Generationswechsel im Vorstand des Bayerischen Hausärzteverbandes

Veröffentlicht am .

 
Dr. BergerZum Vergrößern bitte klicken.

Über den missglückten Ausstieg 2010 sagte Dr. Berger rückblickend, er habe immerhin die Probleme der Hausärzte ins Blickfeld gerückt. Ähnlich sieht das auch Dr. Geis, der in seiner Abschiedsrede als Verbandsvorsitzender ebenfalls auf die Situation Ende 2010 und die darauffolgende Zeit einging. Das Scheitern 2010 beschrieb er als „schmerzhaft“, stellte aber klar: „Das Motiv, das dazu geführt hat, war berechtigt, nur der Weg hat sich als falsch entpuppt.“

Mit der Wahl von Dr. Dieter Geis zum neuen Vorsitzenden des Bayerischen Hausärzteverbandes Anfang 2011 setzte dann die Kehrtwende ein. „Mit Dr. Geis haben wir einen vernünftigen, ausgleichenden, aber für den Verband kämpfenden Vorsitzenden bekommen“, fuhr Dr. Berger fort. Er sei von vielen unterschätzt worden, habe aber den Verband nach dem großen Einbruch wieder auf einen guten Weg gebracht. 

2018 11 26 Dr. Geis Rede DVZum Vergrößern bitte klicken.

Unterstützung hatte er dabei von seinen Vorstandskollegen, unter ihnen Dr. Berger, wie Dr. Geis betonte. Dr. Berger nutzte seine langjährige CSU-Zugehörigkeit, um Kontakte zu Gesundheitspolitikern – auch anderer Parteien - zu knüpfen. Beim bloßen Kontakteknüpfen blieb es dabei nicht. „Jakob ist bei den Politikern als Politik-Terrier bekannt, wo er einmal zugebissen hat, lässt er nicht mehr los“, beschrieb Dr. Geis seinen Vorstandskollegen und Wegbegleiter mit einem Augenzwinkern. Einig waren sich Dr. Geis und Dr. Berger, dass die Zusammenarbeit im geschäftsführenden Vorstand vorbildlich gewesen sei: „Nie gab es Neid oder Missgunst, sondern Vertrauen, das wünsche ich dem neuen Vorstand auch“, drückte es Dr. Berger aus.

Den politischen Stil von Dr. Geis, der so ganz anders ist als der seines Amtsvorgängers Dr. Wolfgang Hoppenthaller, lobte auch Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) in seiner Botschaft, die sein Stellvertreter als Bezirksvorsitzender Niederbayern im Bayerischen Hausärzteverband, Dr. Stefan Putz, überbrachte. „Mit Beharrlichkeit und Durchsetzungsvermögen hast du es geschafft, dass die HzV-Verträge gut weiterlaufen. Du hast dem Verband ein neues Gesicht gegeben, seine Reputation wieder hergestellt. Du hast Anteil daran, dass wir heute Lehrstühle für Allgemeinmedizin an fast allen Medizinischen Universitäten haben. Deine Strategie war die Richtige“, heißt es unter anderem darin. „Der Verband ist wieder gut aufgestellt, dafür gebührt dir unser Dank. Du kannst dich jetzt zurücklehnen und deine Zeit neu befüllen“, schloss der BLÄK-Präsident seine Botschaft.

Anerkennende Worte fand auch Dr. Wolfgang Krombholz, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, der nach dem Rücktritt von Dr. Wolfgang Hoppenthaller Ende 2010 bis zur Wahl von Dr. Geis den Bayerischen Hausärzteverband als Interim-Vorsitzender führte. „Dr. Dieter Geis hat mir seine hundertprozentige Unterstützung zugesichert und immer Wort gehalten. So konnten wir aktuell die Bereitschaftsdienstreform umsetzen, die zu einer deutlichen Dienst-Entlastung für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte führt.“

2018 11 26 Dr. Beier gratuliert Ehrenvorsitzenden Dr. Geis kZum Vergrößern bitte klicken.

Auch Dr. Markus Beier, zuletzt 1. Stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes und Amtsnachfolger von Dr. Geis, betonte in seiner Rede zur Kandidatur die Verdienste seines Amtsvorgängers. „Kein Aufwand und kein Konflikt war Dr. Geis zu viel, um die HzV weiterzubringen“, sagte er rückblickend. Er rechnete Dr. Geis hoch an, dass er Teamarbeit im Vorstand zugelassen und gefördert habe – das sei auch für den Erfolg der HzV wichtig gewesen.

„Ich brenne für den Verband“, begründete er seine Kandidatur um den Vorsitz und beschrieb seine künftige Strategie in Anlehnung an die neue Fernsehtechnik als „4K-Modell“: er werde wie schon bisher einen kommunikativen Stil nach innen und außen weiterhin pflegen, sich um die Probleme und Anliegen der Verbandsmitglieder kümmern, konstruktiv arbeiten – „wir kommen nicht weiter, wenn wir nicht selbst konstruktive Vorschläge zu Themen wie Telemedizin oder Telematikinfrastruktur anbieten“ - , aber auch klare Kante zeigen und kämpfen, beispielsweise, wenn es um den Erhalt des freiberuflichen ärztlichen Arbeiten gehe, ob angestellt oder selbstständig. „Der Abwehrkampf hat hier erst begonnen“, sagte er mit Blick auf Kapitalgesellschaften, die zunehmend die ambulante Versorgung als Geschäftsmodell entdecken.

2018 11 26 Geschäftsführender Vorstand kZum Vergrößern bitte klicken.

Mit großer Mehrheit wählten die Delegierten Dr. Beier zum neuen Vorsitzenden. Sein 1. Stellvertreter wurde Dr. Jürgen Büttner, der bislang als Schatzmeister im geschäftsführenden Vorstand fungierte. Die bisherige Schriftführerin im geschäftsführenden Vorstand, Dr. Petra Reis-Berkowicz, wurde zur 2. Stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Neuer Schatzmeister ist Dr. Wolfgang Ritter aus München, und als Schriftführerin rückt Dr. Beate Reinhardt aus Effeltrich /Oberfranken nach. Dr. Ernst Engelmayr wurde erneut als Fortbildungsbeauftragter in den geschäftsführenden Vorstand kooptiert. Der Landesvorstand wählte Dr. Dieter Geis in Anerkennung seiner Verdienste einstimmig zum Ehrenvorsitzenden.