Ambulante Hospiz- und Palliativversorgung: Vorausschauende Behandlungsplanung nötig

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Am 21.02.2018 war in der Meistersingerhalle in Nürnberg Premiere für die „Jahrestagung zur Hospiz- und Palliativversorgung“, die Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml ins Leben gerufen hat. Die Ministerin erläuterte auf der Veranstaltung die Pläne der der Staatsregierung zum weiteren Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung in Bayern, allen voran in Pflegeheimen. "Pflegeheime sind für viele Menschen das letzte Zuhause. Hier leben sie – und hier sterben sie. Deswegen wollen wir dort mehr Versorgungsangebote im Hospiz- und Palliativbereich schaffen. Langfristig ist eine Verdoppelung unser Ziel", kündigte Huml an.

Aus Sicht von Dr. Markus Beier, stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, ein wichtiges Anliegen, bei dem Hausärzte gemeinsam mit den örtlichen Hospizvereinen eine wichtige Rolle spielen. Allerdings müssten dafür auch die richtigen Weichen gestellt werden, betont Dr. Beier. „Wir brauchen eine vorausschauende Behandlungsplanung, um allen Mitwirkenden an der palliativmedizinischen Versorgung mehr Sicherheit zu geben und den Patienten belastende unnötige Krankenhauseinweisungen und Notarzteinsätze zu ersparen“, argumentiert er. Diese vorausschauende Behandlungsplanung, erläutert Dr. Beier, sei bei einem gemeinsamen Termin festzulegen, bei dem zumindest der betreuende Hausarzt, der Patient selbst und /oder Angehörige sowie der Pflegedienst vertreten sein sollten. Ein entsprechendes Konzept hat er gemeinsam mit Prof. Dr. Thomas Kühlein, Lehrstuhlinhaber für Allgemeinmedizin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), bereits erarbeitet. „Was wir nun brauchen, sind Partner auf Seiten der Krankenkassen, die es mit uns umsetzen“, so Dr. Beier.

Und an dieser Stelle müsse man auch über Geld sprechen: „Die palliativmedizinische Betreuung zu Hause oder im Pflegeheim ist für Hausärztinnen und Hausärzte mit großem Aufwand verbunden, der auch vergütet werden sollte“, stellt Dr. Beier fest und nennt neben einer vorausschauenden Behandlungsplanung insbesondere die Rufbereitschaft des Hausarztes und die intensive Betreuung in den letzten Lebenstagen. „In den Verträgen zur Hausarztzentrierten Versorgung, der HzV, konnten wir dazu bereits einen Grundstein legen, aber es muss sich noch einiges tun“.

Dass es vorangeht, davon ist Dr. Beier überzeugt. So werde den Hausärztinnen und Hausärzten zunehmend der Stellenwert in der palliativmedizinischen Versorgung zuerkannt, der ihnen auch zukommt. Das habe einmal mehr die Podiumsdiskussion während der ersten Jahrestagung zur Hospiz- und Palliativversorgung in Nürnberg bestätigt, an der er als hausärztlicher Vertreter teilnahm. Mit auf dem Podium: Ministerin Melanie Huml, Prof. Dr. Christoph Ostgathe, Leiter der palliativmedizinischen Abteilung am Universitätsklinikum Erlangen, Leonhard Wagner, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der stationären Hospize in Bayern, Konrad Köller, stellvertretender Vorsitzende des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbandes Bayern und Prof. Dr. Monika Führer vom Kinderpalliativzentrum am Klinikum der Universität München. „Auf dem Podium waren wir uns einig, dass alle an der palliativmedizinischen Versorgung Beteiligten auch gebraucht werden, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Patienten am Lebensende gerecht zu werden und dass Hausärztinnen und Hausärzte ganz entscheidend dazu beitragen, den Patientenwillen durchzusetzen“, resümiert Dr. Beier.

Auch gehe es nicht nur um physische, sondern auch psychische Aspekte, betont Dr. Beier und verweist auf den Vortrag von Prof. Dr. Andreas Kruse, Direktor des Instituts für Gerontologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg: „Palliativmedizin hat den Auftrag, den Sterbenden dabei zu helfen, zu sich selbst zu finden – ein wichtiger Ansatz, den Prof. Kruse in Nürnberg herausgestellt hat.“