November 2014

 München, 6. November 2014 –  Seriös ist anders. Der Radio-Beitrag „Hilfe, ein Notfall! – Wenn Ärzte an der Ersten Hilfe scheitern“ in der Reihe „Funkstreifzug am Sonntag“ auf B5 aktuell sorgt auch unter Bayerns Hausärztinnen und Hausärzten für Empörung. In dem Beitrag wurde der niedergelassenen Ärzteschaft mehrfach eine angeblich mangelhafte Qualifikation vorgeworfen und als Beleg ein tragischer Einzelfall aus einer Orthopädie-Praxis aus dem Jahr 2009 angeführt. O-Ton Bayern5 aktuell: „Beängstigend: Niedergelassene Ärzte sind bei Notfällen nicht selten überfordert und haben kaum noch Ahnung von Ersthilfe, von einer Reanimation ganz zu schweigen.“  

Dr. Dieter Geis, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes: „Es ist nicht in Ordnung, wenn ein sonst seriöser Sender wie B5 aktuell mit Halbwahrheiten einen ganzen Berufsstand in Misskredit bringt. In dem Beitrag wurde der niedergelassenen Ärzteschaft mehrfach eine angeblich mangelhafte Qualifikation vorgeworfen und als Beleg ein tragischer Einzelfall aus einer Orthopädie-Praxis aus dem Jahr 2009 angeführt. O-Ton Bayern5 aktuell: „Beängstigend: Niedergelassene Ärzte sind bei Notfällen nicht selten überfordert und haben kaum noch Ahnung von Ersthilfe, von einer Reanimation ganz zu schweigen.“  

Was die Ärzteschaft stört, ist auch die Art, wie in dem Beitrag auf B5 aktuell versucht wurde, Stimmung zu machen. So hieß es mehr anklagend, denn fragend: „Was aber, wenn der Arzt selbst komplett hilflos ist, weil er seine letzte Erste-Hilfe-Schulung vor der Führerscheinprüfung hatte?“

„Das ist Unsinn. Jeder Arzt mit einer (psycho-)somatischen Fachausbildung hat (nach seiner Führerscheinprüfung) in der universitären Ausbildung in den Pflichttertialen Innere Medizin und Chirurgie eine theoretische und praktische Ausbildung zur Notfallbehandlung erhalten und später in seiner Klinikzeit in jedem Nachtdienst Notfallversorgung betrieben“, kontert Dr. Simon Sitter.

Der mittelfränkische Bezirksdelegierte des Bayerischen Hausärzteverbandes ist neben seiner Tätigkeit als niedergelassener Hausarzt in Bechhofen selbst Notarzt und bildet Kollegen (mittels ISO 9001 zertifizierten Notfallschulungen) weiter.

Dr. Sitter: „Zur regelmäßigen umfangreichen Fortbildung sind alle niedergelassenen Ärzte, die eine Facharztbezeichnung führen, verpflichtet. Pro Jahr entspricht dies rund 38 Stunden reiner Pflicht-Fortbildungszeit, die viele Kollegen für notfallmedizinische Weiterbildung auch nutzen.“

Als weitere angebliche Belege hatte B5 aktuell zwei Fälle mit einer sogenannten „Hypertensiven Krise“ angeführt und bemängelt, dass die Ärzte nicht bis zum Eintreffen des Notarztes beim Patienten geblieben seien. Dies sei aber auch nicht immer unbedingt notwendig und hänge vom Einzelfall ab, erklärt Dr. Michael Waidner, Bezirksdelegierter und Notarzt aus Nesselwang in Schwaben.

Dr. Waidner: „Fakt ist, dass dieses Krankheitsbild typischerweise im Zusammenhang mit ausgeprägten psychischen Reaktionen auftritt und sich auch oftmals wiederholt. So kann beispielsweise ein erfahrener Hausarzt, der über umfangreiche Kenntnisse und Erfahrung (!) mit genau diesem Patienten verfügt, sehr wohl eine kompetente Assistenzperson mit der Beaufsichtigung des Patienten betrauen und den Ort des Geschehens verlassen, allerdings unter kurzfristiger Erreichbarkeit.“

Dr. Geis: „Ich würde mich freuen, wenn die betreffenden Redakteure dem Motto von B5 Taten folgen lassen: ,Hören, wie es wirklich ist.’ Sie sind deshalb herzlich eingeladen, an einer unserer medizinischen Fortbildungen teilzunehmen. Und ich garantiere: Was sie da lernen, geht weit über das vielleicht noch vorhandene Erste-Hilfe-Wissen hinaus.“  

Doch bis dahin verleiht der Bayerische Hausärzteverband der Redaktion „Funkstreifzug am Sonntag“ bei B5 aktuell die gesundheitspolitische Zitrone für den Monat November 2014.

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Das deutsche Gesundheitssystem ist nicht nur schwer durchschaubar und ineffizient, sondern zunehmend auch ungerecht und inhuman. Mit der „Gesundheits-Zitrone des Monats“ macht der Bayerische Hausärzteverband die schlimmsten Auswüchse öffentlich.


Ansprechpartner Presse:
Torsten Fricke, Mobil 0171/41 58 329
Heike Blümmel,Tel. 089/127 39 27 12

Die "November-Zitrone" 2014 als PDF