Kommunikationsexpertin Undine Wöhrl: " Sei nicht nett – sei echt!"

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Undine WöhrlZum Vergrößern bitte klicken.

„Die MFA steht häufig unter erheblichem Zeitdruck“: Undine Wöhrl weiß, wie herausfordernd die alltägliche Arbeit in einer Hausarztpraxis sein kann. Im Umgang mit Patienten und Kollegen scheitert es oft an der richtigen Kommunikation. Die gelernte Krankenschwester und Psycholinguistin arbeitet seit 2004 als selbständige Trainerin für soziale Kompetenz und emotionales Beziehungsmanagement im Umfeld der Hausarztpraxis. Seit 10 Jahren engagiert sie sich außerdem als Referentin für die Fortbildungen des Bayerischen Hausärzteverbandes. In ihrem neuen Praxisseminar „Schwierige Alltagssituationen meistern“, das sich explizit an MFA richtet, deckt Undine Wöhrl Kommunikationsfehler auf und zeigt, wie gelungene Kommunikation aussehen kann.Wie wichtig richtig kommunizieren im Praxisalltag ist, verdeutlicht die Kommunikations-Expertin im Interview.

Wir alle kommunizieren im Alltag – heißt das, wir alle können es?

Undine Wöhrl: Diejenigen von uns die einen sozialen und sprechenden Beruf gewählt haben, bringen bestimmt besonderes kommunikatives Talent mit. Sonst würden wir unsern Alltag ja gar nicht schaffen .Dennoch kennen wir wohl alle Situationen in denen die Wechsel- und Nebenwirkungen von „Wortgefechten“ eine ungesunde Atmosphäre erzeugen oder zumindest einen faden Nachgeschmack hinterlassen. Das hat oft mit fehlender Bewusstheit und eingefahrener Gewohnheit zu tun. Das heißt wir alle können zwar kommunizieren es gibt aber für jeden von uns Gelegenheiten noch etwas dazu zu lernen.

Blick in die Arztpraxis: Was läuft aus Ihrer Erfahrung oft nicht so optimal beim Gespräch zwischen Praxispersonal und Patient?

Undine Wöhrl: Die MFA steht häufig unter erheblichem Zeitdruck und ist gefordert den Ansprüchen im Praxisbetrieb und den verschiedenen Personen zwischen denen sie eine besondere Vermittlerrolle einnimmt gerecht zu werden. Das kann an die Substanz gehen. Patienten kommunizieren in der Regel aus ihrem Leidensdruck heraus. Sie kommen ja nicht zum Vergnügen in die Arztpraxis. Und dann wird diese oft zum Ort wo alles abgeladen wird. Da ist es wirklich eine Kunst Aussagen nicht persönlich zu nehmen und doch empathisch zu sein.

Welche „Kommunikationsfehler“ sorgen für Unfrieden im Team, und wie sind sie zu vermeiden?

Undine Wöhrl: Mut zur Klarheit heißt hier die Zauberformel. Das heißt für mich nach innen hören und mich selbst fragen, was ich brauche. Und dann nach außen aufrichtig dafür einstehen. Ohne Vorwurf, Schuldzuweisung oder irgendwelche Interpretationen. Kleine Schritte wirken da Wunder. Z.B. Mal eine konkrete Bitte stellen, statt zu erwarten, dass der Andere meine Wünsche errät.

Was macht generell eine gelungene Kommunikation aus, gibt es da Spielregeln?

Undine Wöhrl: Hauptsächlich ist es eine Frage der Haltung - der inneren Einstellung. Aber auch technisch sind einige Aspekte wirkungsvoll zu differenzieren. Z.B. Beobachtung zu äußern statt unabsichtlich Unterstellungen zu treffen. Wir merken das ja oft gar nicht. Doch nur wer weiß was er tut kann tun was er will. Zusammenfassend könnte man einem Buchtitel folgend empfehlen: Sei nicht nett – sei echt!

Zur Person: Undine Wöhrl engagiert sich als Referentin seit zehn Jahren für die VERAH im Modul Case Management. Nach mehrjähriger Tätigkeit in unterschiedlichen medizinischen Einrichtungen studierte die gelernte Krankenschwester Psycholinguistik und folgt damit ihrem Interesse für den zwischenmenschlichen Verständigungsprozess. Seit 2004 arbeitet sie als selbständige Trainerin für soziale Kompetenz und emotionales Beziehungsmanagement im Umfeld der Hausarztpraxis und ist auch als Referentin für den Bayerischen Hausärzteverband tätig. Ihr aktuelles Praxisseminar: „Schwierige Alltagssituationen meistern. Gesunde Kommunikation – achtsam, empathisch und klar im Dialog“. Infos und Termine finden Sie hier.