Gesetzesflut: „Wir werden entschieden gegen solche Fehlentwicklungen kämpfen“

Veröffentlicht am . Veröffentlicht in Rundschreiben / Aktuelle Informationen

 
2019 07 23 Praxisbesuch Jürgen Mistol Dr. SemmlerZum Vergrößern bitte klicken.

„Gesetzesflut - was droht den Hausärzten noch aus Berlin?“ Die gemeinsame Informationsveranstaltung von Kassenärztlicher Vereinigung Bayerns und Bayerischer Hausärzteverband machte am Montag Station in Nürnberg. Vor rund 60 Hausärztinnen und Hausärzten informierten Dr. Wolfgang Krombholz, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, Dr. Markus Beier, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, und Dr. Hans-Erich Singer, Bezirksvorsitzender Mittelfranken des Bayerischen Hausärzteverbandes, über die aktuellen Gesetzesvorhaben, wie „Terminservice- und Vergabegesetz“, „Fairer Kassenwettbewerb-Gesetz“, „Digitale Versorgung Gesetz“ und ein Dutzend weiterer Regelwerke, die derzeit im Bundestag diskutiert werden oder vor kurzem verabschiedet wurden.

Beim Terminservice- und Vergabegesetz (TSVG) zeigte KVB-Chef Dr. Wolfgang Krombholz auf, dass es sich bei den vermeintlichen Mehrvergütungen für zum Beispiel neue Patienten oder für dringende Überweisungen wegen der sogenannten „Bereinigung“ aus der Morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) um ein Rechte-Tasche-Linke-Tasche-Spiel handelt. Sein Rat an die Kollegenschaft: „Arbeiten Sie weiter wie bisher. Und stellen Sie auch keine dringenden Gefälligkeitsüberweisungen aus.“

 
2019 07 23 Praxisbesuch Jürgen Mistol Dr. SemmlerZum Vergrößern bitte klicken.

Dr. Markus Beier kritisierte vor allem das sogenannte Faire Kassenwettbewerb Gesetz – und dies aus zwei Gründen. Der Hausärzte-Chef: „Erstens lehnen wir die im Gesetzesentwurf vorgesehene Einschränkung bei der Codierung von Krankheiten entschieden ab, da diese die Versorgung insbesondere von chronisch Kranken deutlich verschlechtert. Zweitens sollen laut Gesetzesentwurf wir Hausärzte für die gleiche Diagnose künftig weniger Honorar erhalten wie Gebietsfachärzte. Diese Idee ist nicht nur nicht nachvollziehbar, sondern stellt eine Herabwürdigung unserer hausärztlichen Tätigkeit und einen Angriff auf die Hausarztzentrierte Versorgung da. Wir lehnen diese Überlegungen bereits im Ansatz kategorisch ab und werden entschieden gegen solche Fehlentwicklungen kämpfen.“

Auch aus diesen Gründen, so appellierte Dr. Beier an die Kolleginnen und Kollegen, sei es deshalb existenziell wichtig, die Hausarztzentrierte Versorgung weiter voranzutreiben und in der Kollegenschaft dafür zu werben, sich in die HzV einzuschreiben. „Das Faire Kassenwettbewerb Gesetz und die anderen Gesetzesvorhaben gehen am Bedarf vorbei und richtet sich gegen hausärztliche Interessen. Wir brauchen die Selektivverträge, damit wir im Kollektivsystem nicht an die Wand gefahren werden“, lautete die klare Botschaft von Dr. Markus Beier an die Nürnberger Hausärztinnen und Hausärzte. Mittlerweile sei außerdem wissenschaftlich belegt, dass die HzV als freiwilliges Primärarztsystem sehr gut funktioniert und auch die Patientenautonomie gewährleistet wird. Dr. Beier: „Für uns Hausärztinnen und Hausärzte gibt es also kein vernünftiges Argument gegen die HzV. Alle Fakten sprechen eindeutig für die Hausarztzentrierte Versorgung.“

Zeit für neue Ärzte - Dr. Abbushi im Gespräch

Ein Resumée der Veranstaltung zieht Dr. Beier im Video-Interview, das Sie hier sehen. 


Die nächsten Veranstaltungen in den jeweiligen KVB-Bezirksstellen:

27. November, 18 Uhr, Regensburg, Yorckstr. 15
3. Dezember, 19 Uhr, Ingolstadt, Wirtshaus am Auwaldsee
Am Auwaldsee 20

Anmelden können Sie sich hier online (Veranstaltungstyp: "Die Folgen der Gesetzesflut") oder formlos per Fax unter der Fax-Nr. 089 5709 3400 21.