Apropos… elektronische Patientenakte: „Politik muss endlich ihre Hausaufgaben machen!“

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Dr. Geis März 2016Zum Vergrößern bitte klicken.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn möchte, dass Patienten mit mobilen Endgeräten wie dem Handy auf die elektronische Patientenakte (ePA), die bis spätestens 2021 eingeführt sein soll, zugreifen können. Derweil preschen Krankenkassen wie die AOK und die TK vor und experimentieren mit „elektronischen Gesundheitsakten“: Die TK kooperiert dabei mit IBM und setzt auf das System eines „Datentresors“, will heißen, dass die elektronischen Gesundheitsakten auf von IBM verwalteten Servern liegen. Das AOK-Modell dagegen sieht vor, dass die Daten dezentral auf den Servern der Praxen und Kliniken verbleiben. Über ein Portal, das Gesundheitsnetzwerk, können angeschlossenen Behandler durch eine Art Link auf Daten auf den jeweiligen Servern zugreifen, sofern der Patient seine Erlaubnis gegeben hat.

Zwar versichern die Kassen, nicht auf Behandlungsdaten und Befunde zugreifen zu können oder zu wollen. Aber Dr. Dieter Geis, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, sieht aufgrund der derzeitigen Entwicklungen Handlungsbedarf:

„Eine elektronische Patientenakte kann grundsätzlich die Kommunikation zwischen Ärzten und nichtärztlichen Behandlern verbessern und so zur Qualitäts- und Effizienzsteigerung der Gesundheitsversorgung erheblich beitragen. Aber dazu müssen die Spielregeln stimmen und eine einheitliche Struktur geschaffen werden. Minister Spahn denkt laut über Zugriffsmöglichkeiten via Smartphone nach, bevor überhaupt die Rahmenbedingungen klar sind. Die ePA darf auf keinen Fall Krankenkassen die Tür zu Behandlungsdaten und damit zur Einflussnahme auf die Therapie öffnen – auch theoretisch nicht. Und wenn wir als Ärzte die ePA sinnvoll nutzen können sollen, muss sie einheitlich und nicht kassenspezifisch aufgebaut sein, es muss festgelegt werden, wer welche Daten hochladen und löschen kann.

Statt Einheitlichkeit erleben wir jetzt, wie Krankenkassen ihr eigenes Süppchen kochen und die elektronische Gesundheitsakte als Marketing-Tool einsetzen. Und im Ministerium freut man sich auch noch über die Vielfalt! Die Politik muss endlich ihre Hausaufgaben machen und die rechtlichen Grundlagen unter Einbeziehung der Ärzteschaft festzurren. Ein Patient – eine ePA, ganz gleich, wo er versichert ist. Und es ist ein System gefragt, das sicher ist und ohne direkten Zugriff der Krankenkassen!