2. Augsburger Tag der Allgemeinmedizin: Interaktive Fortbildungen zu Themen, die für die tägliche Arbeit in den Praxen wirklich relevant sind

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Im März 2018 fand in Augsburg der erste Tag der Allgemeinmedizin statt und war mit seinen meist ausgebuchten Fortbildungen ein voller Erfolg. Nun steht am Samstag, 6. Juli 2019, der zweite Augsburger Tag der Allgemeinmedizin vor der Tür. Initiator Dr. Manfred Lohnstein erklärt im Interview, was den 2. Augsburger Tag der Allgemeinmedizin gerade für Nachwuchs-Hausärzte zu einem wichtigen Event macht und warum auch erfahrene Hausärztinnen und Hausärzte sich die Teilnahme nicht entgehen lassen sollten.

Herr Dr. Lohnstein, Sie waren 2018 Ideengeber für den 1. Tag der Allgemeinmedizin in Augsburg. Warum dieses Fortbildungsformat?

2018 03 17 TdA Augsburg LohnsteinZum Vergrößern bitte klicken.

Dr. Lohnstein: Ein Tag der Allgemeinmedizin bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, aus einem Fortbildungsangebot die Themen auszuwählen, die ihnen gerade besonders wichtig sind, und diese interaktiv, das heißt in der Diskussion mit den Referenten und Kollegen zu vertiefen. Damit das funktionieren kann, sind die Teilnehmerzahlen der einzelnen Fortbildungsveranstaltungen begrenzt. Ein wichtiger Aspekt ist die Vernetzung der Hausärztinnen und Hausärzte untereinander. Eine ganztägige Veranstaltung mit Kaffeepausen und dem gemeinsamen Mittagessen bietet dafür einen guten Rahmen. Und natürlich sind die Fortbildungen pharmaunabhängig, wir konnten uns bei der Themenauswahl also auf Fragestellungen konzentrieren, die für die tägliche Arbeit in den Praxen wirklich relevant sind.

Ihr Vorbereitungskurs auf die Facharztprüfung Allgemeinmedizin gehört auch am 2. Augsburger Tag der Allgemeinmedizin wieder zum Programm. Was erwartet die Teilnehmer?

Dr. Lohnstein: Zunächst einmal wird der Prüfungsablauf vorgestellt und es gibt allgemeine Tipps, beispielsweise zu Stolpersteinen bei der Prüfung oder was man tun kann, wenn man bei einer Frage gerade auf dem Schlauch steht. Dann erwartet die Teilnehmer ein Überblick über die häufigsten Prüfungsthemen auf der Grundlage von mehr als 400 Prüfungsprotokollen. Auch Gründe für nicht bestandene Prüfungen werden analysiert.
Etwa die Hälfte der Zeit des dreistündigen Kurses ist einer Prüfungssimulation gewidmet. Man muss sich das so vorstellen wie eine Fahrt auf dem Übungsplatz: Ein Teilnehmer beziehungsweise eine Teilnehmerin stellt sich den Prüfungsfragen, und die anderen Kursteilnehmer und auch ich als Referent geben ihm oder ihr dann Feedback. Die Tatsache, dass die anderen Kursteilnehmer zuschauen, sorgt bei den Test-Prüflingen zwar immer für ein gewisses Stresslevel, aber das macht die Prüfungssituation nur authentischer. Denn wenn’s um was geht, ist jeder auch ein bisschen aufgeregt.

Profitieren auch Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung von einer Teilnahme, die noch nicht unmittelbar vor der Facharztprüfung stehen?

Dr. Lohnstein: Ich denke, optimal ist eine Kursteilnahme im letzten Jahr der Weiterbildung. Da hat man sich schon Wissen erarbeitet und kann den Kurs nutzen, um mit Blick auf die Facharztprüfung Lücken zu erkennen und zu füllen. Aber auch eine frühere Teilnahme macht Sinn, um sich im Vorfeld einen Überblick zu verschaffen, welche Kenntnisse man sich in der Weiterbildung aneignen muss. Auf diese Weise lässt sich die Weiterbildungszeit besser planen. Nicht wenige Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung Allgemeinmedizin stellen im letzten Jahr fest, dass ihnen beispielsweise noch EKGs fehlen oder die Kenntnisse in der Geriatrie noch nicht ausreichen. Man kann natürlich auch zweimal teilnehmen - einmal für den Überblick und dann nochmal zur gezielten Prüfungsvorbereitung.

