Umfrage-Tendenz bestätigt: Hausarztpraxen tragen Hauptlast der Versorgung von COVID-19-Patienten

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Bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie waren und sind Hausärztinnen und Hausärzte mit ihren Praxisteams in erster Reihe mit dabei. Darauf weisen die Angaben der bisherigen Teilnehmer an einer noch laufenden Umfrage des Bayerischen Hausärzteverbandes hin.

Demnach haben beispielsweise 83 Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte in ihren Praxen Tests auf COVID-19 vorgenommen, knapp 71 Prozent kamen bei ihrer Arbeit mit infizierten Personen in Kontakt und nahmen damit auch ein nicht zu unterschätzendes Infektionsrisiko in Kauf. Gleiches gilt für die Medizinischen Fachangestellte, die Hausärztinnen und Hausärzte bei der Diagnose und Behandlung von Patienten mit COVID-19 unterstützen: 51 % der Umfrageteilnehmer gab an, dass ihre MFA bei ihrer Arbeit in Kontakt zu SARS-CoV2-Infizierten kamen.

Hausärztinnen und Hausärzte auch außerhalb der Praxis gegen Corona im Einsatz

Das große Engagement vieler Hausärztinnen und Hausärzte während der „heißen Phase“ der Corona-Pandemie spiegelt sich auch darin wieder, dass mehr als 62 Prozent Infekt-Sprechstunden eingerichtet haben und 74 Prozent auch außerhalb der Praxis bei der Bekämpfung der Pandemie eine entscheidende Rolle spielten, sei es als Versorgungsärzte, bei Testungen in anderen Einrichtungen und im Rahmen des mobilen Fahrdienstes oder bei Aufbau und Koordination von Infekt-Praxen und Testzentren.

Wissenschaftliche Arbeiten wie die erst kürzlich veröffentlichte Untersuchungen des Wissenschaftlichen Instituts der PKV kommen ebenfalls zu dem Schluss, dass ein großer Vorteil Deutschlands in der ambulante Testung und Behandlung von Infizierten liegt. In anderen Ländern erfolgten die Tests vorwiegend in Krankenhäusern, was sich als nachteilig erwies. Zudem wurden hierzulande nur 20 Prozent der Infizierten im Krankenhaus behandelt, in Frankreich waren es beispielsweise 67 Prozent und in Spanien 50 Prozent.

Mehr Hausbesuche in der Hochphase der Pandemie

Wie genau Hausärztinnen und Hausärzte ihren Versorgungsauftrag gerade in der Hochphase der Corona-Pandemie nahmen, lässt sich auch an der gestiegenen Zahl der Hausbesuche ablesen: Einer Mitteilung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi)  zufolge haben Hausärztinnen in den letzten beiden Märzwochen des Jahres 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum etwa 13 Prozent mehr Hausbesuche absolviert. Gleichzeitig ist die Zahl der ambulanten Notfälle, zum Beispiel in den Bereitschaftsdienstpraxen und in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser, um rund 25 Prozent gesunken.

Dafür gab es von der Süddeutschen Zeitung „Ein Lob dem Hausarzt“. „Von der Politik ist die Wertschätzung der in Hausarztpraxen geleisteten Arbeit in den letzten Wochen leider ausgeblieben“, bedauert Dr. Markus Beier. „Dabei wurden etwa sechs von sieben COVID-19-Infizierten durch Hausärztinnen und Hausärzte und ihre MitarbeiterInnen betreut und versorgt, die sich dabei selbst einem Infektionsrisiko ausgesetzt haben, vor allem, als es noch nicht ausreichend Schutzausrüstungen gab. Wir würde es als Zeichen der Anerkennung seitens der Bayerischen Staatsregierung werten, wenn unsere MFA auch in den Genuss des „Corona-Bonus“ kommen würde“, wiederholte Dr. Beier seine Forderung vom April dieses Jahres.