Mitglieder des Bayerischen Hausärzteverbandes kandidieren für den Landtag: Dr. Armin Rüger

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Dr. Armin RügerZum Vergrößern bitte klicken.

Für die Bayerische Landtagswahl am 14. Oktober kandidieren auch drei Mitglieder des Bayerischen Hausärzteverbandes. Einer von ihnen ist Dr. Amin Rüger aus Sulzbach-Rosenberg, der im Wahlkreis Oberpfalz für die SPD antritt. Seit 2002 gehört er dem Stadtrat von Sulzbach-Rosenberg an, seit 2008 ist er Kreisrat. Außerdem engagiert sich Dr. Rüger in der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen Bayern (ASG Bayern), deren Landesvorsitzender er ist. Welche gesundheitspolitischen Schwerpunkte die Bayern-SPD hat und was er sich selbst vorgenommen hat, sollte seine Kandidatur erfolgreich sein, verrät er im Interview.

Herr Dr. Rüger, sollte Ihre Kandidatur für den Landtag erfolgreich sein, wo werden Sie thematische Schwerpunkte setzen?

Dr. Armin Rüger: Als Landtagsabgeordneter würde ich mich für gleichwertige Lebensbedingungen in Stadt und Land einsetzen, beispielsweise in Bezug auf den öffentlichen Nahverkehr oder die Breitbandanbindung. Es ist doch ein Unding, dass die Digitalisierung im Lehrplan steht, aber die Kinder dann teilweise zu Hause keine vernünftige Internet-Anbindung vorfinden. Übrigens auch eine Grundvoraussetzung für die allseits geforderte Digitalisierung in der Medizin. Hier zeigt sich auch wieder die Schnittstellenproblematik: es kann doch nicht sein, dass beispielsweise Krankenhausentlassungsbriefe größtenteils nicht sicher digital in die Praxis übermittelt werden können, weil die jeweiligen Softwaresysteme nicht kompatibel sind.

Ich würde mich auch dafür einsetzen, den Investitionsbedarf der Krankenhäuser entsprechend den gesetzlichen Vorgaben der dualen Finanzierung deutlich zu erhöhen. Letztendlich ist dies Ländersache und auch Bayern weit von den Vorgaben entfernt. Hier haben wir zusätzlich die Besonderheit, dass zum Beispiel Krankenhausküchen im Rahmen der Förderrichtlinien als nicht betriebsnotwendig erachtet werden und daher auch in diesem Bereich kein Investitionsbedarf gesehen wird. Das hat zur Folge, dass Versichertengelder – vorgesehen für die medizinische Versorgung - zur Deckung von Investitionsaufgaben zweckentfremdet werden.

In Bezug auf die zunehmend problematische Situation der hausärztlichen Versorgung bedarf es zunächst einer raschen Anpassung der Bedarfsplanung an den aktuellen Versorgungsbedarf. Obwohl viele Hausarztpraxen am Limit arbeiten und teilweise Patienten abweisen müssen wird z.B. in unserer Region ein Versorgungsgrad von 130 Prozent ausgewiesen. Lehrstühle für Allgemeinmedizin an allen medizinischen Fakultäten sind dringend notwendig um den hausärztlichen Nachwuchs zu fördern. Auch das Problem einer ausufernden „Bürokratie“ muss endlich nicht nur rhetorisch in Angriff genommen weden. Jegliche Dokumentation bedarf der Evaluation hinsichtlich ihres Nutzens für die Patientenversorgung.

Was muss aus Ihrer Sicht noch geschehen, damit sich mehr junge Mediziner für eine Niederlassung in einer Hausarztpraxis entscheiden?

Dr. Armin Rüger: Ich denke, es ist ganz wichtig, dass wir schon den Medizinstudierenden vermitteln, wie vielfältig und intellektuell anspruchsvoll die Allgemeinmedizin ist – für mich nach wie vor die „Königsdisziplin“ innerhalb der Medizin. Hier kommt wieder die entsprechende Einrichtung und Aufwertung allgemeinmedizinischer Lehrstühle ins Spiel.

Was wir zusätzlich brauchen sind attraktive Niederlassungsbedingungen – und dazu gehört grundlegend eine gute Infrastruktur in den jeweiligen Kommunen. Auch ein einheitliches Versicherungs- und Honorierungssystem, für das die SPD eintritt, würde dazu beitragen, dass junge Hausärztinnen und Hausärzte eine Niederlassung auch in strukturell schwächeren Regionen eher in Erwägung ziehen. Honorarvorteile durch einen hohen Anteil an Privatversicherten kommen meines Erachtens weniger der gesprächs- und zuwendungsorientierten hausärztlichen Tätigkeit zu Gute. HzV und andere Selektivverträge sind besser geeignet, innovative Versorgungsformen zu etablieren.

Wo liegen allgemein die gesundheitspolitischen Schwerpunkte der SPD in Bayern?

Dr. Armin Rüger: Ein wichtiges Anliegen der Bayern SPD ist die Sicherstellung einer hochwertigen und flächendeckenden medizinischen Versorgung unter Einbeziehung kommunaler Strukturen und Berücksichtigung regionaler Besonderheiten. Gleichermaßen ist eine Verbesserung der Zusammenarbeit der Versorgungsebenen zwingend erforderlich. Hierzu hat die SPD ihr „integriertes Gesundheitskonzept“ vorgelegt, das vor allem die Versorgung an den sektoralen Schnittstellen verbessern soll.

Des Weiteren muss das Thema Pflege zur Chefsache werden mit öffentlicher Wertschätzung der Pflegeberufe sowie der pflegenden Angehörigen. Die Personalplanung sowohl in der Kranken- als auch Altenpflege hat sich am Bedarf zu orientieren und nicht an ökonomischen Interessen. Gleiches gilt natürlich für das gesamte Gesundheitswesen.

Eine wohnortnahe hochwertige medizinischen Versorgung bedarf aus Sicht der SPD aber auch den Ausbau kommunaler Infrastruktur um damit die Niederlassung auch auf dem Land für junge Mediziner attraktiv zu gestalten. Viele Vorstellungen der SPD zur Gesundheitsversorgung decken sich mit Kernforderungen des Bayerischen Hausärzteverbandes: Die SPD befürwortet die Hausarztzentrierte Versorgung und steht somit für ein Primärarztsystem mit freier Arztwahl bei Einschränkung der Wahl der Versorgungsebene.