Fortbildung am 2. Internationalen Hausärztetag: „Das Impfen ist der beste Lebensretter, den wir haben.“

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Zum zweiten Mal nach der Premiere im Jahr 2014 lädt der Deutsche Hausärzteverband am 21. und 22. September 2018 zum Internationalen Hausärztetag nach Bonn in den ehemaligen Bundestag ein. Ein Schwerpunkt bei den Fortbildungen ist das Thema Impfen. Hier wird Prof. Dr. Jörg Schelling als Referent sprechen. Der Facharzt für Allgemeinmedizin ist als Hausarzt in einer Gemeinschaftspraxis in Martinsried bei München niedergelassen und ist zudem Gründungsdirektor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität. Im Interview erklärt Prof. Schelling, was die Fortbildungsteilnehmer erwartet und warum er sich für das Impfen engagiert:

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Herr Prof. Schelling, Impfen wird bei den Fortbildungen auf dem Internationalen Hausärztetag ein Schwerpunktthema sein. Was erwartet die Teilnehmer?

Prof. Dr. Jörg Schelling: In Bonn werden eine Reihe von erfahrenen Dozenten über Impfen referieren. Wir bieten eine allgemeine und breite Übersicht, sprechen aber auch spannende Einzelthemen an. Gerade bei diesem wichtigen Thema haben wir auch viel Zeit für Austausch, Fragen und Diskussion.

Sie sind Vorstandsmitglied der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen e.V. und Mitglied der Bayerischen Landesarbeitsgemeinschaft Impfen (LAGI). Warum engagieren Sie sich ausgerechnet für das Thema Impfen?

Prof. Dr. Jörg Schelling: Keine medizinische Maßnahme ist so erfolgreich und effektiv wie das Impfen. Gleichzeitig bestehen hier oft unbegründete Sorgen und Wissensdefizite bei Patienten, aber zum Teil leider auch bei Ärzten. Hier möchte ich aufklären und gerade die hausärztlichen Kolleginnen und Kollegen zu mehr Prävention über das Impfen anregen.

Gerade im Internet wird immer wieder behauptet, die Impfung sei angeblich eines der größten Irrtümer der heutigen Schulmedizin. So heißt es dazu auf einer Webseite: „Schon aus dem Blickwinkel der Wahrscheinlichkeit zu erkranken, ist Impfen sinnlos. Wenn man die auftretenden Symptome nicht unterdrückt, verlaufen diese Kinderkrankheiten völlig harmlos und es ist keinerlei Behandlung nötig.“ Was entgegnen Sie?

Prof. Dr. Jörg Schelling: „Jeder Maserntote oder jeder Säugling, der an Keuchhusten leidet, deklassiert und entlarvt diese undifferenzierte und ideologische Sichtweise. Ein paar Fakten: Bis in die 1960er Jahre starben an Pocken jedes Jahr zwei Millionen Menschen weltweit, heute ist diese schwere Erkrankung praktisch ausgerottet. Impfungen gegen Windpocken, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis, Kinderlähmung, Masern, Tuberkulose oder gegen bakterielle Infektionen mit dem gefährlichen Haemophilus-influenzae-b-Erreger verhindern jedes Jahr geschätzt fast sechs Millionen Todesfälle. Dies alles lässt sich durch unzählige wissenschaftliche Studien, die überall auf der Welt und unabhängig von einander durchgeführt worden sind, eindeutig belegen. Mit Impfgegnern, die diese Fakten aber nicht zur Kenntnis nehmen wollen, spreche ich nicht mehr. Das ist Zeitverschwendung. Mit Impfzögerern und Menschen, die durch solche Fehlinformationen verunsichert sind, rede ich dagegen in Ruhe. Selbstverständlich nehme ich ihre Sorgen ernst, aber die Fakten sind wie gesagt eindeutig. Ich empfehle in diesem Zusammenhang auch die gemeinsame Stellungnahme des Robert Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts zu den 20 häufigsten Einwänden gegen das Impfen, die leicht verständlich geschrieben ist.

Link: Antworten des Robert Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts zu den 20 häufigsten Einwänden gegen das Impfen.

Was ist die wichtigste Botschaft, die Sie den Hausärztinnen und Hausärzten in Ihrer Weiterbildung mit auf den Weg geben wollen?

Prof. Dr. Jörg Schelling: Das Impfen ist der beste Lebensretter, den wir haben. Wir Hausärztinnen und Hausärzte sind dabei der wichtigste Ansprechpartner für Familien und Erwachsene, die natürlich Fragen oder gar Vorbehalte haben. Unsere Herausforderung ist es, mit und für den Patienten eine gute Entscheidung zu fällen. Dafür brauchen wir zum einen ein fundiertes Impfwissen und zum anderen eine eigene Authenzität. Sprich: Ich als Hausarzt lasse natürlich mich und meine Kinder impfen!

Das Programm des 2. Internationalen Hausärztetags, der auch einen Fortbildungskongress des IhF, Fortbildungen der SHP SERVICEGESELLSCHAFT HausarztPraxis mbH, den Stiftungstag der Stiftung Perspektive Hausarzt sowie einen Patiententag umfasst, finden Sie hier.