„Rat des Arztes hat am meisten Einfluss auf die Impfentscheidung“

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LagiAuf dem Bayerischen Hausärztetag 2015 wird die bayerische Landesarbeitsgemeinschaft Impfen (LAGI), der auch der Bayerische Hausärzteverband angehört, mit einem Informationsstand vertreten sein.  Im Vorfeld haben wir mit Dr. Maria-Sabine Ludwig von der LAGI-Geschäftsstelle im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) gesprochen. Sie schreibt dem Hausarzt einen zentralen Stellenwert bei Thema Impfschutz zu.

Frau Dr. Ludwig, Welchen Stellenwert haben niedergelassene Hausärzte bei der Verbesserung des Impfschutzes?

Dr. Maria-Sabine Ludwig: Hausärzte haben einen sehr hohen, unersetzlichen Stellenwert bei Impfungen. Das belegen auch mehrere Studien, die darauf hinweisen, dass der Rat des Arztes am meisten Einfluss auf die Impfentscheidung hat. Der Hausarztverband ist daher auch seit der Gründung der LAGI ein aktives Mitglied, er initiiert und unterstützt vielfältige Aktionen. Dazu gehören zum Beispiel die Beteiligung an den Bayerischen Impfwochen, die gemeinsame Erstellung von Infomaterial, die Evaluation der Grippeimpfsaison und vieles mehr.

Bei welchen Erkrankungen hapert es mit dem Impfschutz in Bayern?

Dr. Maria-Sabine Ludwig: Daten aus Umfragen und Studien deuten darauf hin, dass es bei Erwachsenen, vor allem den Jüngeren, teils große Lücken hinsichtlich des Masern-,Mumps- und Rötelnimpfschutzes gibt. Auch gibt es Hinweise, dass die Auffrischimpfungen gegen Tetanus/Diphtherie und besonders in Kombination mit der Keuchhustenimpfung nicht in ausreichendem Maß wahrgenommen werden.
Bei den Älteren ist die Impfung gegen Influenza nicht zufriedenstellend. Die anhand von Abrechnungsdaten geschätzte jährliche Impfquote gegen Grippe bei Senioren liegt in Bayern nur bei etwa 38 Prozent.

Gibt es regionale Unterschiede?

Dr. Maria-Sabine Ludwig: Wir beobachten deutliche regionale Unterschiede. Bei Schulanfängern zeigt sich besonders bezüglich der Masernimpfquoten ein deutliches Nord-Südgefälle. Entsprechend kommt es vor allem in den Gebieten mit niedrigen Impfquoten auch vermehrt zu Masernausbrüchen, von denen zunehmend Jugendliche und Erwachsene betroffen sind.

Welche Projekte stehen bei der LAGI derzeit im Vordergrund?

Dr. Maria-Sabine Ludwig: Das ist vor allem eine intensivierte Informationskampagne zum Masernimpfschutz für Jugendliche und Erwachsene, um hier gegenzusteuern. Aktuell findet eine Kinospotaktion des Gesundheitsministeriums zur Masern-Impfung in vier südbayerischen Landkreisen statt, die unter anderem von den örtlichen Gesundheitsämtern und dort ansässigen niedergelassen Ärzten durch Auslegen von Informationsmaterial der LAGI zu Masern unterstützt wird. Weitere Themen sind beispielsweise die HPV-Impfung und der Hinweis auf das neu empfohlene herabgesetzte Impfalter von 9 bis 14 Jahren, der Abbau von Impfhindernissen, der konstruktive Dialog zu aktuellen Impffragestellungen, der fachliche Austausch mit STIKO, RKI und weiteren Institutionen, die gemeinsame Planung von neuen Informationskampagnen und die Fortbildung von Ärzten und wichtigen Multiplikatoren zu Impfthemen. So bietet die LAGI seit letztem Jahr z.B. auch Impffortbildungen für Hebammen an. Weitere Infos dazu gibt es auf der Website der LAGI.

Wie können Hausärzte diese Projekte unterstützen?

Dr. Maria-Sabine Ludwig: In aller erster Linie, indem Sie Ihre Patienten daran erinnern, das Impfbuch mitzubringen sowie über Impfungen aufklären und vorhandene Impflücken schließen. Und natürlich durch die aktive Unterstützung von Informationskampagnen und die Unterstützung von Impffortbildungsveranstaltungen für Kollegen. Wir freuen uns aber auch über Hinweise zu möglichen Impfhindernissen und Ideen für weitere Aufklärungsarbeit an die LAGI. Darüber hinaus können sich Hausärztinnen und Hausärzte über ihren Verband aktiv in die LAGI einbringen, beispielsweise beim Erstellen von Informationsmaterial.

Haben Sie Tipps, wie Hausärzte Ihre Patienten von der Wichtigkeit von Schutzimpfungen überzeugen können?

Dr. Maria-Sabine Ludwig: Wie gesagt, Studien zufolge hat der Rat des Arztes großen Einfluss auf die Entscheidung für oder gegen eine Impfung. Deshalb ist die direkte Ansprache des Hausarztes bei jedem Arztbesuch sowie ggf. die Etablierung von Erinnerungssystemen von hoher Bedeutung für die Vermeidung beziehungsweise Reduzierung von Impflücken.
Auch wirkt ein Arzt, der selbst über den empfohlenen Impfschutz verfügt und darauf bei seinem Praxispersonal und der Familie achtet, auf Patienten glaubwürdig und wird als Vorbild wahrgenommen. Wichtig aus unserer Sicht ist auch, sich über mögliche impfkritische Fragen zu informieren, um Patienten, die skeptisch gegenüber Impfungen sind, in einem fachlich fundierten Dialog überzeugen zu können.