Rückblick – Ausblick – Patientensteuerung ist unsere Agenda

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Dr. Markus Beier März 2016Zum Vergrößern bitte klicken.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Rückblick in das gesundheitspolitische Jahr 2019 kommt ohne das Wort „Aktionismus“ nicht aus: Wir erleben einen Bundesgesundheitsminister, dessen Politik sehr oft dem Antrieb geschuldet zu sein scheint, durch überbordende Gesetzesinitiativen Handlungsfähigkeit bei Problemen zu zeigen. Eine praxisorientierte und nachhaltige Strategie ist dabei nur selten zu erkennen. Vielmehr wird in der aktuellen Gesundheitspolitik eine unselige Mischung aus Überregulierung und Deregulierung sichtbar - und beides ist sehr oft eine Verhinderungsstrategie für gute Heilbehandlung.

Abseits der vieldiskutierten Themen möchte ich hier zwei Bedrohungen konkret beim Namen nennen: Die im FKG-Gesetzentwurf der Bundesregierung geplante Abwertung hausärztlicher Diagnosen gegenüber gebietsfachärztlichen im Risikostrukturausgleich bedeutet einen schweren Schlag gegen die hausärztliche Versorgung durch ungerechte Überregulierung. Bei großen MVZ-Strukturen hingegen bedarf es dringend einer weiteren Regulierung, sonst werden sehr bald bereits erste Fachgruppen an Kapitalkonzerne „verkauft sein“ und die Interessen unserer Patientinnen und Patienten gleich mit.

Beim Thema Ausverkauf gibt es noch eine weitere sehr bedenkliche Entwicklung: Der Ausverkauf unser aller Gesundheitsdaten wird mit allen Weichenstellungen des letzten Jahres wahrscheinlicher. Es ist unzweifelhaft, dass eine zukunftsfähige ärztliche und medizinische Behandlung mehr digitale Unterstützung benötigt. Goldgräberstimmung in der Digitalwirtschaft zu erzeugen und dadurch auf große Mengen innovativer Apps zu hoffen, ist jedoch zumindest ein fahrlässiges Spiel mit dem Feuer. Jede Anwendung, die Gesundheitsdaten nützt und z.B. cloudbasiert speichert, ist ein zusätzliches Einfallstor für Datenmissbrauch. Es gilt daher auch hier der Grundsatz: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich!“. Diese Widersprüche praxis- und patientengerecht zu gestalten, ist die Herausforderung der Zukunft und bedarf weit mehr als Aktionismus, und die derzeit gerne gepflegte Polarisierung bei wichtigen Themen hilft auch nicht weiter.

EBM-„Reform“ als Silvesterrakete - ein kurzes mediales Aufblitzen und was am Ende übrigbleibt, sind unangenehme Vernebelung durch Feinstaub und wenig nützlicher Abfall. Wie schon häufig zuvor, haben sich zum Jahresende noch Änderungen im EBM ergeben. Vereinfacht ausgedrückt: Aufwertung einzelner Gesprächsleistungen bei gleichzeitiger Abwertung einzelner Pauschalen und Technikleistungen. Alles in allem ein „Nullsummenspiel“, das abermals dem Wert und dem Kern unserer hausärztlichen Tätigkeit nicht gerecht wird! Was wir brauchen, ist ein fairer und selbstbestimmter Honorarrahmen für unsere Leistung und die Leistung unseres Teams - und das zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten.

Im Kern wünschen wir uns doch als hausärztliche Praxis, dass der persönliche Kontakt und die vertrauensvolle Heilbehandlung mit Technik und Gespräch im Zentrum stehen und nicht zur Nebensache gemacht werden. Deshalb haben wir als Hausärzteverband z.B. im ganz aktuellen HZV-Vertrag ab 1.1.2020 mit der Techniker Krankenkasse besonders die Betreuungspauschalen und die unbürokratischen Zuschläge spürbar gestärkt.
In einem Gesamtumfeld, in dem zu Recht immer mehr die Frage nach der Steuerung unser Patientinnen und Patienten im Gesundheitssystem gestellt wird, ist dies wichtiger denn je. Die Antwort auf die Frage nach der Patientensteuerung kann weder Zufall oder Terminservicestelle noch eine APP oder KI lauten. Die Antwort und Lösung liegt vielmehr in unseren hausärztlichen Praxen und damit in der Hausarztzentrierten Versorgung.
Danke Ihnen und Ihren Teams für Ihre tolle Arbeit und nur die besten Wünsche für uns gemeinsam 2020!

Ihr
Dr. Markus Beier

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