Medizingeräte für Westafrika

Ultraschall Gerät in Cotonou Benin aus AugsburgZum Vergrößern bitte klicken.

Wenn es heißt, jemand habe sein Hobby zum Beruf gemacht, dann denkt man vor allem an Künstler oder Sportler. Dr. Rolf-Peter Lindner, Mitglied des Bayerischen Hausärzteverbandes, hat ein ganz besonderes Hobby: Er hilft anderen Menschen. Als Allgemeinmediziner, Psychotherapeut und Psychoanalytiker tut er das wie alle seine Kolleginnen und Kollegen beruflich in seiner Augsburger Praxis. Anders als die meisten Ärzte geht er seinem „Hobby“ aber auch dann nach, wenn er die Praxistür hinter sich zugezogen hat. Unter anderem vermittelt er veraltete, aber intakte medizinische Geräte nach Westafrika im Auftrag der humanitären Vereine und Hilfsorganisationen, in denen er aktiv ist.

Sanitäts Unimog aus Augsburg in TogoZum Vergrößern bitte klicken.

Medizingerät spenden oder vor Ort helfen

Sie haben ein Medizingerät, das Sie für eines der Projekte von Dr. Lindner   spenden würden, oder können sich einen humanitären Einsatz in Westafrika vorstellen? Dann nehmen Sie Kontakt zu Dr. Lindner auf unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.
Informationen über Dr. Lindners Einsatz in Deutschland und Westarika finden Sie auch auf seiner Praxis-Homepage
www.dr-peter-lindner.de

Da ist zum Beispiel der Verein „Sachi“ (Save African Children, www.sachi-web.de) mit Sitz in Halle, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kinder in Westafrika zu unterstützen – unter anderem in den Bereichen Bildung und medizinische Versorgung. Dr. Lindner ist Ehrenvorsitzender des Vereins, für dessen Gründung 2004 junge in Deutschland lebende Menschen aus Togo den Anstoß gaben, die Kindern in großer Not in ihrem Heimatland helfen wollten.

Dr. Lindner engagiert sich für den Verein, indem er seit Jahren schon ausrangierte, aber noch funktionstüchtige Geräte aus Deutschland sammelt und den Transport nach Togo für Krankenhäuser dort organisiert. Auch war er selbst mehrfach vor Ort als Arzt im Einsatz.

Neue Projekte: Entbindungsstationen in Niamey und Conakry

Ein noch relativ neues Projekt von Sachi e.V. ist der Aufbau einer Entbindungsstation in Niamey, der Hauptstadt des Sahelstaates Niger. Dr. Lindner reiste Im Oktober 2018 dorthin, um sich ein Bild der Lage zu machen. Auch für dieses Projekt kümmert er sich um die Beschaffung von Ausstattungsgegenständen wie beispielsweise Diagnosegeräte.

Seine Reise nach Westafrika im Herbst 2018 führte ihn im November auch nach Conakry, die Hauptstadt von Guinea, wo er für den Verein Espoir d’Afrique das alte Kolonialkrankenhaus besuchte. Der Augsburger Arzt und Psychotherapeut unterstützt dort die Ausstattung einer Entbindungsstation und übernimmt die Organisationsplanung eines Internetzugangs für die Universität sowie die Akquisition von Computern für Professoren und Studenten.

Ähnlich wie der Verein Sachi hat sich auch diese Hilfsorganisation mit Sitz in Straßburg und Anlaufstellen in Benin, Guinea und der Elfenbeinküste dem Ziel verschrieben, Strukturen in Benin und anderen afrikanischen Ländern aufzubauen, mit denen die Schulbildung der Kinder, der Aufbau von Gesundheitszentren und Forschungseinrichtungen zur Untersuchung heimischer Heilpflanzen sichergestellt werden.

Auch hier fungiert Dr. Lindner als Ehrenpräsident, der „uns bei allen Projekten begleitet und unterstützt“, wie es auf der Website von Espoir d’Afrique heißt.

Der Eingang zum alten Kolonialkrankenhaus in Conakry GuineaZum Vergrößern bitte klicken.

Darüber hinaus engagiert sich Dr. Lindner als Berater im erweiterten Vorstand für die Initiative „Forum Interkulturelles Leben und Lernen“, kurz FILL, deren Vorsitzender er zuvor viele Jahre war. FILL ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Augsburg, der sich für den Dialog, gegenseitiges Verständnis und friedliches Zusammenleben auf der Grundlage sozialer Gerechtigkeit zwischen Menschen verschiedener Kulturen in Augsburg und darüber hinaus einsetzt und bereits viele Projekte angestoßen oder unterstützt hat.

Unterstützung mit vielen Facetten

Gesundheitsminister GuineaZum Vergrößern bitte klicken.

So steuerte FILL nach dem Tsunami 2004 in Sri Lanka 50.000 Euro für den Aufbau eines UNESCO-Dorfes mit Kindergarten, Waisenhaus, Schulen, Berufsausbildung, Tempel und einem kleinen Gesundheitszentrum bei. Zu den Unterstützern des Projekts gehört Dr. Lindner, der damals in humanitären Einsatz vor Ort war.

