Heimleiter interessieren sich für VERAH und TeleArzt

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2018 04 19 Vortrag Dr. Kiener VERAH TeleArzt WebZum Vergrößern bitte klicken.

Dass der hausärztliche Nachwuchs ausbleibt, bekommen Alten- und Pflegeheime zunehmend zu spüren. Für die Einrichtungen wird es immer schwieriger, Hausarztpraxen zu finden, die ihre Heimbewohner medizinisch betreuen und Heimbesuche gewährleisten können. „In vielen Hausarztpraxen ist so viel los, dass für die zeitintensive Pflegeheimbetreuung einfach keine Luft bleibt“, weiß Dr. Friedrich M. Kiener, Hausarzt aus Unterschleißheim und Bezirksdelegierter des Bayerischen Hausärzteverbandes.

Eine Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (VERAH), ausgestattet mit einem VERAH-Mobil, und das Modell „TeleArzt“ können dazu beitragen, dass die Pflegeheimbetreuung mit Heimbesuchen für die Hausarztpraxis zu schultern ist. Wie das funktioniert, erläuterte Dr. Kiener bei einem Treffen des "Facharbeitskreis für alte Menschen" für die beiden Münchner Stadtteile Rahmersdorf und Neuperlach am 19. April im Alten- und Service-Zentrum (ASZ) Perlach, zu dem ihn des Sozialbürgerhauses Rahmersdorf/Perlach eingeladen hatte.

Der Hausarzt aus Unterschleißheim konnte aus eigener Erfahrung berichten. Das Zentrum für Allgemeinmedizin (ZAM), das Dr. Kiener zusammen mit Praxispartner Dr. Helmut Eder in Unterschleißheim bei München betreibt, betreut auch ein Pflegeheim. Unterstützt werden die Praxisärzte dabei von einer Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (VERAH). Mit dem praxiseigenen „VERAH-Mobil“ fährt sie regelmäßig ins Pflegeheim und übernimmt vor Ort Routine-Kontrolluntersuchungen wie Lungenfunktionstests, Blutabnahmen und Blutdruckmessungen. Das entlastet die Ärzte, die dann kommen, wenn die VERAH Auffälligkeiten beobachtet oder der Zustand des Patienten ärztliche Expertise erfordert.

Der Einsatz des Modells „TeleArzt“, bei dem die VERAH über eine gesicherte Mobilfunkverbindung von ihrem Tablet-PC aus die ermittelten Gesundheitsdaten direkt in die Praxis senden und bei Bedarf den Hausarzt über Videotelefonie dazu schalten kann, macht das Konzept VERAH noch effektiver.

„Es waren mehr als 40 Teilnehmer da, hauptsächlich Heimleiter und Fachkräfte aus Pflegeeinrichtung, auch Pfarrer, die beschützende Einrichtungen seelsorgerisch betreuen, berichtet Dr. Kiener. „Die meisten kannten weder das Konzept VERAH noch hatten sie von dem Modell TeleArzt“ gehört.“

Der berufspolitisch engagierte Hausarzt versuchte auch, Verständnis für die Situation der Hausärzte zu schaffen. Er klärte über die Hintergründe auf, warum viele Hausarztpraxen keine Heimversorgung mehr anbieten können, und betonte, wie wichtig die Nachwuchsförderung im hausärztlichen Bereich ist – allen voran die Schaffung besserer Rahmenbedingungen für die hausärztliche Tätigkeit. „Den Zuhörern war nicht bewusst, wie wenig Budget mir als Hausarzt für einen Patienten pro Quartal zugestanden wird oder wie ein Hausbesuch vergütet wird“, so Dr. Kiener. Entsprechend aufmerksam verfolgten die Heimleiter und Pflegekräfte seinen Vortrag: „Ich habe in viele interessierte Gesichter geschaut.“