Welche weiteren Fortbildungen am 2. Augsburger Tag der Allgemeinmedizin würden Sie besonders Kolleginnen und Kollegen ans Herz legen, die noch in der Weiterbildung sind?

Dr. Lohnstein: Das wäre vor allem der Kurs „Strukturelle Herzerkrankungen – “Keine Angst vorm EKG“ am Nachmittag, er lässt sich also gut mit dem Prüfungsvorbereitungskurs am Vormittag kombinieren.
Herzerkrankungen sind ein wichtiges Thema bei der Facharztprüfung Allgemeinmedizin, da sollte man auf jeden Fall fit sein. Der Referent Dr. Ralf Ostermaier ist hier in Augsburg niedergelassen und kann auch aus seiner Praxis berichten, der Schwerpunkt wird also nicht auf seltenen Spezialfällen liegen, sondern auf Erkrankungen aus der täglichen Praxis wie Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern oder Herzrhytmusstörungen.

Lohnt sich auch für erfahrene Hausärztinnen und Hausärzte der Weg zumn 2. Augsburger Tag der Allgemeinmedizin?

Dr. Lohnstein: Auf jeden Fall. Alle Kurse beschäftigen sich, wie eingangs erwähnt, mit Fragestellungen aus dem hausärztlichen Praxisalltag, und da lernt man bekanntlich nie aus. Mich persönlich interessiert zum Beispiel besonders der Kurs „Reisemedizin für die Hausarztpraxis; Untersuchung von Reiserückkehrern“ mit Prof. Jörg Schelling, und hier vor allem der Umgang mit erkrankten Reiserückkehrern. Wenn nach Fernreisen Beschwerden auftreten, können Erkrankungen dahinterstecken, mit denen man im Praxisalltag nicht so oft konfrontiert ist, das kann schon für Verunsicherung sorgen. Da sind Tipps vom Experten, worauf zu achten ist, sehr nützlich.

Augenerkrankungen sind ein weiteres wichtiges Thema in der Hausarztpraxis und werfen oft Fragen auf, auf das Augenärztin Dr. Waltraud Maria Ahr im Kurs „Das rote Auge in der Allgemeinarztpraxis – Die häufigsten Augenoperationen: Indikation, Ablauf, perioperative Medikamentengabe“ eingehen wird. Es wird darum gehen, harmlose Ursachen für eine Augenrötung von gefährlichen abzugrenzen. Da in Hausarztpraxen viele ältere Menschen betreut werden, die oft mehrere Erkrankungen haben und dauerhaft Medikamente einnehmen, stellt sich beispielsweise die Frage, welche davon vor einer anstehenden Augenoperation abgesetzt werden müssen. Auch da wird Dr. Ahr sicher Antworten liefern.

Die Hausarztpraxis ist auch bei Gelenkserkrankungen in der Regel erste Anlaufstelle. Der Kurs „Orthopädie in der Hausarztpraxis – Rund um Schulter und Knie“ mit unserem Experten Dr. Jochen Maurer bietet Teilnehmern am 2. Augsburger Tag der Allgemeinmedizin die Möglichkeit, sich in diesem Bereich auf den neuesten Stand zu bringen. Wichtig wird hier zum Beispiel sein, wann bildgebende Verfahren bei Beschwerden angezeigt sind.

Tabuthemen anzusprechen ist selbst für erfahrene Hausärztinnen und Hausärzte immer wieder eine Herausforderung. Deshalb haben auch den Kommunikations-Workshop "Let's talk about sex" im Angebot, der dazu Hilfestellung gibt.

Ich denke also, es ist für jeden was dabei, und ich kann meinen Kolleginnen und Kollegen gerade in Augsburg und Umgebung nur empfehlen, die Chance auf einen interessanten Fortbildungstag mit kurzer Anfahrt zu nutzen und auch die Gelegenheit wahrzunehmen, den einen oder anderen Mediziner, von dem man schon gehört hat, persönlich kennenzulernen.

Sie wollen am 2. Augsburger Tag der Allgemeinmedizin am 6. Juli 2019 in Augsburg dabei sein? Hier gelangen Sie zum Programm und dem Anmeldeformular. Sie können sich auch online über das Arztportal anmelden - dazu hier klicken.