Die "Gesundheitspolitische Zitrone des Monats" geht an ... Corona-Geschäftemacher

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München, 25. Juni 2020 – „Mit unserem weltweit ersten COVID-19-Immunitätspass können Sie wieder angstfrei leben und ihre Großeltern besuchen“, heißt es auf der Webseite einer Hamburger Firma. Ein Versprechen, das tödlich enden kann. 19 Euro kassiert das Unternehmen für das selbst gestaltete Stück Papier.

Alternativ kann man auch erst einmal ins Telefon husten und sich für 29 Euro eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wegen einer angeblichen Covid-19-Erkrankung für 14 Tage ausstellen lassen.
Als lukrativen Abschluss wirbt das gleiche Unternehmen noch für einen Antikörpertest, den man für 68,72 Euro daheim durchführt. Wenn dann nach vier bis sechs (!) Tagen ein positives Laborergebnis im Briefkasten liegt, kann der Kunde den sogenannten Immunitätspass ordern, mit dem man angeblich angstfrei leben und eben die Großeltern besuchen kann – wenn man nicht das Kleingedruckte liest. Hier warnt der Hersteller des Antikörpertests eindringlich im Kumpel-Deutsch vor zu viel Sorglosigkeit:
„Dieser Test kann nicht unterscheiden, ob Du momentan noch an COVID-19 erkrankt bist oder ob Du die Erkrankung schon hinter Dir hast. Dieser Test kann nicht unterscheiden, ob Du Dich in der Endphase einer akut bestehenden COVID-19 Infektion befindest oder ob Du die Erkrankung schon hinter Dir hast. Dieser Test kann Dir keine COVID-19 Erkrankung diagnostizieren.“
Der Hersteller räumt deshalb selbst ein: „Das allgemeine Infektionsrisiko bleibt weiterhin bestehen.“ Außerdem könne es, so erklärt der Hersteller, „bei immunsupprimierten Patienten, Nicht-Befolgung der Anleitung oder unsachgemäßem Transport zu falschen Ergebnissen kommen“. 

Aber selbst, wer alles richtig macht, liegt mit dem Corona-Antikörper-Test oft daneben. Nach den (ungeprüften) Herstellerangaben sollen zwar Sensibilität und Sensitivität bei 98 bis 99 Prozent liegen, doch selbst diese auf den ersten Blick hohe Genauigkeit würde bei der aktuell noch geringen Durchseuchung bedeuten, dass über ein Viertel der Testergebnisse falsch sind, also anzeigen, man sei immun, obwohl man es nicht ist. Ein Irrtum, der fatale Konsequenzen haben und nicht nur das Leben der Großeltern kosten kann…

„Das ist nicht nur übleste Geschäftemacherei auf Kosten von verängstigten Menschen, sondern auch hochgradig gefährlich, weil hier eine falsche Sicherheit vorgegaukelt wird. Abstriche und Blutabnahmen für akute oder überstandene Covid-19-Erkrankungen gehören in die Hände von uns Ärztinnen und Ärzten, die die Testergebnisse zusammen mit anderen Untersuchungsergebnissen kompetent einordnen und das Risiko von falschen Ergebnissen einschätzen können. Dafür brauchen wir Hausärztinnen und Hausärzte auch keine vier bis sechs Tage“, ärgert sich Dr. Markus Beier, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, und ergänzt: „Es kann eigentlich nicht sein, dass solche obskuren Geschäftsmodelle in Deutschland rechtmäßig sind. Hier müssten die Aufsichtsbehörden dringend einschreiten und diesem Spuk ein Ende bereiten.“

Um auf diesen Missstand hinzuweisen, brandmarkt der Bayerische Hausärzteverband deshalb diese Geschäftemacherei mit der Gesundheitszitrone des Monats Juni.

Ansprechpartner Presse: Torsten Fricke, Tel. 0171-41 58 329 / Heike Blümmel, Tel. 089-12 73 27 12