Bayerisches Testkonzept: Offene Fragen werden auf Initiative des Bayerischen Hausärzteverbandes noch geklärt

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Bayern macht den Vorreiter. Seit 1. Juli 2020 gilt im Freistaat eine neue Coronatest-Strategie. Jede Bürgerin und jeder Bürger, so das Versprechen von Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder, kann sich ab sofort kostenlos testen lassen – auch ohne Symptome. Die entsprechenden Kosten übernimmt der Freistaat, allerdings nur, wenn wegen des Fehlens von Symptomen die Krankenkasse nicht zahlt. Obwohl das Massentest-Programm am Mittwoch angelaufen ist, sind viele Einzelheiten aber noch unklar.

„Bitte haben Sie Verständnis, dass wir die Detailfragen zur Umsetzung des Konzepts heute noch nicht beantworten können“, antwortete ein Sprecher des Gesundheitsministeriums auf konkrete Nachfragen am Mittwochabend. So ist nicht klar, wie eng der Begriff „Bürgerinnen und Bürger Bayerns“ gefasst wird und ob auch Pendler aus anderen Bundesländern oder nicht-bayerische Patienten, die einen Hausarzt in Bayern haben, sich testen lassen können. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml stellte zwar klar, dass die kostenlosen Coronatests kein Angebot für "sämtliche Bundesbürger" oder Touristen, sondern nur für die bayerische Bevölkerung gedacht seien. Gleichzeitig deutete die Ministerin aber in einer Pressekonferenz an, dass auch Pendler aus anderen Bundesländern oder nicht-bayerische Patienten, die einen Hausarzt in Bayern haben, eine Möglichkeit erhalten sollen, sich testen zu lassen.

Am Freitag lud Gesundheitsministerin Melanie Huml dann zur Videokonferenz, an der auch Dr. Markus Beier als Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes teilnahm. „Es war gut, dass das Ministerium jetzt auch das Gespräch mit uns Hausärztinnen und Hausärzten sucht, die das Test-Programm umsetzen sollen. In der aktuellen Startphase war es doch sehr schwierig für uns, die vielen berechtigten Fragen der Praxen zu diesem Konzept der Staatsregierung und der KVB zu beantworten. Wir haben diese offenen Fragen angesprochen und das Ministerium hat zusagt, schnellstmöglich Antworten zu liefern. In der Videokonferenz wurde noch einmal deutlich gemacht, dass die Priorität in Bayern weiterhin auf Tests von kranken und symptomatischen Patienten liegt. Weitere Gespräche werden folgen.“

Bekannt ist bereits: Für die Ärzte ist die Teilnahme am Corona-Testprogramm freiwillig. Ihnen wird also freigestellt, ob sie Coronatests auch bei Symptomlosen durchführen wollen oder nicht und ob sie für Reihenuntersuchungen zur Verfügung stehen. Die entsprechende Abrechnung läuft über die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns.

Damit Patienten wissen, an wen sie sich wenden können, will die KVB die betreffenden Ärzte in zwei Listen zusammenfassen. In der einen Liste sollen alle Ärzte aufgeführt werden, die sich für die Durchführung von Reihenuntersuchungen zur Verfügung stellen, in der anderen alle, die Coronatests auch für Symptomlose in den Praxen durchführen. Weitere Details sind derzeit noch nicht bekannt. Dr. Markus Beier: „Wir empfehlen allen Patienten, die sich testen lassen wollen, zunächst direkt Kontakt mit der eigenen Hausärztin bzw. dem eigenen Hausarzt aufzunehmen. Sollte diese Praxis keine Tests durchführen, können die Kollegen diese Patienten an die entsprechenden Praxen weiterleiten.“

Eine kurzfristige Abstimmung ist außerdem noch nötig bei der Frage, welche Schutzmaßnahmen bei den Coronatests von Symptomlosen notwendig sind. Wichtig ist den Patienten noch einmal bewusst zu machen, dass sich das Angebot im Rahmen des Bayerischen Testkonzepts derzeit nur auf PCR-Tests beschränkt. Weitere Informationen zu Antikörper-Tests sind für den Herbst angekündigt.

Deutlich wurde, dass positiv getestete Patienten, die keine Symptome haben, ebenfalls ans zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden, was wiederum eine verpflichtende Quarantäne auslöst. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums: „Im Falle eines positiven Nachweises von Sars-CoV-2 wird wie bisher verfahren, d. h. die Anordnung einer Quarantäne und eine umfangreiche Ermittlung von Kontaktpersonen durch das jeweils zuständige Gesundheitsamt. Alle Kontaktpersonen der Kategorie I von einem bestätigten Fall werden dann zu zwei Zeitpunkten auf SARS-CoV-2 getestet, nämlich an Tag 1 nach Ermittlung sowie an Tag 5 bis 7 nach Erstexposition. Der erste Test soll so früh wie möglich an Tag 1 nach Ermittlung erfolgen, um im Falle einer Infektion möglichst rasch weitere Kontaktpersonen zu identifizieren. Unter Erstexposition ist jener Kontakt zu verstehen, der zur Einstufung als KP I in der aktuellen Situation führt.“

Dr. Markus Beier, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes: „Grundsätzlich begrüßen wir als Hausärztinnen und Hausärzte natürlich jede Maßnahme, die möglicherweise dazu beiträgt, die Pandemie einzugrenzen. Nachdem aber 98 bis 99 Prozent der Coronatests derzeit negativ ausfallen, gehen wir derzeit davon aus, dass es zu keiner erheblichen Nachfrage kommt. Sollte dem doch anders sein, sind weitere Strategien nötig. Wichtiger ist es, - und dies hat die Gesundheitsministerin noch einmal bestätigt - die vulnerablen Gruppen mit einer nachhaltigen Teststrategie zu schützen, also zum Beispiel die Bewohner und Mitarbeiter in Alten- und Pflegeheimen und prioritär natürlich die Erkrankten zu behandeln. Entscheidend ist außerdem die Einhaltung der bekannten Hygienemaßnahmen, also Abstand halten, häufiges Händewaschen sowie die korrekten Husten- und Niesetiquette. Außerdem sollte der Freistaat Vorbereitungen für eine mögliche zweite Welle im Herbst treffen. Es darf nicht wieder passieren, dass wir Hausärztinnen und Hausärzte nicht genügend Desinfektionsmittel und Schutzausrüstungen haben.

COVID-19 Testungen: Hier gehts zur Abrechnungsübersicht für Ärztinnen und Ärzte.