77. Bayerischer Ärztetag: Für Hausärzte wichtige Beschlüsse

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Vergangenes Wochenende (26. bis 28.10.2018) fand der 77. Bayerische Ärztetag in Nürnberg statt. Dr. Hans-Erich Singer, Bezirksvorsitzender Mittelfranken des Bayerischen Hausärzteverbandes, vertritt hausärztliche Interessen unter anderem auch als Delegierte der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) und stellvertretender Vorsitzender im BLÄK-Ausschuss Niedergelassene Ärzte. Er berichtet über Beschlüsse des Bayerischen Ärztetags, die aus seiner Sicht für seine hausärztlichen Kolleginnen und Kollegen besonders relevant sind.

 
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Der Beschluss des 77. Bayerischen Ärztetags, der wohl die größte Beachtung in den Medien fand, ist die Aufhebung des Verbots der ausschließlichen Fernbehandlung im vertretbaren Einzelfall (sieher dazu auch die Pressemitteilung der BLÄK). Für Dr. Hans-Erich Singer ein sinnvoller Schritt, auch wenn es Stimmen für eine Zurückstellung des entsprechenden Beschlusses gab, wie er berichtet. „Das heißt ja nicht, dass jetzt alle Videosprechstunden einführen. Aber es gibt Situationen, beispielsweise im Bereitschaftsdienst, in denen die Beratung per Telefon oder mittels eines anderen Kommunikationsmediums durchaus Sinn macht. Der Beschluss des Bayerischen Ärztetags schafft dafür nun einen rechtlichen Rahmen“, so Dr. Singer.

Für Hausärztinnen und Hausärzte in Bayern, die sich in der Weiterbildung des hausärztlichen Nachwuchses engagieren, sind die Beschlüsse zur Musterweiterbildungsordnung (MWO) interessant: „Die vom Deutschen Ärztetag vorgelegte MWO wird in Bayern zunächst in Teilen umgesetzt, sodass bestehende Weiterbildungsbefugnisse nicht tangiert sind“, erläutert Dr. Singer. "Die Beantragung einer Weiterbildungsbefugnis Allgemeinmedizin wird in Bayern künftig erleichtert: Die bislang verpflichtende Doppler-Sonographie entfällt“, berichtet Dr. Singer. „Weiterbildungsermächtigte Allgemeinmediziner, die keine Doppler-Sonographie vorhalten konnten, erhielten in der Vergangenheit nicht die volle Weiterbildungsbefugnis über 24 Monate, und auch für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung Allgemeinmedizin hat die Neuerung Vorteile“, erklärt er. Da wenige Hausarztpraxen die Doppler-Sonographie vorhalten, sei es schwierig gewesen, einen entsprechenden Weiterbildungsplatz zu erhalten. Das habe oft zu Verzögerungen der Weiterbildungszeit geführt. „Das war ein Flaschenhals in der Weiterbildung“, verbildlicht Dr. Singer die Situation.

Ihn freut auch, dass die Bayerische Weiterbildungsordnung nun einen Passus erhält, der festlegt, dass Hausärztinnen und Hausärzte für den medizinischen Erstkontakt der Patienten zuständig sind. „Eine Klarstellung, die den Stellenwert des Hausarztes verdeutlicht.“

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Auch mit dem so genannten Physician Assistant befasste sich der 77. Bayerische Ärztetag. Nachdem die Ausbildung schon an verschiedenen Orten in Deutschland angeboten wird, fordert der Bayerische Ärztetag zumindest ein definiertes Curriculum, um einen einheitlichen Ausbildungsstandard zu erreichen. „Der Physician Assistant soll vor allen in Kliniken zum Einsatz kommen, beispielsweise bei der Blutabnahme oder dem Erstellen von Entlassungsbriefen. Ganz klar definiert sind seine Aufgaben aber nicht. Da müssen wir aufpassen, dass nicht originär ärztliche Aufgaben mit der Zeit an diesen noch neuen Beruf übergehen“, warnt Dr. Singer. „Das würde die Qualität der medizinischen Versorgung gefährden.“

Auch das Thema Nachwuchs stand auf dem Programm des 77. Bayerischen Ärztetags. Bei einer gemeinsamen Sitzung des BLÄK-Ausschusses Niedergelassene Ärzte und des BLÄK-Ausschusses für Hochschulfragen, dessen stellvertretende Vorsitzende, die Hausärztin Dr. Ute Schaaf, treibende Kraft für die gemeinsame Tagung war, wurde gefordert, nach Etablierung der neuen medizinischen Fakultät in Augsburg eine weitere medizinische Fakultät an der Universität Passau mit einer Zweigstelle in Bayreuth einzurichten. Bundesweit, so ein weiterer Beschluss des Bayerischen Ärztetags, müsse die Zahl der Medizinstudienplätze auf 17.000 erhöht werden – dem Stand vor der Wiedervereinigung.

Auch über die Zulassungsvoraussetzungen zum Medizinstudium diskutierten der Ausschuss Niedergelassene Ärzte und der Ausschuss für Hochschulfragen in der gemeinsamen Sitzung. „Wir waren uns einig, dass wir von der starken Gewichtung der Abiturnote wegkommen müssen“, reflektiert Dr. Singer. „Weitere Faktoren könnten der Medizinertest, berufliche Vorerfahrung, soziales Engagement und ein gewichtetes Losverfahren sein. Diese sollten kumulativ in die Auswahl der Studienplatzbewerber einfließen.“

Mit der Thematik EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) befasste sich der Ausschuss Niedergelasse Ärzte gesondert und kam zu dem Schluss, dass angesichts verschiedener Vorschriften zum Datenschutz in unterschiedlichen Regelwerken eine gut verständliche Zusammenfassung nötig ist, um Praxen mehr Sicherheit im Umgang mit der DSGVO zu geben. „Außerdem sollen die Ärztliche Kreis- und Bezirksverbände in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Datenschutz den Niedergelassenen Fortbildungen zum Thema DSGVO anbieten“, gibt Dr. Singer eine weitere Forderung des Ausschusses wieder.