Zi fördert Forschungsprojekt aus München: „Die Koordination durch den Hausarzt ist ein großes Paradigma“

Veröffentlicht am .

Prof. SchneiderZum Vergrößern bitte klicken.

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) fördert im Jahr 2018 vier Forschungsprojekte mit insgesamt rund 250.000 €. Darunter auch das Projekt „Vergleich des Inanspruchnahmeverhaltens von Patienten vor und nach Abschaffung der Praxisgebühr“ von Prof. Dr. Antonius Schneider, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der TU München. „Die Förderung war natürlich ein Traum, weil wir dadurch das Projekt erst durchführen können. Die Auswertung der Datensätze ist sehr zeitaufwendig und jetzt können wir in Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns gemeinsam an der Umsetzung arbeiten“.

Aus Sicht des Zi sollen die geförderten Projekte einen Bezug zur ärztlichen Praxis haben und das Potential in sich tragen, die medizinische Versorgung konkret zu verbessern. Grundlage für das Forschungsprojekt von Prof. Dr. Schneider war eine Vorabuntersuchung, bei der die Kosten von Patienten mit und ohne hausärztliche Steuerung in Bayern verglichen wurden. Im Zeitrahmen der Analyse mussten Patienten noch eine Praxisgebühr von 10 Euro entrichten: „Erstaunlich war, dass trotz Gebühr immer noch 50 Prozent der Patienten nicht gesteuert waren und einen Spezialisten ohne Überweisung durch den Hausarzt aufgesucht haben“, so Prof. Schneider.

War die Praxisgebühr dann letzten Endes überflüssig? „Gebracht hat sie schon etwas, aber die Auswirkungen waren nicht stark genug. Die Annahme, die sich aus unserer Voruntersuchung ableiten lässt, lautet daher zunächst einmal: ‚Wenn die Hälfte der Patienten mit Praxisgebühr schon nicht gesteuert waren, dann dürfte die Zahl der ungesteuerten Patienten nach Abschaffung der Gebühr noch höher sein‘“.

Das Thema Patientensteuerung und insbesondere die Koordination durch den Hausarzt begleitet Prof. Dr. Schneider schon länger: „Das ist eines meiner Lieblingsthemen“, erzählt er. „Die hohe Bedeutung der Allgemeinmedizin für die medizinische Versorgung der Gesellschaft ist durch vier Kernelemente gekennzeichnet: Ein niederschwelliger Zugang zur medizinischen Versorgung, eine umfassende Behandlung der Menschen, die Langzeitbetreuung und die Koordination der Medizinischen Versorgung.“

„Die Koordination durch den Hausarzt ist ein großes Paradigma“, verdeutlicht Prof. Schneider. Sie trage maßgeblich zu einer guten Organisation in der Primärversorgung bei und helfe somit auch die Kosten im Gesundheitswesen gering zu halten und die Qualität der Behandlung zu verbessern. „Das Problem ist, dass in unserem Gesundheitswesen momentan zu viele Ressourcen verbraucht werden, beispielsweise aufgrund von Doppelbehandlungen durch unkoordinierte Diagnostik und Therapie. Letztlich kann dies sogar schädlich für die Patienten selbst sein, weil hierdurch Fehlmedikationen, Strahlenbelastungen oder sonstige iatrogene Schädigungen resultieren können.“

Erste Erkenntnisse aus der aktuellen Studie darf Prof. Schneider noch nicht verraten; allerdings sieht er in alternativen Steuerungsfunktionen wie der Hausarztzentrierten Versorgung eine gute Möglichkeit, die Patienten künftig besser durch das Gesundheitssystem zu navigieren.