Als Vereinszweck wird in der Satzung die Förderung der medizinischen Versorgung, der Energieversorgung, des sanften Ökotourismus und die Ausbildung Einheimischer zu Bergführern, insbesondere im Dorf Basid im Bartang-Tal, angegeben.

Einmal im Jahr schließen die Bondes ihre Praxis in Berchtesgaden für einige Wochen und machen sich auf den langen Weg nach Basid. Mit dem Flugzeug geht es direkt in die tadschikische Hauptstadt Duschanbe. Von da wird’s beschwerlich. Mit 17 Stunden Fahrt im Jeep über Straßen, die teilweise kaum mehr als eine Schotterpiste sind und durch Bergrutsche immer wieder stellenweise unpassierbar werden, muss gerechnet werden.

SonoZum Vergrößern bitte klicken.

Vor Ort erwartet die Bondes dann volles Programm: Ihre Ankunft spricht sich schnell herum, und die Menschen strömen aus dem rund 250 Kilometer langen Tal und aus den Bergdörfern herbei, um sich von den deutschen Ärzten untersuchen und behandeln zu lassen. „Das Vertrauen in uns ist groß“, berichtet Gisela Bondes. „Mein Mann darf auch Frauen untersuchen, was unserem männlichen einheimischen Kollegen nicht erlaubt ist.“

Die häufigsten Beschwerden, mit denen die Menschen in die Krankenstation kommen, sind Rückenschmerzen, hervorgerufen durch die harte körperliche Arbeit, der sie ausgesetzt sind. Arthrosen, Migräne, Heliobacter-Infektionen, parasitäre Erkrankungen und Tuberkulose sind ebenfalls häufig, erzählt Gisela Bondes. Aber auch Herzinsuffizienz, Diabetes, Herzfehler und schwere frühkindliche Behinderungen wie zum Beispiel Hydrocephalus sind den beiden deutschen Ärzten schon öfter begegnet.

Neben den „Sprechstunden“ geht es auch darum, den beiden Kollegen vor Ort – inzwischen ist noch eine junge einheimische Ärztin dazugekommen – den Umgang mit den medizinischen Apparaturen und Medikamenten aus Deutschland zu zeigen, die das Ehepaar Bondes bei seinen Besuchen bislang mitgebracht hat. Hierbei wurden sie durch Geld- und Dachspenden von niedergelassenen Kollegen, Patienten, Firmen und Laboren großzügig unterstützt.

LaborZum Vergrößern bitte klicken.

Um die Kollegen auf einen neueren Stand zu bringen, haben die Bondes auch medizinische Lehrbücher in Russisch mitgebracht, das in Tadschikistan offiziell als Sprache der „interethnischen Kommunikation“ festgelegt wurde.

Der noch junge Verein hat schon einiges auf die Beine stellen können. Am Gebäude der Krankenstation wurden Sanierungsarbeiten in Angriff genommen und die nötigsten medizinischen Geräte herbeigeschafft wie beispielsweise ein Sonografiegerät, ein Mikroskop, eine Zentrifuge und ein Laborgerät. Auch Operationsbesteck und Nahtmaterial gibt es jetzt. Eine Untersuchungsliege brachte das Ehepaar Bondes bei seinem letzten Besuch mit.

Die bisherige Aufbauarbeit hat jetzt jedoch einen massiven Rückschlag erlitten. Denn am 07.12.2015 wurde der Pamir von einem schweren Erdbeben der Stärke 7,2 mit Epizentrum im Bartang-Tal heimgesucht. Dabei wurden in Basid - soweit bis jetzt bekannt - bis auf die Schule alle Häuser des Ortes beschädigt oder völlig zerstört. Inwieweit die Krankenstation betroffen ist und welche Geräte noch funktionsfähig sind, ist im Moment noch nicht bekannt.

UntersuchungsliegeZum Vergrößern bitte klicken.

Der Verein Pamir-Hilfe will sich von dem Rückschlag jedoch nicht entmutigen lassen. Gisela und Peter Bondes planen, im Februar 2016 wieder nach Bartang fahren, um zu sehen, welche Hilfe ihr Verein leisten kann. "Im Zweifelsfall werden wir wieder von vorne anfangen mit dem Aufbau der Krankenstation und der Ausstattung mit den wichtigsten medizinischen Geräten", sagt Gisela Bondes. "Die Kenntnisse kann den Kollegen in Basid niemand mehr nehmen", ist ein gewisser Trost für die engagierte Ärztin und ihre Mitstreiter.

Mehr denn je braucht das noch junge Hilfsprojekt jetzt Unterstützung. „Natürlich sind Geldspenden willkommen“, sagt Gisela Bondes. Zum Beispiel, um die Sanierungsarbeiten an der Krankenstation fortzuführen. „Unser nächstes Etappenziel ist es, die Krankenstation auch im Winter nutzbar zu machen“, erläutert die Ärztin. Auch an Grundausstattung fehlt es noch. Auf Bondes Wunschzettel für die Krankenstation in Basid stehen beispielsweise ein EKG und ein Wehenschreiber – und Betten für die Patienten. Auch Medikamentenspenden oder gebrauchte, funktionsfähige medizinische Geräte nimmt der Verein Pamír-Hilfe e.V. gerne an.

ErdbebenZum Vergrößern bitte klicken.

Freuen würden sich die Bondes aber auch über die Unterstützung weiterer ärztlicher Kollegen in Basid – vor allem zum Schulen der tadschikischen Ärzte. „Toll wäre, wenn sich jeden Monat jemand finden ließe, der für ein paar Tage in der Krankenstation Basid hilft", so Gisela Bondes.

Neben dem Aufbau der medizinischen Versorgung ist die Einführung eines sanften Tourismus Vereinsziel der Pamir-Hilfe e.V., um den Menschen eine Verdienstmöglichkeit zu erschließen. Freiwillige, die das Tourismus-Projekt fördern, sind deshalb bei Pamir-Hilfe e.V. ebenfalls gern gesehen. 

Interessiert? Dann wenden Sie sich an Gisela Bondes unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Spendenkonto der Pamir-Hilfe e.V.:
Konto-Nr. 20 24 92 64 Bankleitzahl 710 500 00 bei der Sparkasse Berchtesgadener Land
(IBAN: DE23 7105 0000 0020 2492 64 • BIC: BYLADEM1BGL).

Weitere Informationen zum Verein Pamir-Hilfe und Kontaktdaten finden Sie auf der Vereins-Website unter pamir-hilfe.de.

Fotos: Pamir-Hilfe e.V.