1. Tag der Allgemeinmedizin in Würzburg: „Beginn einer Tradition“

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„Wir werden uns einen Nachmittag lang gegenseitig fortbilden: interaktiv, frei von fremden Interessen, von Hausärzten für Hausärzte. Es wird zusätzlich Workshops für MFA und ein Notfalltraining für Praxisteams geben.“ Mit dieser Ankündigung luden Prof. Dr. Anne Simmenroth und Prof. Dr. Ildikó Gágyor, die sich seit Mitte Dezember 2017 den Lehrstuhl für Allgemeinmedizin an der Universität Würzburg teilen, zum 1. Tag der Allgemeinmedizin ihres Instituts. 

Prodekan Prof. Dr. Jürgen Deckert sieht in dem 1. Tag der Allgemeinmedizin in Würzburg den „Beginn einer Tradition“ und unterstrich die Bedeutung der Fachrichtung Allgemeinmedizin in seinem Grußwort. In Zusammenarbeit mit Dr. Hans-Jörg Hellmuth und anderen Lehrbeauftragten für Allgemeinmedizin habe man schon einiges an Vorarbeit geleistet. „Seit der Berufung der Professorinnen Simmenroth und Gágyo ist nochmal neuer Elan dazugekommen“, sagte Prof. Deckert.

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„Wir können uns glücklich schätzen, die beiden gewonnen zu haben." Prodekan Prof. Dr. Jürgen Deckert sieht in dem 1. Tag der Allgemeinmedizin in Würzburg den „Beginn einer Tradition“ und unterstrich die Bedeutung der Fachrichtung Allgemeinmedizin in seinem Grußwort. In Zusammenarbeit mit Dr. Hans-Jörg Hellmuth und anderen Lehrbeauftragten für Allgemeinmedizin habe man schon einiges an Vorarbeit geleistet.

Dr. Dieter Geis, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, erinnerte in seinem Grußwort daran, wie viel Überzeugungsarbeit nötig war, bis der Lehrstuhl für Allgemeinmedizin an der Universität Würzburg eingerichtet und besetzt werden konnte, und lobte die gute Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Matthias Frosch, dem Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg. „Die Allgemeinmedizin hat jetzt ein eigenes Institut und ist nicht nur ein Anhängsel“, erklärte er.

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Damit habe man es in den zurückliegenden acht Jahren geschafft, Institute für Allgemeinmedizin an allen medizinischen Fakultäten in Bayern einzurichten bis auf Regensburg. Auch die neue medizinische Fakultät in Augsburg, an der die ersten Medizinstudierenden im Herbst kommenden Jahres starten sollen, wird von Anfang an mit einer Professur für Allgemeinmedizin ausgestattet sein, berichtete Dr. Geis.

Er unterstrich die Bedeutung des Bayerischen Hausärzteverbandes, indem er auf die Erfolge der letzten Jahre hinwies.  Als Beispiele nannte er, dass es dem Berufsverband gelungen ist, mit allen Kassenarten in Bayern Hausarztverträge abzuschließen, dass Hausärzte an der Spitze der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns und der Bayerischen Landesärztekammer stehen und dass sich der Bayerischen Hausärzteverbandes in der hausärztlichen Fortbildung mit einer eigenen Fortbildungsabteilung und im Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin Bayern (KWAB) engagiert.

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„Die Akademisierung der Allgemeinmedizin hat dem Fach eine andere Wertigkeit bei den Studierenden verschafft“, ist er überzeugt. So habe sich die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung von 750 im Jahr 2012 auf rund 1.500 im vergangenen Jahr verdoppelt. „Unsere gemeinsamen Bemühungen tragen langsam Früchte“, folgerte er. Um die Patienten gut zu versorgen, müssen Allgemeinmediziner gut ausgebildet sein, und das packen wir hier in Würzburg an“, schloss er.

 

Die Grüße der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) übermittelte Dr. Christian Pfeiffer, Bezirksvorsitzender Unterfranken des Bayerischen Hausärzteverbandes, der als hausärztlicher KV-Vorstandsbeauftragter für Unterfranken ein Grußwort an die Teilnehmer richtete. Auch aus Sicht der KVB sei der Lehrstuhl für Allgemeinmedizin „ganz wichtig“, da die KV für die Sicherstellung zuständig ist, was nur funktioniert, wenn auch genügend Ärzte da sind. Und der Lehrstuhl spiele eine entscheidende Rolle dabei, dass die Allgemeinmedizin von den Studierenden wahrgenommen werde.

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Das bestätigte Prof. Simmenroth, indem sie einen Überblick über die angebotenen Lehrveranstaltungen zur Allgemeinmedizin in Würzburg gab. Dazu gehören inzwischen zwei Wahlfächer, Seminare und Vorlesungen im 9. Semester und Blockpraktika, die „super Bewertungen“ von den Studierenden erhalten haben. Acht Lehrbeauftragte und 70 akademische Lehrpraxen unterstützen inzwischen die medizinische Ausbildung an der Universität Würzburg, wie Prof. Simmenroth berichtete.

Weitere Lehrpraxen werden gesucht. „Wer mitmachen will, bitte einfach bei uns melden“, forderte Prof. Simmenroth die anwesenden hausärztlichen Kolleginnen und Kollegen auf. Neben der Lehre ist die Forschung ein Schwerpunkt des allgemeinmedizinischen Instituts in Würzburg – und zwar mit dem Ziel, Ideen und Fragen aus der Versorgungspraxis aufzugreifen und die Forschungsergebnisse wieder in die Praxen zurückzuführen, wie Prof. Gágyor erläuterte. Dazu sucht das Institut für Allgemeinmedizin noch interessierte Praxen aus der Region, die als Forschungspraxis mitwirken wollen. Ein aktuelles Forschungsprojekt, auf das Prof. Gágyor einging, ist eine Kardio-Studie, die zum Ziel hat, einen diagnostischen Versorgungspfad für Patienten mit Brustschmerzen zu entwickeln. Als weiteres aktuelles Projekt, für das bereits einer Förderungszusage durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) vorliege, ist eine Studie zur Reduktion von Antibiotikaresistenzen durch die leitliniengerechte Behandlung von Patienten mit Harnwegsinfekten.

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Darüber hinaus soll in Bayern ein landesweites Netz aus Forschungspraxen aufgebaut werden, berichtete Prof. Gágyor. Dazu kooperieren die vier bayerischen Institute für Allgemeinmedizin in Würzburg, Erlangen und München (TU und LMU).

 

Die Key-Lecture im Anschluss hielt der Bremer Allgemeinmediziner Dr. Günther Egidi zum Thema Lipid-Therapie, bevor sich die Teilnehmer auf die verschiedenen Workshops verteilten.

 

Insgesamt nahmen knapp 150 Hausärztinnen und Hausärzte, Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung, MFA und Medizinstudierende am 1. Tag der Allgemeinmedizin in Würzburg teil – „ein riesen Erfolg für’s erste Mal, der für uns Maßstäbe setzt", freuen sich die beiden Institutsleiterinnen Prof. Simmenroth und Prof. Gágyor. "Für die künftigen Tage der Allgemeinmedizin möchten wir unser Programm ausweiten, damit für alle Berufsgruppen eine ausreichend breite Auswahl an Themen vorhanden ist“, kündigen sie an. „Und wir brauchen unbedingt einen Gong, damit wir signalisieren können, dass es mit dem Programm weitergeht, und das nicht nur am Tag der Allgemeinmedizin“, fügt Prof. Gágyor mit einem Augenzwinkern hinzu.