November 2012 (1)

Die Gesundheitspolitische Zitrone geht im November an die AOK Bayern für die Rataxierung von Grippeimpfstoffverordnungen aus dem vergangenen Jahr.

 

München, 8. November 2012 – Nein, es gibt durchaus Organisationen, die vom Bock zum Gärtner machen. Bestes Beispiel: Die AOK Bayern und das Chaos um den Grippeimpfstoff.

Nur zur Erinnerung: Um vermeintlich ein paar Euros zu sparen, hatten die gesetzlichen Krankenkassen, und darunter auch die AOK Bayern, einen Rabattvertrag mit einem Hersteller abgeschlossen. Eine Spar-Idee, die jetzt teuer wird. Erst konnte der Hersteller nicht liefern, dann musste ein Teil der Produktion zurückgerufen werden. Folge: Zu wenig Impfdosen und zu wenig Zeit zum Impfen. In ein paar Wochen gibt’s dafür wahrscheinlich die Quittung für uns alle, wenn die Zahl der Grippekranken steil ansteigt.

Wer so ein Debakel zu verantworten hat, gelobt zunächst Besserung. Nicht so die AOK Bayern.

Ausgerechnet wegen Abrechnungen von Grippeimpfstoffen geht die „Gesundheitskasse“ jetzt gegen bayerische Apotheken vor und hat in den letzten Tagen Retaxationen für Impfstoffverordnungen des letzten Jahres verschickt.

Retaxiert werden dabei Impfstoffverordnungen für den Sprechstundenbedarf ab Mitte August 2011. Auslöser war, dass in Bayern im vergangenen Jahr erst spät neue Abrechnungspreise vereinbart wurden. Mitgeteilt wurden die Preise den Apotheken erst im September, gültig waren sie jedoch schon seit dem 15. August. In die Apothekensoftware eingepflegt wurden die Abrechnungspreise aber erst ab dem 1. Oktober 2011. Folge: Wer nicht mühsam von Hand änderte, hat zu hoch abgerechnet.

Mag also sein, dass die AOK Bayern sogar Recht bekommt. Doch angesichts der aktuellen Diskussion hätte man erwarten dürfen, dass hier eine unbürokratische und partnerschaftliche Lösung gefunden wird. Und weil dem offenbar nicht so ist, bekommt die AOK Bayern die Zitrone des Monates November.

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Das deutsche Gesundheitssystem ist nicht nur schwer durchschaubar und ineffizient, sondern zunehmend auch ungerecht und inhuman. Mit der „Gesundheits-Zitrone des Monats“ macht der BHÄV die schlimmsten Auswüchse öffentlich.

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