November 2012 (2)

Die Gesundheitspolitische Zitrone Nr. 2 für den November 2012 geht an die KKH-Allianz, weil Mitarbeiter der Kasse versucht hatten, schwer kranke Versicherte los zu werden.

München, 15. November 2012 – Rhetoriker wissen es: Lange Sätze sind vor allem dann gut, wenn der Kern der Botschaft verschleiert werden soll. 29 Worte braucht dann auch die KKH-Allianz, um etwas zu erklären, was nicht zu erklären ist: „Wir können und wollen nicht abstreiten, dass in Einzelfällen Betroffenen in Telefonaten im Zusammenhang mit ausstehenden Zusatzbeiträgen auf inakzeptable Art und Weise ein Wechsel der Krankenkasse nahegelegt worden ist", heißt es in einer KKH-Allianz-Erklärung.

Das TV-Magazin Frontal 21 hatte diesen unglaublichen Skandal aufgedeckt. Vor der Kamera berichteten schwerkranke Menschen teilweise unter Tränen, wie sie am Telefon von Mitarbeitern der KKH-Allianz zum Kassenwechsel gedrängt worden seien. Offensichtlich, so die Reporter, habe die KKH-Allianz ausstehende Zahlungen von Zusatzbeiträgen zum Vorwand genommen, um schwerkranke, und damit für die Kasse teure, Versicherte aus der KKH-Allianz zu mobben.

Als diese menschenunwürdigen Praktiken aufflogen, reagierte die KKH-Allianz zunächst wie allgemein üblich: Alles Einzelfälle. Selbstverständlich!

Doch mittlerweile hat sich auch das Bundesversicherungsamt eingeschaltet und die KKH-Allianz musste einräumen, dass es seit 2010 rund 1200 (!) Telefonate gegeben hat – 1200 „Einzelfälle“ eben.

Das Ende dieses Skandals ist noch nicht abzusehen, aber angesichts der Schwere der Vorwürfe verleiht der BHÄV in diesem Monat zum zweiten Mal eine „Zitrone“, natürlich an die KKH-Allianz.

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Das deutsche Gesundheitssystem ist nicht nur schwer durchschaubar und ineffizient, sondern zunehmend auch ungerecht und inhuman. Mit der „Gesundheits-Zitrone des Monats“ macht der BHÄV die schlimmsten Auswüchse öffentlich.

Ansprechpartner Presse:
Heike Blümmel,Tel. 089/127 39 27 12

Die "November-Zitrone Nr. 2" als PDF