Die "Gesundheitspolitische Zitrone des Monats" geht an ... Johann-Magnus Freiherr von Stackelberg

zitrone200pxMünchen, 7. Februar 2019 – Noch 143 Tage – dann ist Johann-Magnus Freiherr von Stackelberg Geschichte. Der Lautsprecher des GKV-Spitzenverbandes verabschiedet sich in den Ruhestand. Doch bis dahin wird die deutsche Öffentlichkeit sicher noch weitere Provokationen erdulden müssen.

Die neueste Attacke: Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands dachte laut darüber nach, ob die Kassenzulassung nicht eine „Lizenz auf Zeit“ sein solle. Das Ergebnis wäre eine Enteignung aller niedergelassenen Ärzte, bei denen der Praxisverkauf am Ende des Berufslebens ein elementarer Bestandteil der Altersversorgung ist.

Ein paar Wochen davor hatte der „Kassenbaron auf dem Kriegspfad“, wie eine Zeitschrift titelte, getönt, die niedergelassenen Ärzte sollten ihre Sprechstundenzeiten verlängern und auch abends und samstags ihre Praxen öffnen. Der Sinn dieser Forderung ist nicht nachvollziehbar. Allein in Bayern gibt es bereits jetzt 110 Bereitschaftspraxen, die auch an den Wochenenden und Feiertagen geöffnet sind und für über 99 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in weniger als 30 Minuten Fahrzeit erreicht werden können. Hinzukommt noch ein Fahrdienst mit Bereitschaftsärzten, die Patienten jederzeit auch zu Hause versorgen können.

„Uns mangelnde Leistungsbereitschaft zu unterstellen, ist eine Missachtung unseres Berufstandes und diffamiert alle Hausärzte, die tagtäglich ihr Bestes für ihre Patienten geben. Wir sind rund um die Uhr für unsere Patienten da – im Gegensatz zu den Krankenkassen, die ihre Geschäftsstellen pünktlich schließen“, konterte dann auch Dr. Markus Beier. Der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes warf deshalb von Stackelberg vor, entweder ahnungslos zu sein oder bewusst Fake-News zu verbreiten.

Deutliche Worte musste von Stackelberg auch in einem Zeitungskommentar einstecken. „Diesen freien Arztberuf in eigener Praxis kann oder will Freiherr von Stackelberg offenbar nicht wahrnehmen, er sieht diese Ärztinnen und Ärzte vielmehr als ,Angestellte einer allmächtigen GKV, denen er Arbeitszeiten vorschreiben kann. Das sind sie aber nicht.“

Man könnte jetzt von Stackelbergs Lautsprecherei als Einzelmeinung eines Mannes abhaken, der das Ende seiner beruflichen Perspektive vor Augen hat und noch einmal nach öffentlicher Aufmerksamkeit giert. Nur: Der Flurschaden, den von Stackelberg damit anrichtet, ist immens. „Es ist ein fatales Signal für den Nachwuchs. Solche Polemik schreckt ab, sich als freiberuflicher Arzt niederzulassen“, urteilt Dr. Markus Beier mit Blick auf den immer schlimmer werdenden Ärztemangel.

Allein in Bayern schließt jede Woche eine Hausarztpraxis für immer, weil sich kein Nachfolger findet. Und da hilft es nichts, Hausärztinnen und Hausärzte am Ende ihres Berufslebens zu enteignen, wie es von Stackelberg fordert. Im Gegenteil: Es gilt den Beruf des Facharztes für Allgemeinmedizin attraktiver zu machen. Viele seriöse Initiativen sind bereits eingeläutet – werden aber konterkariert durch diese billige Polemik eines scheidenden Kassenfunktionärs. Und das ist verantwortungslos.

Aus diesem Grund verleiht der Bayerische Hausärzteverband Johann-Magnus Freiherr von Stackelberg die Gesundheitszitrone des Monats Februar 2019.

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Das deutsche Gesundheitssystem ist nicht nur schwer durchschaubar, es kann auch ineffizient, ungerecht und inhuman sein. Mit der „Gesundheits-Zitrone des Monats“ macht der Bayerische Hausärzteverband die schlimmsten Auswüchse öffentlich.

Die "Februar-Zitrone" 2019 als PDF