Dr. Geis zum 2. Internationaler Hausärztetag in Bonn: „Mit dem Blick über den Tellerrand können wir nur voneinander lernen“

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Zum zweiten Mal nach der Premiere im Jahr 2014 lädt der Deutsche Hausärzteverband am 21. und 22. September zum Internationalen Hausärztetag nach Bonn in den ehemaligen Bundestag ein. Ganz vorne auf dem Programm, das Sie hier finden, steht der internationale berufspolitische Austausch. Für eine starke Teilnahme vor allem aus Bayern wirbt Dr. Dieter Geis, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes und Erster Stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, im Interview.

Dr. Geis Prof. Gerlach int. HÄTag2014Zum Vergrößern bitte klicken.

Herr Dr. Geis, warum ist es wichtig, auch international den Schulterschluss mit den Hausärztinnen und Hausärzten zu suchen?

Dr. Dieter Geis: Die Gesundheitssysteme sind von Land zu Land unterschiedlich, aber die Herausforderungen sind grundsätzlich ähnlich. Alle Industriestaaten müssen den demographischen Wandel meistern, und oft fehlen bereits jetzt die notwendigen Hausärzte. Mit dem Blick über den Tellerrand können wir nur voneinander lernen. Ich freue mich deshalb sehr auf die Referate von Garmt Postma aus den Niederlanden und Pavel Vychytil aus Tschechien, die uns Einblicke in ihr jeweiliges Gesundheitssystem geben werden.

Wo liegen generell die Unterschiede?

Dr. Dieter Geis: Eine internationale Studie aus dem Jahr 2008 bescheinigt uns deutsche Hausärztinnen und Hausärzten als Fachärzte für Allgemeinmedizin einen hohen Ausbildungsstand. In den Niederlanden ist dagegen die Telemedizin sehr weit entwickelt. Und in Großbritannien werden noch stärker Nicht-Ärzte in die Versorgung insbesondere von chronisch kranken Patienten eingebunden. Hier sind wir mit der VERAH aber ebenfalls auf einem guten Weg.

Was können wir uns abschauen?

Dr. Dieter Geis: In vielen Ländern gibt es ein Primärarztsystem, was zur Folge hat, dass der Hausarzt im dortigen Gesundheitssystem eine sehr starke Stellung hat. Obwohl es auch im Interesse unserer Patienten ist, erst zum Hausarzt zu gehen, und dann im Falle des Falles an den richtigen Facharzt überwiesen zu werden, ist dieses Konstrukt in Deutschland derzeit politisch nicht durchsetzbar. Mit den Hausarztverträgen haben wir aber ein freiwilliges Primärarztsystem eingeführt, von dem alle profitieren. Die Krankenkassen, weil unnötige Ausgaben für Doppel- und Falschuntersuchungen entfallen, wir Hausärzte, weil wir für mehr Arbeit auch mehr Honorar bekommen, und insbesondere die Patienten, weil sie besser versorgt werden. Um für die Zukunft gewappnet zu sein, sollten wir die Hausarztverträge jetzt weiterentwickeln. Ein wichtiger Schritt sind dabei Bonusleistungen für alle Versicherte, die sich freiwillig in einen Hausarztvertrag einschreiben. Dafür werden wir bei der Politik werben und kämpfen.

Das Programm des 2. Internationalen Hausärztetags, der auch einen Fortbildungskongress des IhF, Fortbildungen der SHP SERVICEGESELLSCHAFT HausarztPraxis mbH, den Stiftungstag der Stiftung Perspektive Hausarzt sowie einen Patiententag umfasst, finden Sie hier.