Apropos…Wartezeiten auf Facharzttermine: "Patienten steuern statt Sprechstunden zwangsausweiten!"

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Dr. Geis März 2016Zum Vergrößern bitte klicken.

Der GKV-Spitzenverband unterstützt die Pläne der Bundesregierung, die Mindestsprechstundenzeiten der Vertragsärzte von 20 auf 25 Wochenstunden zu erhöhen – möglichst ohne eine entsprechende Anhebung der Vergütung, versteht sich – und fordert ausgedehntere Praxis-Öffnungszeiten abends und am Wochenende. Das berichten unterschiedliche Medien und berufen sich dabei auf Äußerungen des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des GKV-Spitzenverbandes Johann-Magnus von Stackelberg vom Dienstag dieser Woche (10.06.2018). Laut den Berichten kann sich von Stackelberg vorstellen, beispielsweise Samstagssprechstunden besser zu vergüten, und er hält auch Anreize für die Erstbehandlung neuer Patienten beim Facharzt für denkbar. Ziel dieser Maßnahmen sei es, die Wartezeit für gesetzlich Versicherte auf Facharzttermine zu verkürzen. Dr. Dieter Geis, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, kann diesen Vortschlägen nichts abgewinnen:

„Herr von Stackelberg sorgt sich um die Versorgung gesetzlich Versicherter und möchte Wartezeiten auf Arzttermine verkürzen. Deshalb fordert er ein ausgedehnteres Sprechstundenangebot. Das kann er haben – mit der Hausarztzentrierten Versorgung: Ein erweitertes Sprechstundenangebot für Berufstätige inklusive Unterstützung bei der Vermittlung eines schnellen Facharzttermins in dringenden Fällen gehört zu den Qualitätsmerkmalen der Hausarztzentrierten Versorgung. Gleichzeitig bietet die Hausarztzentrierte Versorgung eine nachgewiesen sinnvolle Patientensteuerung, die Fachärzte entlastet und damit eine wirklich effektive Maßnahme gegen lange Wartezeiten auf Facharzttermine darstellt.

Herr von Stackelberg schlägt aber als weitere Maßnahme gegen lange Wartezeiten Anreize für die Erstbehandlung neuer Patienten vor, die einer sinnvollen Patientensteuerung entgegenlaufen müssen! Mit einer nachhaltigen und zukunftsweisenden Strategie hat dies nichts mehr zu tun.

Wir brauchen keine Zwangsausweitung der Sprechstunden oder Anreize für eine Erstbehandlung bei Fachärzten. Was wir brauchen, ist eine sinnvolle hausarztgeleitete Patientensteuerung, die wir mit der Hausarztzentrierten Versorgung längst anbieten.

Statt ziellos die Erstbehandlung neuer Patienten und ungefilterte Facharztbesuche zu fördern, sollten die Krankenkassen für ihre Versicherten Anreize schaffen, an der Hausarztzentrierten Versorgung teilzunehmen. Bosch BKK und AOK Baden-Württemberg machen dies sehr erfolgreich vor. Und bei koordinierter und per Überweisung des Hausarztes initiierter Überweisung können Fachärzte auch gerne besser honoriert werden.

Damit wäre mehr gewonnen als durch eine Zwangsausweitung der Sprechstunden, die den ärztlichen Nachwuchs abschreckt und der Öffentlichkeit ein falsches Bild von unserer tatsächlichen Arbeitszeit von durchschnittlich 50 Wochenstunden vermittelt – die Bereitschaftsdienste nicht eingerechnet, in die gerade wir Hausärzte massiv eingebunden sind. Wir Hausärztinnen und Hausärzte bilden das Rückgrat der Versorgung im Bereitschaftsdienst und stellen damit sicher, dass die Patientinnen und Patienten bei Akuterkrankungen auch an den Wochenenden und außerhalb der regulären Sprechzeiten persönlich betreut und medizinisch bestens versorgt werden.

Welche Krankenkasse kann schon von sich sagen, dass sie auch am Wochenende für ihre Versicherten da ist? Und unpersönliche Call-Center sind nun wahrlich kein Ersatz für eine direkte Ansprache von Mensch zu Mensch …