Mai 2013

Die Gesundheitspolitische Zitrone geht im Mai an Ingo Kailuweit, den Vorstandsvorsitzenden der KKH Allianz, für die gesundheitspolitische Ignoranz, die er mit seinen jüngsten Reformvorschlägen an den Tag gelegt hat.

München, 4. Juni 2013 –  Wir erinnern uns: Die KKH-Allianz hat unter dem Vorwand säumige Zusatzbeiträge einzutreiben, schwerkranke und damit teure Versicherte angerufen und in diesen Gesprächen zur Kündigung gedrängt.

Der Skandal, den das ZDF-Magazin „Frontal 21“ im letzten Herbst aufgedeckt hat,  sorgte für bundesweite Empörung. Und unter Druck geriet auch der Vorstandsvorsitzende Ingo Kailuweit, der zunächst alle Vorwürfe abstritt. Wörtlich sagte Kailuweit damals, er könne „sich das definitiv nicht vorstellen".

Doch in einem internen Prüfbericht, den die KKH-Allianz Wochen später an das Bundesversicherungsamt übermittelte, musste Kailuweit genau das Gegenteil einräumen. In dem Bericht heißt es, dass unter 1100 Telefonaten, die Mitarbeiter mit zahlungssäumigen Versicherten geführt haben, „in 199 Fällen Betroffenen auf inakzeptable Art und Weise ein Wechsel der Kasse nahegelegt wurde."
„Als wesentliche Ursache für die Verhaltensweisen“, so stellt die KKH-Allianz selbst fest, „wurde eine unzureichende Überwachung der handelnden Mitarbeiter durch Vorgesetzte der Kasse ermittelt".
Die Kontrolleure der KKH-Allianz schoben also alles auf einzelne Mitarbeiter und deren direkte Vorgesetzte, sprachen aber ihren eigenen Vorstandsvorsitzenden Kailuweit frei - was wohl auch nicht anders zu erwarten war.

Genau dieser Ingo Kailuweit, dessen Krankenkasse sich also in mindestens 199 Fällen um des Profits willen unsozial verhalten hatte, macht sich jetzt auf, um das deutsche Gesundheitssystem zu reformieren.

So teilte Kailuweit jetzt in einem Zeitungs-Interview gegen Praxen und Krankenhäuser aus und erklärte allen Ernstes: „Die Abschaffung des Hausarztmodells ist überfällig.“

Vordergründig versucht sich Kailuweit dabei, als Retter der chronisch Kranken aufzuspielen, indem er mehr Fachärzte fordert. Eine Rolle, für die der KKH-Allianz-Chef aber am allerwenigsten taugt. Gleichzeitig will er nämlich massenweise regionale Krankenhäuser platt machen und den Patienten weitere Wege zumuten. Sprich: Es geht mal wieder um Profit.

Auch inhaltlich ist Kailuweits Forderung gefährlicher Unsinn. Gerade Chroniker sind oft auch polymorbid und müssen deshalb Fachärzte unterschiedlicher Disziplinen konsultieren. Der Hausarzt hat hierbei eine zentrale Steuerungsfunktion. Bei ihm laufen die medizinischen Berichte zusammen. Er koordiniert die Behandlungen und verhindert damit auch die mitunter lebensgefährliche Polypharmazie. Und der Hausarzt hilft, unnötige und doppelte Untersuchungen zu vermeiden. Was am Ende auch der Solidargemeinschaft Kosten spart.
 
Herr Kailuweit sollte also lieber das tun, wofür er fürstlich bezahlt wird. Seine Mitarbeiter führen, und nicht ein System in Frage stellen, das weltweit vorbildlich ist.

Für so viel gesundheitspolitische Ignoranz verleiht der Bayerische Hausärzteverband Ingo Kailuweit die „Gesundheits-Zitrone“ des Monats Mai.

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Das deutsche Gesundheitssystem ist nicht nur schwer durchschaubar und ineffizient, sondern zunehmend auch ungerecht und inhuman. Mit der „Gesundheits-Zitrone des Monats“ wird der Bayerische Hausärzteverband von jetzt an die schlimmsten Auswüchse öffentlich machen.

Ansprechpartner Presse:
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Ruth Sharp,Tel. 089/62 303 770

Die "Mai-Zitrone" als PDF