Oktober 2013

Die Gesundheits-Zitrone geht im Oktober an das Institut der deutschen Wirtschaft für eine Studie zum Ärztemangel, die Äpfel mit Birnen vergleicht und damit zu einem fatalen Trugschluss gelangt.

 München, 10. Oktober 2013 – „Forscher finden keinen Ärztemangel", „Der Notfall fällt für Jahre aus", „Kein Ärztemangel in Sicht". Eine aktuelle Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft jetzt zum Gesundheitssystem vorgelegt hat, sorgt für vermeintlich beruhigende Schlagzeilen.
Also alles in Butter? Leider nein, denn den Wirtschaftswissenschaftlern ist ein peinlicher Fehler unterlaufen. Sie haben Äpfel mit Birnen verglichen.
In der Einleitung zitieren die Wirtschaftswissenschaftler aus einer Studie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Bundesärztekammer aus dem Jahr 2010. Darin wird vor einer „Ruhestandswelle ohne gleichen" gewarnt, infolge derer in manchen Regionen ein „Zusammenbruch der hausärztlichen Versorgung [..] unmittelbar bevorsteht". Diese Thesen, so das Institut der deutschen Wirtschaft „sollen im Folgenden empirisch überprüft werden".
Ein paar Seiten und etlichen Zahlenkolonnen weiter, wähnen sich die Wirtschaftswissenschaftler dann am Ziel und geben Entwarnung: „Fazit: Für flächendeckende, den gesamten Berufsstand umfassende Fachkräfteengpässe findet sich derzeit keine empirische Evidenz. ... Der Blick auf den demografisch bedingten Ersatzbedarf bei Ärzten in Zusammenhang mit den jährlichen Absolventenzahlen in der Humanmedizin belegt, dass diese Nachfrage auch mittelfristig gedeckt werden kann."
Was ist da schief gelaufen? In der Studie aus dem Jahr 2010 wird vor dem „Zusammenbruch der hausärztlichen Versorgung" gewarnt, wobei die Betonung auf „hausärztlich" liegt. Die Autoren haben diese wichtige Differenzierung nicht beachtet und alle Humanmediziner in einen Topf geworfen – also quasi unterstellt, dass ein Radiologe aus der Großstadt auch als Hausarzt auf dem Land eingesetzt werden könnte.
Ein Fehler, der nicht nur peinlich, sondern auch vermeidbar gewesen wäre, liegen doch die Fakten längst auf dem Tisch: Das Durchschnittsalter eines Hausarztes in Bayern beträgt 52,5 Jahre. Jeder 4. Hausarzt ist über 60 Jahre alt und wird bald in den Ruhestand gehen. Nachfolger finden sich kaum noch. Nur noch zehn Prozent der Facharzt-Absolventen sind Allgemeinmediziner. Folge: Jede Woche schließt deshalb allein in Bayern eine Hausarztpraxis für immer.
An der Uni würde jeder Studierende für so eine „Studie" ein „nicht bestanden" kassieren. Für die beiden promovierten Volkswirte, die das Zahlenwerk jetzt mit dem klangvollen Absender Institut der deutschen Wirtschaft vorgelegt haben, gibt's dafür vom Bayerischen Hausärzteverband die „Gesundheits-Zitrone" des Monats Oktober.

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Das deutsche Gesundheitssystem ist nicht nur schwer durchschaubar und ineffizient, sondern zunehmend auch ungerecht und inhuman. Mit der „Gesundheits-Zitrone des Monats" wird der Bayerische Hausärzteverband von jetzt an die schlimmsten Auswüchse öffentlich machen.

Ansprechpartner Presse:
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Heike Blümmel,Tel. 089/127 39 27 12

Die "Oktober-Zitrone" als PDF