2. Tag der Allgemeinmedizin Uni Würzburg: Auf dem Weg zu einer neuen Tradition

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Bereits zum zweiten Mal luden die beiden Direktorinnen des Instituts für Allgemeinmedizin der Universität Würzburg, die Professorinnen Dr. Ildikó Gágyor und Dr. Anne Simmenroth, zu ihrem Tag der Allgemeinmedizin nach Würzburg ein. Rund 170 Teilnehmer – Hausärztinnen und Hausärzte, Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung Allgemeinmedizin und Medizinische Fachangestellte - nutzen die Chance auf interessante Fortbildungen und den Austausch untereinander. Eine Besonderheit, die Prof. Simmenroth bei der Begrüßung betonte. Es sei schön, dass der Tag der Allgemeinmedizin das ganze Praxisteam anspreche und nicht nur die Hausärztinnen und Hausärzte.

Dr. Dieter Geis, Hausarzt aus Würzburg und Ehrenvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, nannte in seinem Grußwort (das Redemanuskript finden Sie hier) den noch jungen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin in Würzburg, den sich Prof. Dr. Ildikó Gágyor und Prof. Dr. Anne Simmenroth seit Ende 2017 teilen, „ein Erfolgsmodell“. Er erinnerte an das Ziel, das Prof. Dr. Jürgen Deckert, Prodekan der Universität Würzburg, im Vorjahr ausgegeben hatte: Der 1. Tag der Allgemeinmedizin in Würzburg solle der „Beginn einer Tradition“ sein, hatte er sich gewünscht. „Sicher wäre es noch zu früh, von einer Tradition zu sprechen, aber wir befinden uns hier an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg auf dem richtigen Weg.“

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„Es wird gewiss eine Tradition“, versicherte Prof Simmenroth, „wir haben den 3. Tag der Allgemeinmedizin schon im Blick.“ Dass Dr. Geis auch mit seiner Einschätzung, „der Lehrstuhl für Allgemeinmedizin in Würzburg sei ein „Erfolgsmodell“ richtig lag, bestätigten die Grußworte der beiden Gastgeberinnen, die zeigten, was sich seit dem 1. Tag der Allgemeinmedizin 2018 alles getan hat.

So stehen der Universität Würzburg inzwischen sieben Allgemeinmediziner aus Würzburg und Umgebung als Lehrbeauftragte zur Verfügung, 82 Lehrpraxen in Würzburg und im Umkreis der Universitätsstadt bieten Studierenden Blockpraktika an und 13 Lehrpraxen stehen Studierenden im Praktischen Jahr zur Verfügung, um Erfahrung in der Hausarztpraxis zu sammeln. Allerdings werden noch mehr Lehrpraxen benötigt, zumal die Universität Würzburg voraussichtlich in die Ausweitung des Projekts BeLa – Beste Landpartie auf die Regionen Schweinfurt/Haßfurt, Lohr und Ochsenfurt eingebunden wird. „Die Förderung durch das Bayerische Gesundheitsministerium ist bereits mündlich zugesagt“, berichtete Prof. Simmenroth.

Erfolgreich angelaufen ist in Würzburg auch das Strukturierte Mentoring in der Weiterbildung Allgemeinmedizin, ein Pilotprojekt des Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin Bayern (KWAB), das neben Würzburg auch an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) in Erlangen 2019 gestartet ist. Eine Online-Plattform ermittelt dabei auf Grundlage verschiedener Kriterien, welche Mentoren mit welchen Mentees zusammenpassen könnten und macht entsprechende Vorschläge. „Derzeit haben wir 28 aktive Mentoren-Mentee-Paare“, so Prof. Simmenroth, „und natürlich freuen wir uns auch hier über Zulauf“. Unter https://mentoring.kompetenzzentrum-weiterbildung.de/startseite können Mentoren- beziehungsweise Mentee-Profile angelegt werden. Wer Mentor(in) werden möchte, kann sich in einer Präsenz- und neuerdings auch Online-Schulung auf diese Aufgabe vorbereiten.

Prof. Dr. Ildikó Gágyor gab in ihrem Grußwort ein Update zum Bereich Forschung an ihrem Institut. So ist die Beobachtungsphase der Kardio-Studie, für die beim 1. Tag der Allgemeinmedizin noch teilnehmende Praxen aus der Region Schweinfurt akquiriert wurden, inzwischen abgeschlossen, und derzeit wird ein diagnostischer Behandlungspfad entwickelt, der dann in einer Interventionsphase in den Praxen zum Einsatz kommen soll, um die Versorgung von Patienten mit Brustschmerz zu verbessern.

Ein weiteres Projekt, das das Institut für Allgemeinmedizin der Universität Würzburg koordinierend leitet und an dem interessierte Hausarztpraxen teilnehmen können, nennt sich RedAres und zielt auf die Reduktion von Antibiotikaresistenten durch eine leitliniengerechte Behandlung von Patienten mit unkomplizierten Harnwegsinfekten ab. Weitere Projektpartner sind das Robert-Koch-Institut und die Institute für Allgemeinmedizin an drei weiteren Standorten (Charité Berlin, Universität Jena, Universität Freiburg).

Weniger Antibiotika einsetzen ist auch das Ziel einer Metaanalyse, mit der sich das Institut für Allgemeinmedizin an der Universität Würzburg befasst. Dabei werden Arzneimittelstudien zusammengefasst, die sich mit nichtantibiotischen Behandlungsstrategien bei Frauen mit unkomplizierten Harnwegsinfekten in der Hausarztpraxis befasst haben. „Ziel ist, Hausärztinnen und Hausärzten sowie Patientinnen und Patienten eine Entscheidungshilfe an die Hand zu geben“, erläuterte Prof. Gágyor.

Als derzeit „größtes Projekt“ bezeichnete sie das Bayernweite Forschungspraxisnetz (BayFoNet), an dem die derzeit vier Lehrstühle für Allgemeinmedizin beteiligt sind und Hausarztpraxen suchen, die als Forschungspraxis mitwirken. „Unser Ziel sind nicht nur hochwertige Studien, sondern auch der Austausch“, so Prof. Gágyor. Auch Forschungsideen aus den Praxen sollen nach ihren Worten einbezogen werden und ein „Think-Tank“ entstehen mit Hausärztinnen und Hausärzten, MFA sowie Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung, die künftige Studien mitentwickeln und -gestalten. „Auch der Input von Patienten ist gewünscht“, erklärte Prof. Gágyor. „Damit wollen wir dem Elfenbeinturm-Dasein entgegenwirken.