Deutscher Hausärztetag: Delegierte verabschieden Forderungspaket aus Bayern

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Im Rahmen des 40. Deutschen Hausärztetags hat der Bayerische Hausärzteverband 12 Forderungen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen hausärztlicher Tätigkeit vorgelegt , die von der Delegiertenversammlung des Deutschen Hausärzteverbandes am vergangenen Donnerstag in Berlin einstimmig beschlossen wurden.

Dr. Markus Beier März 2016Zum Vergrößern bitte klicken.

„Angesichts der Gesetzesflut aus Berlin ist es dringend erforderlich, sich zu wesentlichen Themen noch mal konkret zu verständigen und eine eigene Agenda zu haben“, stellte Dr. Markus Beier, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, die Inhalte vor. So findet sich von der im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vereinbarten „Förderung der sprechenden Medizin“ nichts in den aktuellen Berliner Gesetzespaketen. Die erste Forderung beinhaltet daher die „umgehende auch honorartechnische Förderung der sprechenden Medizin in allen Bereichen (…) Dazu gehört auch die Förderung von „Shared decision making“. Eine weitere zentrale Forderung ist die Weiterentwicklung und nachhaltige Stärkung der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) als freiwilliges Primärarztsystem. „Die HZV ist das einzig sinnvolle Instrument der Patientensteuerung“, stelle Dr. Beier entschieden klar. Hervor hob Dr. Beier auch die Forderung nach einer „Impfberatungsziffer“ – und zwar ohne, dass diese Beratung gleich im Zusammenhang mit einer Impfung erfolgen muss. Dr. Beier: „Wenn die Politik die Impfbereitschaft in der Bevölkerung stärken will, dann könnte sie sich mit der Honorierung der Impfberatung in Hausarztpraxen hervortun“.

Eine weitere ungute Entwicklung in unserem Gesundheitssystem, die es unbedingt zu begrenzen gilt, ist das unkontrollierte Wachstum von Medizinischen Versorgungszentren: „Je größer die Versorgungseinheiten / das MVZ, desto größer ist die interne (wirtschaftliche) Fragilität, sowohl für die Kooperation an sich als auch für die entsprechende Versorgungsregion. Wo das Primat von Kapitalinteressen herrscht, fehlt es systembedingt an der nötigen ärztlichen Fürsorge“, heißt es deshalb in der Begründung der 7. Forderung. Zur Begrenzung könnte sich eine Zulassungsbegrenzung von MVZ nach der Zeit und nach der Menge der zu behandelnden Patienten richten. Aber die „Haftung und Pflichten dieser größeren Organisationseinheiten dürfen sich nicht von denen einer Einzelpraxis oder einer BAG unterscheiden“.

Auf große Zustimmung stieß die Forderung nach einem „Aktiven Handeln gegen Lieferengpässe bei Medikamenten und Impfstoffen und dem Aufbrechen von Entwicklungsverweigerung auf dem Gebiet neuer Antibiotika“. Die Weigerung fast aller großen Pharmafirmen, weiter in die Entwicklung neuer Antibiotika zu investieren, sei skandalös und müsse daher durch gesetzgeberisches Handeln sanktioniert werden. Lieferengpässe bei Medikamenten und Impfstoffen müsse vorgebeugt werden, wozu eine gesetzliche Regelung zur verpflichtenden Qualitätskontrolle bei der Einfuhr von Wirkstoffen und Fertigarzneimitteln erforderlich sei.

Die 12 Forderungen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen hausärztlicher Tätigkeit sowie alle weiteren Beschlüsse finden sie in der Beschlussübersicht der Delegiertenversammlung des Deutschen Hausärzteverbandes: https://www.hausaerzteverband.de/fileadmin/user_upload/bilder/Hausaerztetag_2019/Beschlussuebersicht_Hausaerztetag_09_2019.pdf

Bundesvorstandswahl: Ulrich Weigelt als Bundesvorsitzender im Amt bestätigt

Am folgenden Freitag stand die Wahl zum Bundesvorstand an. Dabei wurde der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, in seinem Amt bestätigt. Als erster stellvertretender Vorsitzender wurde Dr. Dieter Geis, langjähriger Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, ebenfalls im Amt bestätigt. Eine Übersicht der Wahlergebnisse finden Sie hier https://www.hausaerzteverband.de/fileadmin/user_upload/News_Dateien/2019/2019_09_27_PM_Wahl_Bundesvorstand_Hausaerzteverband.pdf
Weitere Eindrücke vom 40. Deutschen Hausärztetag sowie die Eröffnungsrede von Ulrich Weigeldt finden Sie auf der Homepage des Deutschen Hausärzteverbandes unter https://www.hausaerzteverband.de/presse-medien/pressemitteilungen/nachrichten-detailansicht/news/digitale-pressemappe-anlaesslich-des-40-deutschen-hausaerztetages-2627-september-2019-berlin.html