Lehrstuhl für Allgemeinmedizin in Augsburg wird konkret

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Zum zweiten Mal fand vergangenes Wochenende (06.07.2019) in Augsburg ein Tag der Allgemeinmedizin statt. Wie schon im Vorjahr wurde der hausärztliche Fortbildungstag durch die enge Zusammenarbeit des Bayerischen Hausärzteverbandes mit der Praxis Hausärzte am Vincentinum ermöglicht, und wie schon 2018 (siehe hier) lag erneut ein Schwerpunkt auf der Nachwuchsförderung. Nicht überraschend also, dass ein Großteil der Teilnehmer Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung Allgemeinmedizin waren.

Dr. Berger warnt vor Substitution

Dr. Jakob Berger hieß alle Teilnehmer willkommen und appellierte an die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung, auf ihrem Weg zu bleiben. „Wenn wir die Versorgung künftig nicht sicherstellen können, droht die Substitution“, warnte er mit Blick auf das noch vergleichsweise junge Berufsbild des Physician Assistant. „Der Physician Assistant darf uns Ärzte nicht ersetzen, dafür müssen wir gemeinsam kämpfen“, so Dr. Berger.

Sein wohl stärkstes Argument: „Ich arbeite weiter in meiner Praxis, einfach weil es so viel Spaß macht, Hausarzt zu sein.“ Die angehenden Allgemeinmediziner sollten ihre Chancen nutzen, riet er: „Sie werden von allen Seiten gefördert, die Gemeinden empfangen Sie mit offenen Armen, und gerade für Frauen ist der Hausarztberuf ideal, weil er gut vereinbar mit einer Familie ist“, erklärte Dr. Berger.

Lehrstuhl für Allgemeinmedizin zum Wintersemester 2020/2021?

Gute Nachrichten brachte Prof. Martina Kadmon mit, Gründungsdekanin der Medizinischen Fakultät an der Universität Augsburg. Bislang läuft der Aufbau der Medizinischen Fakultät nach Plan. Zehn Lehrstühle seien bereits besetzt, weitere fünf bis sieben Berufungen sollen dieses Jahr noch folgen. Im Herbst dann werden noch einmal fünf Professuren ausgeschrieben, darunter auch für Allgemeinmedizin. Prof. Kadmon geht von zügigen Berufungsverfahren aus: So konnte beispielsweise der Lehrstuhl für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin innerhalb eines Jahres nach der Ausschreibung mit Prof. Dr. Axel R. Heller besetzt werden.

Wie am ersten Tag der Allgemeinmedizin in Augsburg 2018 angekündigt, werden zum kommenden Wintersemester die ersten 84 Medizinstudierenden in Augsburg aufgenommen. Offizieller Vorlesungsbeginn ist der 14. Oktober, und auch wenn es noch keine Fachschaft Medizin gibt, müssen die Studienanfänger nicht auf eine „Erst-Woche“ verzichten: „Das werden andere Fachschaften an der Universität Augsburg übernehmen, kündigte Prof. Kadmon an. Die Gründungsdekanin sieht darin eher Vorteile: Schließlich sei es gerade als Mediziner nicht verkehrt, über den Tellerrand zu schauen.

Abiturnote, Medizinertest und die berufliche Qualifikation als Auswahlkriterien für Studienplatz

Zur Auswahl der ersten Augsburger Medizinstudierenden erklärte Prof. Kadmon, dass in diesem Jahr 20 Prozent der Plätze über die zentrale Studienplatzvergabe (Hochschulstart) nach Abiturbestnoten vergeben worden sei, weitere 20 Prozent ebenfalls zentral über Wartezeiten. 60 Prozent hat die Hochschule selbst ausgesucht, wobei die Abiturnote, der Medizinertest und die berufliche Qualifikation als Kriterien berücksichtigt worden seien. „Diese Mischung ist aus meiner Sicht die beste Lösung“, so Prof. Kadmon, sie sich ein solches Auswahlverfahren auch für die Neuregelung der Studienplatzvergabe im Medizinbereich wünscht, die bis Ende dieses Jahres stehen soll.

Nach der Begrüßung durch Dr. Manfred Lohnstein von der Praxis Hausärzte am Vincentinum, der den Tag der Allgemeinmedizin in Augsburg initiiert hat, starteten die Teilnehmer in ihre Fortbildungen. In den Pausen konnten sie sich an den Informationsständen des Bayerischen Hausärzteverbandes, der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) und der Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin Bayern (KoStA) zu verschiedenen Themen informieren. Bei der KoStA ging es naturgemäß um die Weiterbildung, und KoStA-Leiterin Dr. Dagmar Schneider legte den angehenden Hausärztinnen und Hausärzten insbesondere die Seminartage Weiterbildung Allgemeinmedizin (SemiWAM) ans Herz, die von der KoStA als Partner des Kompetenzzentrums Weiterbildung Allgemeinmedizin Bayern angeboten werden und thematisch an Beratungsanlässen in der Hausarztpraxis ausgerichtet sind. Bei Dieter Walter von der KVB gab es Infos unter anderem zur Niederlassung. Am Stand des Bayerischen Hausärzteverbandes erläuterte Dr. Ernst Engelmayr vom geschäftsführenden Vorstand, warum eine Mitgliedschaft in dem Berufsverband für Hausärzte so wichtig ist und riet zur Teilnahme an der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV).

An einem Strang ziehen für den Nachwuchs

Bei den Teilnehmern kam auch dieses Informationsangebot neben den Fortbildungsveranstaltungen gut an, konnte Dr. Schneider berichten: „Ein junger Kollege meinte, er habe das Dreiergespann aus Bayerischen Hausärzteverband, KoStA und KVB schon bei anderen Veranstaltungen gesehen und dass er es toll findet, wie wir alle am gleichen Strang ziehen und für den Nachwuchs da sind.“ Auch Initiator Dr. Lohnstein zieht im Nachgang eine positive Bilanz: „Es wurde Fachwissen aus der Praxis vermittelt und das in einer angenehmen Atmosphäre des Austauschs und des gegenseitigen Kennenlernens – damit haben wir unsere beiden wichtigsten Ziele wieder erreicht.“