Dr. Markus Beier: „Wir Hausärzte dürfen nicht zu Befehlsempfängern von Controllern werden.“

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2016 Dr. BeierZum Vergrößern bitte klicken.
Herr Dr. Beier, was waren die wichtigsten Themenfelder?

Dr. Markus Beier: Die Sicherung der Freiberuflichkeit, die Weiterentwicklung der HzV und die Gewinnung hausärztlichen Nachwuchses stehen bei uns ganz oben auf der Agenda. Außerdem wollen wir durch zahlreiche Veranstaltungen in den Bezirken ab Mitte des Jahres den Kontakt zu unseren Mitgliedern intensivieren.

Wo sehen Sie die Freiberuflichkeit in Gefahr?

Dr. Markus Beier: Wir sehen mit Sorge, dass Kapitalgesellschaften und private Gesundheitsunternehmen gezielt Arztsitze aufkaufen, eigene MVZs gründen und festangestellte Ärztinnen und Ärzte dort nach ihren Vorgaben arbeiten lassen. Diese Kommerzialisierung der medizinischen Versorgung ist eine Gefahr für die Patienten, aber auch für uns Ärztinnen und Ärzte. Wir Hausärzte dürfen nicht zu Befehlsempfängern von Controllern werden.

Gerade unter jungen Ärztinnen und Ärzte ist die Festanstellung eine Alternative zur Freiberuflichkeit.

Dr. Markus Beier: Der Goldstandard der hausärztlichen Versorgung ist die Freiberuflichkeit, weil wir Hausärztinnen und Hausärzte frei von externen Kapitalinteressen nur das Wohl unserer Patientinnen und Patienten im Fokus haben. Zudem lassen sich in einer eigenen Praxis die Rahmenbedingungen für die eigene Tätigkeit frei gestalten. Gerade auch für jungen Eltern bietet eine eigene Praxis viele Chancen, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Ohne Frage sind MVZs eine gute Alternative für junge Mediziner, die festangestellt oder in Teilzeit in den Beruf starten wollen, aber diese MVZs müssen unter ärztlicher Kontrolle betrieben werden.

Wie wollen Sie erreichen, dass MVZs immer unter ärztlicher Kontrolle bleiben?

Dr. Markus Beier: Vorstellbar sind mehrere Wege. So könnte man die Größe von MVZs beschränken und Ärzte, die derzeit von Kapitalunternehmen als Strohmänner eingesetzt werden, mit in die Haftung nehmen. Außerdem muss man gesetzlich regeln, dass Gesundheitsunternehmen nicht eigene MVZ gründen, deren einzige Aufgabe es ist, Patienten ins Krankenhaus zu überweisen. Solche Zuweiser-Praxen missbrauchen aus reiner Profitgier unser Gesundheitssystem und gefährden das Wohl unserer Patientinnen und Patienten. Wir können uns aber vorstellen, dass Ärzte gemeinsam mit Kommunen ein MVZ betreiben, um so die medizinische Versorgung vor Ort nachhaltig zu sichern.

In welche Richtung soll die Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) weiterentwickelt werden?

Dr. Markus Beier: Die HzV ist ein Erfolgsmodell - sowohl für die Patienten als auch für die Krankenkassen und für uns Hausärzte. Mit Blick auf den demografischen Wandel müssen wir die HzV weiter vorantreiben und zu einem freiwilligen Primärarztsystem mit Bonus-Regelung weiterentwickeln, wenn unser Gesundheitssystem nicht kollabieren soll. Versicherte, die sich in die HzV einschreiben und sich damit an einen Hausarzt binden, erhalten nicht nur eine bessere medizinische Versorgung, sondern entlasten auch die Krankenkassen, weil viele teure Doppel- und Falschuntersuchungen wegfallen. Aus diesem Grund sollten HzV-Versicherte auch einen Bonus erhalten.

Jeder dritte Hausarzt ist über 60 Jahre alt und jede Woche schließt in Bayern eine Hausarztpraxis für immer, weil sich kein Nachwuchs findet.

Dr. Markus Beier: Die Gewinnung hausärztlichen Nachwuchses beschäftigt uns seit vielen Jahren, und wir haben auch schon erste Erfolge zu verzeichnen. So nimmt die Anzahl der Facharztprüfungen im Bereich Allgemeinmedizin in den letzten Jahren stetig zu. Trotzdem: Wir müssen weiter um jede Hausärztin und um jeden Hausarzt kämpfen. Wir machen dies auf vielfältige Weise. Wir fordern, dass der Numerus Clausus nicht allein über den Zugang zum Medizinstudium entscheiden darf, wir engagieren uns dafür, dass die Studierenden frühzeitig mit der Allgemeinmedizin in Kontakt kommen und alle Universitäten Lehrstühle für Allgemeinmedizin einrichten, wir fördern Famulaturen und PJs in Hausarztpraxen und wir haben die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin neu strukturiert. Bis diese Maßnahmen aber in der Versorgung ankommen, braucht es allerdings Jahre.

Der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, Dr. Gerald Quitterer, kandidiert im Mai auf dem 122. Deutschen Ärztetag in Münster für das Amt des Präsidenten der Bundesärztekammer.

Dr. Markus Beier: Es freut uns sehr, wenn Hausärzte Verantwortung übernehmen. Dr. Quitterer verfügt über mehr als 30 Jahre berufspolitische Erfahrung im Deutschen und Bayerischen Hausärzteverband, in der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns sowie in der Bayerischen Landesärztekammer. Wir unterstützen deshalb selbstverständlich die Kandidatur unseres Kollegen Dr. Quitterer aus vollem Herzen. Dr. Quitterer hat gezeigt, dass er als Präsident der Bayerischen Landesärztekammer nicht nur die Interessen von uns Hausärzten vertritt, sondern generell für alle Ärztinnen und Ärzte sehr engagiert und äußerst fachkundig kämpft. Ich bin mir deshalb sicher, dass Dr. Quitterer große Unterstützung bekommt. Dr. Quitterer ist eine gute Wahl.