Wissen über Reisemedizin auffrischen: "Für jede Hausärztin und jeden Hausarzt sinnvoll"

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Ab in den Urlaub! Ab ins Risiko! Zwei von drei Bundesbürgern zieht es mindestens einmal im Jahr ins Ausland. Neben den europäischen Haupt-Destinationen Österreich, Italien, Spanien, Kroatien und Griechenland werden auch Fernreiseziele in Asien, Afrika, Australien sowie Süd- und Mittelamerika immer beliebter. „Damit wächst auch das Risiko für die Touristen, mit Malaria, Cholera oder einer anderen Tropenerkrankung heimzukommen. Um die Patienten entsprechend zu schützen bzw. zu behandeln, ist es gerade jetzt vor Beginn der Hauptreisezeit für jede Hausärztin und für jeden Hausarzt sinnvoll, das Wissen über die Reisemedizin aufzufrischen“, erklärt Prof. Dr. Jörg Schelling.

Auf dem 2. Tag der Allgemeinmedizin, der am 6. Juli in Augsburg stattfindet, ist der Facharzt für Allgemeinmedizin und ehemalige Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der LMU München einer der Referenten und wird über Reisemedizin und über die sinnvolle Diagnostik bei Reiserückkehrern sprechen.

Prof. Schelling beschäftigt sich seit 2006 mit dem Thema, ist Wissenschaftlicher Beirat der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin und Vorstandsmitglied der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen, Inhaber des Fachzertifikats Reisemedizin und besitzt die Genehmigung zur Gelbfieberimpfung.

„Wichtig ist es, die Kollegen für das Thema zu sensibilisieren und darüber aufzuklären, in welchen Ländern welche Gefahren drohen und welche neuen Medikamente mittlerweile verwendet werden“, so Prof. Schelling. Hinzu kommt, dass vermeintliche Kinderkrankheiten wieder im Anmarsch sind. „Zum Beispiel hat sich im Vergleich zu 2016 die Anzahl der Maserninfektionen in Europa auf über 21.000 Fälle vervierfacht. Mit über 5000 Fällen ist übrigens Italien ein Brennpunkt. Es ist deshalb wichtig, vor dem Urlaub auch den Impfschutz aller Familienmitglieder zu überprüfen.“

Dabei sind nicht nur Masern im Fokus. In Australien gibt es einen starken Anstieg von Meningokokken-Erkrankungen, in Südafrika grassiert die Cholera, in Asien sollte man bei Übernachtungen in ländlichen Gebieten gegen die Japanische Enzephalitis geimpft sein, und in Südamerika starben 19 Touristen an Gelbfieber, darunter drei Deutsche, weil sie keinen entsprechenden Schutz hatten.

Weltweit verbreitet ist die Malaria, die möglicherweise auch Hausärzte im heimischen Deutschland zu sehen bekommen. Allerdings: Für die richtige Diagnose ist Erfahrung notwendig. „Experten erkennen in einem Mikroliter Blut bereits bei 50 Parasiten das Vorhandensein einer Malaria“, so Prof. Schelling. Unerfahrene Mikroskopisten würden dagegen für den Nachweis 500 Parasiten benötigen, was eine Therapie entsprechend verzögere.

Prof. Schelling: „In dem Update zur Reisemedizin sprechen wir auch über Hepatitis A und B, Typhus und Tollwut. Eine Herausforderung in der Allgemeinarztpraxis ist zudem Herpes Zoster (Gürtelrose). Hier muss die zweite Impfung frühestens zwei, aber spätestens sechs Monate nach der ersten stattfinden. Es gilt also, die Patienten entsprechend zu betreuen und in die Praxis einzubestellen.“

Und für alle impfmüden Patienten hat Prof. Schelling eine angelsächsische Weisheit parat: “If you don’t like the vaccine – try the disease.”

Hier gehts zur Anmeldung: Reisemedizin für die Hausarztpraxis; Untersuchung von Reiserückkehrern (auch für MFA geeignet)