Versorgung von Flüchtlingen - große Fortbildungsveranstaltung in München

Veröffentlicht am .

Fortbildung Muc 1 kZum Vergrößern bitte klicken.

Ein Gefühl, wie damals zur Studentenzeit: Über 250 Hausärztinnen und Hausärzte versammelten sich am Montag (23.11.2015) im Hörsaal A am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität zur Fortbildung, die Dr. Oliver Abbushi und Dr. Christoph Grassl vom Bezirksverband München des Bayerischen Hausärzteverbandes organisiert hatten. Unter dem Titel „Von Scabies bis Tuberkulose – Infektiologie und Flüchtlinge“ informierten sieben Experten über die aktuellen Herausforderungen.

Dr. Wiebke Gerstenberg von der Hauptabteilung Gesundheit der Landeshauptstadt München rechnete vor, dass allein in München zwischen dem 1. und dem 16. September rund 148.000 medizinische Erstscreenings durchgeführt worden sind. 

Anschließend informierte Dr. Martin Alberer von der Abteilung Impf- und Tropenmedizin an der LMU München über Sympthome, Diagnostik und Vorsichtsmaßnahmen bei Infektionskrankheiten und sprach über Krankheiten, die viele Mediziner nur aus dem Lehrbuch kennen, wie Läuserückfallfieber oder Schistosomiasis. Sein vierteiliges Fazit: Gesundheitsprobleme bei Flüchtlingen und Asylbewerbern entsprechen meist dem Spektrum, das üblicherweise von Allgemeinärzten und Kinderärzten behandelt wird. Die wichtigsten seuchenhygienisch relevanten Erkrankungen sind Tuberkulose der Atemwege, Masern und Skabies. Je nach Herkunftsland und Fluchtroute sind auch besondere Infektionserkrankungen wie z.B. Malaria oder Läuserückfallfieber zu beachten. Und viertens, so Dr. Martin Alberer, sei eine zügige Diagnosestellung wichtig, um schwere Verläufe sowie eine weitere Ausbreitung bei ansteckenden Erkrankungen in den Flüchtlingsunterkünften zu verhindern.

Fortbildung Muc 7 kZum Vergrößern bitte klicken.

Über das Thema Abrechnung medizinischer Leistungen für Asylbewerber und Flüchtlinge informierte Martina Huber von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Wichtigster Unterschied zu GKV-Versicherten: Überweisungen zum Facharzt sind grundsätzlich nur nach vorheriger Genehmigung durch den Sozialhilfeträger möglich. Ausnahmen sind Notfälle sowie Sonderregelungen in einigen Landkreisen (Ansbach, Stadt Nürnberg, Unterallgäu, Hof).

Wie in München die medizinische Versorgung von Flüchtlingen über das Leuchtturmprojekt Refudocs funktioniert, erklärte deren Vorsitzender Dr. Mathias Wendeborn. Der Verein hat mit der Regierung von Oberbayern und dem Sozialministerium einen Vertrag geschlossen und organisiert unter anderem in der ehemaligen Bayernkaserne die medizinische Betreuung.

Zum Abschluss erzählten die Oberhachinger Hausärztin Dr. Irene Gollreiter-Braunfels und Apothekerin Marion Holzner von der KVB aus dem Praxisalltag bei der Versorgung von Flüchtlingen. Und die Münchner Gynäkologin Dr. Liane Bissinger berichtete über den psychologisch herausfordernden Umgang mit weiblichen Flüchtlingen.