Ein weiterer Augsburger Verein mit humanitären Hilfsprojekten in Westafrika, den Dr. Lindner unterstützt, ist der Togoverein Augsburg. „Letztes Jahr hat der Togoverein Augsburg besonders eng mit Sachi e.V. zusammengearbeitet“, berichtet Dr. Lindner.

Dr. Lindner Behandlung malaria PatientinZum Vergrößern bitte klicken.

Konkret ging es um die Unterstützung einer neuen Klinik und einer Einrichtung, in der heimische Heilkräuter untersucht und gezüchtet werden. Wichtig sei auch das Diabetes-Projekt des Togovereins, dessen Ziel es ist, erkrankte Kinder und Jugendliche über ihre Erkrankung aufzuklären und eine Behandlung zu ermöglichen. „Diabetes nimmt im Togo und anderen westafrikanischen Ländern zu. Die Menschen dort jedoch wissen nichts darüber, nicht selten führt die Erkrankung zu Koma und Tod.“

Einsatz im Kriegsgebiet "emotional sehr belastend"

Als einen seiner schwierigsten Auslandseinsätze bezeichnet Dr. Lindner die medizinische Versorgung von Flüchtlingen im Sudan. Mit der Organisation Humedica hielt er sich 2014 einige Wochen im Kriegsgebiet in der Wüste von Dafur auf. „Ich habe dort in drei Flüchtlingslager mitgeholfen, insgesamt 50.000 Menschen medizinisch zu betreuen. Das war emotional sehr belastend, die Temperaturen machten mir zu schaffen, und ich hatte selbst mit Infektionen zu kämpfen“, erinnert er sich.

Lagebesprechung mit den Hebammen am Rande der Slums von Niamey NigerZum Vergrößern bitte klicken.

Aber nicht nur im Ausland, auch in Augsburg engagiert sich Dr. Lindner für hilfsbedürftige Menschen. So versorgt er als leitender ehrenamtlicher Arzt der Malteser Migranten Medizin regelmäßig Patienten aus der ganzen Welt, die nicht oder nicht ausreichend versichert sind.

Mit seinen ersten ehrenamtlichen Tätigkeiten begann er, als sich erste berufliche Erfolge einstellten. „Es lief für mich persönlich gut, da wollte ich etwas zurückgeben“, erzählt er.

Dass es ihm besonders der afrikanische Kontinent angetan hat, führt er nicht zuletzt auf frühe Kindheitserfahrungen zurück. „Meine Mutter stammt aus Holland, sie hat mir schon früh das Interesse am Exotischen vermittelt. Als ich fünf Jahre alt war, kamen GIs in unsere Stadt, darunter auch dunkelhäutige Soldaten. Sie waren sehr freundlich zu mir, seitdem habe ich in Schwarzen immer Freunde gesehen“, erinnert sich Dr. Lindner.

Durch ein Engagement für unterschiedliche Projekte und in verschiedenen Organisationen hat er inzwischen einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht, und so werden Problemfälle auch vermehrt an ihn herangetragen. Dann setzt er alle Hebel in Bewegung, um eine Lösung zu finden. „Immer, wenn ich eine Not sehe, möchte ich mich nützlich machen“, sagt er.

Neue Unterstützungsmöglichkeiten durch Berufung zum Honorarkonsul für den Niger 

Sachi Schule in LoméZum Vergrößern bitte klicken.

Derzeit erwartet er die Berufung zum Honorarkonsul für den Niger. Dadurch wird er sich noch gezielter für Menschen in Not in dem westafrikanischen Land einsetzen können. „Ich bin dann Mandatsträger des Staates Niger, stelle beispielsweise Visen und Geburtsurkunden aus und vertrete die Interessen des Landes in Deutschland“, erläutert er. „Ich kann dann beispielsweise Kontakte herstellen zu Firmen, die Dinge herstellen, die im Niger gebraucht werden, von Krankenhausmaterial bis hin zu Solaranlagen.“

Dr. Lindner freut sich auch immer über Unterstützung bei seinen verschiedenen Projekten, zum Beispiel ausrangierte medizinische Geräte. Wenn Sie in Ihrer Praxis also ein Ultraschallgerät neu anschaffen und das alte Gerät zwar nicht mehr dem neuesten Stand der Technik entspricht, aber noch funktionstüchtig ist, vermittelt Dr. Lindner gerne den Transport an einen Ort, wo es noch gebraucht wird. „Ich nehme alles, was noch intakt ist, aber nicht den heutigen Anforderungen hierzulande entspricht, und stelle dafür gerne eine Spendenquittung aus“, erläutert er.

Für Einsatz in Westafrika Französischkenntnisse erforderlich

Dorf in TogoZum Vergrößern bitte klicken.

Auch ärztliche Unterstützung ist willkommen. Allerdings haben ihn bislang noch nicht viele Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland bei seinen Missionen in Westafrika begleitet. „Man sollte gute Französischkenntnisse haben, denn dort wird hauptsächlich französisch gesprochen. Das ist für viele, die gerne vor Ort helfen würden, eine Hürde“, so seine Erfahrung.

Fotos: Dr. Rolf-Peter Lindner