Zwischenbilanz der Pandemiebekämpfung – Nachsteuern jetzt!

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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Deutschland steht in der Pandemiebekämpfung sehr gut da. Und einer der wesentlichen Gründe dafür liegt im ambulanten Schutzwall unserer Praxen begründet. Umso ärgerlicher und unverständlicher ist, dass unseren Medizinischen Fachangestellten (MFA) weiterhin ein Bonus verwehrt bleibt. Wir lassen nicht locker! Ferner ist es an der Zeit, Zwischenbilanz zu ziehen und Veränderungen anzumahnen, die dringend vor und am besten anstatt einer zweiten Pandemiewelle zu regeln sind. Im Einzelnen:

  • 1. Persönliche Schutzausrüstung (PSA) für die Versorgung sicherzustellen, bleibt weiterhin staat-liche Aufgabe in der Pandemie. Ein einfaches, gerechtes und einheitliches Bezugssystem für PSA sollte in absehbarer Zeit den aktuellen Flickenteppich ersetzen und auf Dauer angelegt sein.
  • 2. Wir fodern weiterhin die telefonische AU (für max. 7 Tage bei leichten Infekten) als effektives Mittel in der infektiologischen Prävention. Dabei ist darauf zu achten, dass die Patientinnen und Patienten dem die AU ausstellenden Arzt grundsätzlich persönlich bekannt sind. Fernbehand-lung im Einzelfall kann medizinisch nur in hausärztlicher Hand verantwortungsvoll gelingen. Un-ter diesen Bedingungen scheuen wir auch eine wissenschaftliche Evaluation nicht.
  • 3. Bei der aktuellen epidemiologischen Lage ist das Durchführen von Antikörper-Tests (AK-Tests) nur in begründeten Einzelfällen sinnvoll. Auch als Selbstzahlerleistung warnen wir aktuell vor den nicht ausreichend validen Ergebnissen, die noch zu vielen falschen Ergebnissen führen.
  • 4. Für alle Einrichtungen des Gesundheitswesens und insbesondere für die Alten- und Pflegeheime brauchen wir eine faktisch funktionierende und wissenschaftlich begleitete regelmäßige Teststrategie des öffentlichen Gesundheitsdienstes, um so schneller zu sein, als die unbemerkte, weiterhin gefährliche Verbreitung des Virus. Eine solche Teststrategie ermöglicht es, die schwer auszuhaltende Isolierung der Heime zu beenden. Geredet wurde dazu schon viel, jetzt bedarf es messbarer Taten.
  • 5. So wie es die Falldefinitionen des Robert-Koch-Instituts (RKI) vorgeben, muss es in den Quaran-täne-Regeln noch Raum für ärztliches Ermessen im Einzelfall geben. Die vertrauliche und ver-trauensvolle Entscheidung im Einzelfall ist der zentrale Kern der so wichtigen und schützenswer-ten Beziehung zu unseren Patientinnen und Patienten.
  • 6. Wir fordern von Politik, Gesellschaft und uns allen eine breite Unterstützung für Informations-kampagnen gegen Falschinformationen rund um die Themen der Pandemiebekämpfung und ein maßvolles Abwägen der Gesamtsituation.
  • 7. Wenn Entscheidungen und Konzepte sinnvoll und nachhaltig in der Versorgung ankommen sol-len, bedarf dies gerade auch in einer Pandemie der Einbeziehung unserer hausärztlichen Expertise in den relevanten Beratungsgremien auf allen Ebenen und von Beginn an.

Mit kollegialen Grüßen und herzlichem Dank für Ihr besonderes Engagement und das Ihres Praxisteams
Dr. Markus Beier

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