Februar 2013

Die Gesundheitspolitische Zitrone geht im Februar an die die AOK Bayern für das Possenspiel um die Hausarztvertragskündigung aufgrund einer Hausnummern-Änderung, das bayernweit für Schlagzeilen sorgte.

München, 21. Februar 2013 – Was ist ein Umzug? An der alten Adresse packt man seine Sachen in große Kisten, und an der neuen Adresse packt man sie wieder aus.  Logisch!? Nicht für die AOK Bayern. Die selbsternannte Gesundheitskasse hat jetzt den Versicherten einer Praxis in Bad Kötzting alle Hausarztverträge mit der Begründung gekündigt, die Praxis sei umgezogen – und dies, obwohl die Praxis seit 28 Jahren (!) am gleichen Standort steht und sich keinen Millimeter weg bewegt hat. Unglaublich, aber wahr: Den Schaden haben jetzt Patienten und Praxis.
 
Metzstraße 5 in Bad Kötzting, seit vielen Jahren war dies die Adresse der
Gemeinschaftspraxis Lerche/Stahl. Bei einem Notarzteinsatz im letzten Jahr kam aber heraus, dass die offizielle Hausnummer nicht „5“, sondern „6“ lautet. Nach Rücksprache mit Stadt und Hausbesitzer änderten die beiden Hausärztinnen Dr. Elisabeth Lerche und Dr. Claudia Stahl die Praxisanschrift dann in die korrekte Bezeichnung Metzstraße 6 um. So weit, so gut?

Die AOK Bayern witterte sofort einen Umzug und kündigte per maschinell erstelltem  Formbrief allen 430 AOK-Patienten der Praxis die Hausarztverträge. Wenn keiner mitdenkt und Kassen-Funktionäre die Arbeit allein Computern überlassen, kann so etwas passieren. Im Normalfall reicht dann ein kurzes Telefonat, um den Fall unbürokratisch aufzuklären. Nicht bei der AOK Bayern.

Die beiden Hausärztinnen schalteten sogar auf eigene Kosten eine Zeitungsanzeige, um ihren Patienten mitzuteilen, dass man zum einen nicht umgezogen sei, und zum anderen die Kündigung der Hausarztverträge wohl ein Irrtum der AOK sei.

Doch auch wenn der Amtsschimmel noch so wiehert, die AOK Bayern stellt sich stur und bleibt dabei, dass dieser Nicht-Umzug ein Umzug im Sinne ihrer Satzung sei, schließlich habe sie ja eine neue Adresse gemeldet bekommen …
Für die betroffenen AOK-Versicherten und für die Praxis sind die Folgen bitter. Die Hausarztverträge wurden zum Jahresende gekündigt. Jeder Patient muss sich jetzt neu einschreiben. Allerdings gilt dann der neue Hausarztvertrag erst ab dem zweiten Quartal. Doch damit nicht genug: Patienten, die es nicht schaffen bis Ende Januar ihre Unterschrift zu erneuern, profitieren von den besonderen Leistungen des Hausarztvertrages sogar erst frühestens ab dem dritten Quartal.

Klar, die AOK Bayern hat damit wieder einmal auf Kosten ihrer Versicherten ein paar Euro gespart. Aber dafür gibt’s die Gesundheits-Zitrone des Monats Januar.


Immerhin, nachdem die AOK-Posse mittlerweile in ganz Deutschland für Schlagzeilen sorgt, hat der AOK-Vorstandsvorsitzende jetzt endlich in einem Radio-Interview angekündigt, doch unbürokratisch helfen zu wollen. Im laufenden Einstweiligen Rechtsschutzverfahren, das die beiden Ärztinnen anstrengen mussten, werden wir bald erfahren, wie viel wert diese Worte wirklich sind.

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Das deutsche Gesundheitssystem ist nicht nur schwer durchschaubar und ineffizient, sondern zunehmend auch ungerecht und inhuman. Mit der „Gesundheits-Zitrone des Monats“ wird der Bayerische Hausärzteverband von jetzt an die schlimmsten Auswüchse öffentlich machen.

Ansprechpartner Presse:
Torsten Fricke, Mobil 0171/41 58 329
Heike Blümmel,Tel. 089/127 39 27 12

Die "Februar-Zitrone" als PDF