Flüchtlingsansturm: Medizinische Versorgung in der Bayernkaserne in zwei Schichten pro Tag

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Seit Wochen dominiert ein Thema die politische Agenda: Das Flüchtlingsdrama. Eine besondere Herausforderung ist dabei die medizinische Versorgung. Viele Flüchtlinge leiden unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Hinzu kommen Sprachprobleme, die Diagnose und Therapie noch schwieriger machen, erklärt Dr. Siegfried Rakette im Interview. Der Facharzt für Allgemeinmedizin hatte sich eigentlich schon zur Ruhe gesetzt, jetzt engagiert er sich gemeinsam mit seiner Frau Magdalena in München bei den Refudocs, dem Verein zur medizinischen Versorgung von Flüchtlingen, Asylsuchenden und deren Kindern e.V. (www.refudocs.de)

Wie ist die aktuelle Situation?

Dr. Rakette: In der Bayernkaserne sind zur Zeit bis zu 1900 Flüchtlinge untergebracht, die hier Tage, Wochen oder gar Monate bleiben. Um den Ansturm zu meistern, haben wir eine internistisch-allgemeinmedizinische Versorgung in zwei Schichten pro Tag. Hinzu kommen die Fachgebiete Kindermedizin, Gynäkologie und Psychiatrie.

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Insgesamt sind wir rund hundert Refudocs und betreuen über unseren Verein zur medizinischen Versorgung von Flüchtlingen, Asylsuchenden und deren Kindern e.V. noch die Flüchtlingsunterkünfte in der Tubeufstraße und Am Neubruch in München-Allach.

Hat sich die Situation in den letzten Tagen durch den Ansturm von Flüchtlingen über Ungarn nach München noch verstärkt?

Dr. Rakette: Die Erstaufnahme findet in der Lotte-Brantz-Straße statt. Da ist der Ansturm seit Tagen natürlich groß. In die Bayernkaserne kommen die Flüchtlinge erst anschließend.

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Wie sind Ihre Arbeitsbedingungen?

Dr. Rakette: Den Umständen entsprechend gut. In der Bayernkaserne wurden Anfang des Jahres Container mit mehreren Sprechzimmern und der notwendigen medizinischen Ausstattung aufgestellt. In den anderen Einrichtungen ist die Situation schwieriger, aber die Behörden bemühen sich um schnelle und praktikable Lösungen.

Was sind die häufigsten Erkrankungen?

Heute sprechen wirBayernkaserne 2015 5 kZum Vergrößern bitte klicken.

Dr. Rakette: Aufgrund des Herbsteinbruches natürlich Erkältungen und grippale Infekte. Wir sehen aber auch TBC, Hepatitis B und eine Reihe weiterer schwerwiegender Erkrankungen.

Wie werden Sie unterstützt?

Dr. Rakette: Wir haben ein gutes Feedback zu vielen Facharztkolleginnen und -Kollegen in München, aber auch für die akute Notfallversorgung stehen uns einige Kliniken in München hilfreich zur Verfügung. Unterstützt wird unsere medizinische Arbeit von einem gut eingespielten Team am Patientenempfang und von MFAs bei der Patientenversorgung.

Eigentlich waren Sie und Ihre Frau schon im Ruhestand. Warum haben Sie sich den weißen Kittel wieder angezogen?

Dr. Rakette: Diese Menschen brauchen unsere Hilfe. Und dies beinhaltet auch eine medizinische Betreuung. Auch wenn es wegen der Sprachbarriere oft schwierig ist, mit den Patienten zu kommunizieren, sieht man doch in deren Augen, wie dankbar sie sind. Und das entschädigt für all die Mühen.